Sonderregelung
Handschlag-Dispens: Aargauer Muslime sind über die Sonderbewilligung erstaunt

Muslimische Schüler dürfen im Baselbieter Therwil der Lehrerin den Händedruck Gründen verweigern. Aargauer Muslime sind erstaunt über diese Sonderregelung.

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Morgens vor Unterrichtsbeginn der Lehrperson die Hand zu geben, das ist im Aargau vor allem in der Primarschule üblich. Dass sich in Therwil (BL) zwei muslimische Schüler weigern, Lehrerinnen die Hand zu geben, kann der Präsident des Verbands Aargauer Muslime, Halit Duran nicht verstehen. Gegenüber Tele M1 sagt er: «Ich war sehr erstaunt, ich habe von so einer Sonderregelung noch nie zuvor gehört.»

Halit Duran ist über die Baselbieter Sonderregelung erstaunt. Zur Person: Halit Duran (40) ist Präsident des Verbandes Aargauer Muslime (VAM). Duran ist Sohn eines Türken, der vor 50 Jahren in die Schweiz eingewandert ist. Der Elektroingenieur ETH ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Turgi. Der Dachverband der muslimischen Vereine vertritt rund 10 Prozent der Aargauer Muslime. (kus)

Halit Duran ist über die Baselbieter Sonderregelung erstaunt. Zur Person: Halit Duran (40) ist Präsident des Verbandes Aargauer Muslime (VAM). Duran ist Sohn eines Türken, der vor 50 Jahren in die Schweiz eingewandert ist. Der Elektroingenieur ETH ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Turgi. Der Dachverband der muslimischen Vereine vertritt rund 10 Prozent der Aargauer Muslime. (kus)

Aargauer Zeitung

Er hoffe, in diesem Fall werde nicht aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Halit weiter: «Natürlich bedauere ich es sehr, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer dadurch angegriffen fühlen.»

Beim Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband hofft man, dass es nie zu einem solchen Fall käme. Denn in diesem Fall müsste man in Sachen Integration und Verantwortung der Eltern dringend über die Bücher, sagt die Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbandes, Elisabeth Abbassi: «Hier muss man unbedingt das Gespräch suchen.»

Würden die Eltern nicht einlenken und gäbe es weitere Punkte, bei denen sie die Kinder gesellschaftlich so ausgeschlossen würden, dann müsse man ernsthaft den Dialog suchen.
Die Präsidentin meint: «Das Ziel muss sein, dass auch Kinder mit Migrationshintergrund hier in der Schweiz ihr Leben aufbauen können. Das beinhaltet, dass man sich an Regeln und Konventionen hält, die hier gelten.» Anders könne Integration nicht funktionieren.
Nach der Diskussion ums Kopftuch und Dispensen vom Schwimmunterricht scheint nun ein neues Problem in den Schweizer Schulen gefunden. In Bezug auf die Handschlagverweigerung ist im Baselbiet derzeit eine Prüfung durch die Bildungsdirektion hängig. (sae)

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