Hans-Ulrich Jakob ist Präsident des Vereins Gigaherz, der als Zweck auf seiner Website schreibt: «Wir wollen erreichen, dass die Bevölkerung vor den schädlichen Auswirkungen der elektro-magnetischen Strahlung geschützt wird und dass bereits Betroffene zu ihrem Recht kommen.»


Herr Jakob, kommt der Kanton Aargau nach den Messungen zu Recht zum Schluss, die Elektrosmog-Belastung für die Bevölkerung sei moderat?
Hans-Ulrich Jakob: Das kommt ganz darauf an, wie hoch man die Messlatte legt. Oder wie viele Prozent der Bevölkerung Sie krank machen wollen. Es gibt sensible Menschen, die nicht einmal 0.6 Volt pro Meter vertragen. Wenn Sie die Messergebnisse des Kantons betrachten, ist diese Limite an einigen Orten schon beträchtlich überschritten.

Wie beurteilen Sie die angewendete Messmethode mit dem Dosimeter?
Es wurde eindeutig mit dem falschen Gerät am falschen Ort gemessen. Das Dosimeter misst nicht isotropisch, das heisst, wenn es nicht auf die Strahlungsquelle ausgerichtet wird, liefert es Resultate, die bis zu dreimal zu tief sein können. Und ein Dosimeter hat keine Anzeige, also lässt es sich auch nicht auf die Strahlungsquelle ausrichten. Die Werte müssen später zu Hause auf dem Computer ausgelesen werden.

Gibt es weitere Schwachpunkte bei einer Dosimeter-Messung?
Ja, noch schlimmer wird es, wenn ein Dosimeter bei der Messung am Körper getragen wird. Falls das Gerät auf der falschen Körperseite liegt, ist der registrierte Wert infolge der Abschirmung durch den Menschen selbst, bis zu zwölfmal zu tief. Sie können sich also ein Dosimeter im wahrsten Sinn des Wortes an den Hut stecken. Dort liefert es noch die höchsten Werte.

Aber Sie müssten es doch grundsätzlich begrüssen, dass der Kanton Aargau die Strahlenbelastung an Orten misst, wo sich viele Leute aufhalten?
Wenn man auf öffentlichen Plätzen misst, sagt das gar nichts aus über die Werte, die in einer Wohnung im 4. oder 5. Stock mit Sichtverbindung auf die Mobilfunkantenne anzutreffen sind. Eine Faustregel für Messtechniker sagt, dass sich die Strahlenbelastung pro Stockwerkhöhe jeweils verdoppelt. Wenn Sie im Erdgeschoss also 0,2 Volt pro Meter messen, kann es vorkommen, dass Sie im 5. Stock bereits auf 6,4 Volt pro Meter kommen. Und die Hälfte der Bevölkerung lebt ja nicht auf den öffentlichen Strassen und Plätzen, sondern in Wohnungen
im 3. bis 6. Obergeschoss.