Elektroinstallateur sei nicht sein Traumberuf, aber ziemlich nah dran, sagt Arbnor Jashari, Elektriker-Lehrling im dritten Lehrjahr. Der 20-Jährige lernt bei Jost Elektronik, einem Unternehmen mit acht Standorten im Aargau. Einem Unternehmen, das für den Sommer 2013 noch eine Lehrstelle ausgeschrieben hat.

«Ja, wir suchen noch«, bestätigt Tobias Studer, der Lehrlingsbetreuer vom Standort Baden. Studer weiss: Wenn man einen guten Schnupperstift hat, der interessiert ist an einer Lehrstelle, dann muss man handeln, und zwar schnell.

Sonst hat er den Lehrvertrag schon anderswo unterschrieben. Aktuell gibt es im Aargau noch 18 freie Lehrstellen als Elektroinstallateur.

Die Sorge um den Nachwuchs

In vielen handwerklichen Berufen können auch diesen Sommer nicht alle Lehrstellen besetzt werden. Diese Beobachtung macht auch das Departement Bildung, Kultur und Sport.

Mediensprecherin Irene Richner: «Während die Nachfrage nach Dienstleistungsberufen stetig steigt, verlieren die handwerklichen und gewerblichen Berufe teilweise an Ansehen.»

Dieses Bild zeichnet auch die neusten Auswertungen des kantonalen Lehrstellennachweises (Lena). Vergeben waren gestern 4335 Lehrstellen, das sind fast 90 Prozent aller Aargauer Lehrstellen, die auf der Onlineplattform ausgeschrieben wurden.

Begehrt sind Lehrstellen im Bereich Gesundheit, Bildung und Soziales sowie Wirtschaft und Verwaltung. Anders bei den technischen Berufen oder im Baugewerbe.

Tobias Studer, Lehrlingsbetreuer bei Jost Elektronik, blieb nicht untätig. Er hat an Schulen Flyer verteilt, die für den Beruf des Elektroinstallateurs werben. Jost hat sogar einen eigenen Film gedreht, der einen Einblick geben soll in den Beruf.

Tobias Studer selber hat seine Lehre vor elf Jahren abgeschlossen und er ist noch immer glücklich mit seiner Berufswahl. Noch glücklicher wäre er, wenn er bis zum Lehrbeginn in knapp drei Wochen noch einen guten Lehrling finden würde.

Auch in anderen Berufsgruppen sorgt man sich um den künftigen Nachwuchs. Andreas Haller, der Inhaber der Haller Baumschule in Oftringen, hat seine Gärtner-Lehrstelle für dieses Jahr soeben erst vergeben.

Er sagt: «Es ist schwieriger geworden, gute Leute zu finden.» Bereits auf der Suche nach einem Lehrling für 2014 ist Dominik Frei von der Bäckerei-Konditorei Frei in Nussbaumen.

Er findet, dass auch die Berufsverbände etwas tun müssen, um ihre Berufe attraktiv zu machen. Damit die Jugendlichen die verschiedenen Berufe kennen lernen und ein bisschen mehr wissen über die Tätigkeit eines Bäcker-Konditors, als die gängigen Klischees – früh aufstehen, den ganzen Tag essen.

«Gebt nicht auf»

Einige Firmen hoffen, noch einen Lehrling zu finden. Manchmal ist es aber auch andersrum. «Lehrstelle Jetzt», ein Angebot der ask! Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf Aargau, hilft Jugendlichen, die noch auf der Suche sind.

Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin Rahel Brugger ist eine dieser Last-Minute-Lehrstellen-Beraterinnen. Bei ihr sitzen ganz unterschiedliche junge Leute:

Einige sind deprimiert, weil sie schon hundert Bewerbungen geschrieben haben und nur Absagen bekamen, andere haben die Lehrstellensuche schlicht verschlafen, und eine kleine Gruppe hat sich zur Aufnahmeprüfung für eine Mittelschule angemeldet und diese nicht bestanden.

Brugger versucht herauszufinden, wo das Problem liegt, gibt Tipps und motiviert die jungen Menschen. Was Brugger Jugendlichen rät, die noch keine Lehrstelle haben: «Gebt nicht auf und meldet euch bei uns!» Denn auch letztes Jahr hat «Lehrstelle Jetzt» 90 Prozent aller Jugendlichen eine Anschlusslösung vermitteln können.

Jeder Dritte fand sogar noch eine Lehrstelle. Lehrverträge können noch bis Ende August unterschrieben werden.