Urteil

Handbremse auf Autobahn gezogen: Beifahrer muss fünf Jahre hinter Gitter

Bei 120km/h auf der Autobahn hat der Mann die Handbremse gezogen.

Bei 120km/h auf der Autobahn hat der Mann die Handbremse gezogen.

Die Aargauer Justiz hat einen Mann zu einer Freiheitsstrafe von mehreren Jahren verdonnert, weil er unter anderem als Beifahrer bei 120 km/h auf der Autobahn die Handbremse gezogen und so seine Gattin und seine Tochter in Lebensgefahr gebracht hatte.

Der Ehemann und Vater einer dreijährigen Tochter hatte Einiges auf dem Kerbholz. Bereits als Jugendlicher war er wegen Hehlerei, Drogen- und Strassenverkehrsdelikten verurteilt worden. Was den jungen Familienvater dazu bewog, im September 2010 als Beifahrer seiner Gattin bei Tempo 120 auf der Autobahn die Handbremse zu ziehen, ist im Detail nicht bekannt. Offenbar bestand eine eheliche Konfliktsituation.

Klar ist, dass er dadurch seine Frau und sein Kind in höchste Gefahr gebracht hatte. Die Aktion auf der Autobahn von Baden in Richtung Basel hatte zur Folge, dass das Fahrzeug unkontrolliert ins Schleudern geriet, sich einmal um die Achse drehte und mit dem Heck gegen die rechte Leitplanke knallte, wo es schliesslich zum Stillstand kam.

 Gefährdung des Lebens

Das Obergericht des Kantons Aargau verurteilte den Kamikaze-Beifahrer, der sich auch der mehrfachen Vergewaltigung schuldig gemacht hatte, wegen Gefährdung des Lebens und grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Zudem widerrief das Obergericht eine früher bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Damit muss der Mann insgesamt 5 Jahre und drei Monate hinter Gitter. Der Verurteilte erhob dagegen Beschwerde ans Bundesgericht und verlangte vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens freigesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren bestraft zu werden. 

Hohe Gefahr für die Insassen

Das Bundesgericht zeigte kein Verständnis für die Ausführungen des Kamikaze-Beifahrers. Für die Richter ist offensichtlich, dass der Mann, nachdem er die Handbremse gezogen hatte, keinen Einfluss auf das weitere Geschehen hatte.

Ein ungünstiger Aufprall des Fahrzeuges oder eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug hätte angesichts des hohen Tempos tödliche Folgen haben können, ist das Bundesgericht überzeugt. Dass es nicht dazu kam und sich die Gefahr nicht verwirklichte, ist einzig glücklichen Umständen zu verdanken.

Mit diesem Verhalten, so das oberste Gericht, habe der Lenker eine unmittelbare Lebensgefahr für die Insassen geschaffen. Die Strafe von vier Jahren sei angemessen. Auch den Widerruf der bedingt ausgesprochenen 15-monatigen Freiheitsstrafe schützte das Bundesgericht.

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