Die meisten Besucher am Hallwilersee verhalten sich vorbildlich. Doch auch hier gibt es die berühmte Minderheit, die sich völlig daneben benimmt. Dieser Autofahrer zum Beispiel: Er war zu faul, vom Seenger Brestenberg-Parkplatz an den See hinunter zu laufen. Nach einer Fahrt durch Wohnquartiere und Fahrverbot stellte er sein Auto direkt beim Männerbad ab, nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Zwei Hunde sprangen aus dem Auto. Ohne Leine.

«Wir ärgern uns immer wieder über Leute, die mit ihrem Auto zum See runter fahren», sagt Peter Wyss. Er gehört zu den Hallwilersee-Rangern, die seit sieben Jahren am See die Hausordnung durchsetzen. Das fünfköpfige Ranger-Team stoppt Velofahrer auf dem Uferweg, der Spaziergängern vorbehalten ist. Sie mahnen Hundehalter, wenn deren Vierbeiner ohne Leine herumrennen. Auf dem ganzen Seeuferweg gilt Leinenpflicht sowie ein allgemeines Fahrverbot. Auch Reiten ist nicht erlaubt.

Besucher schaden der Natur

Die Hallwilersee-Ranger haben einen abwechslungsreichen Job. Sie informieren auch Besucher über Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt. Zudem bieten sie Exkursionen für alle Gäste an und unterstützen Lehrkräfte beim Unterricht über Natur und Umwelt.

Oft müssen Chef-Ranger Bruno Fürst und seine Kollegen aber den Kopf schütteln. «Viele Besucher wissen kaum etwas über Natur- und Tierschutz», sagt Peter Wyss. «Das ist erschreckend.» Man nehme kaum Rücksicht auf die Natur. «Besucher legen sich ins hohe Gras oder in die Schilf-Schutzzone, sogar Absperrbänder vor dem Naturschutzgebiet werden ignoriert.» Das bestätigt Chef-Ranger Fürst: «Viele Menschen haben die Bodenhaftung verloren und kennen die Natur nur aus dem Fernseher.»

Ärgernis Stand-up-Paddler

Auch die Hallwilersee-Ranger sind deshalb der Meinung, dass es zu viele Leute am Hallwilersee hat. «Der Mensch soll den See nutzen dürfen, der Druck nimmt aber jedes Jahr enorm zu», sagt Bruno Fürst. «Wir müssen ständig Leute mahnen, das Naturschutzgebiet nicht zu betreten.»

Die vielen Besucher haben bereits negative Folgen für die Natur: Laut Fürst gibt es immer weniger Brutvögel am See, vor allem im Aabach. «Hier leidet die Natur stark unter Wassersportgeräten wie Schlauchbooten, Kanus sowie den Stand-up-Paddlern. Die Paddler fahren teilweise rücksichtslos durch die Uferzone.» Bruno Fürst plädiert deshalb dafür, dass in der Brutvogel-Zeit nur Schwimmer in den Aabach dürfen.

Weitere Verbote möchte Fürst jedoch vermeiden: «Es ist sinnvoller, die Besucher am Hallwilersee mit entsprechenden Hinweisschildern besser zu lenken.» Es brauche eine klare Trennung zwischen Gebieten, die der Natur vorbehalten sind sowie Gebieten für den Menschen.

Ein Panther im Schilf

Die grössten Konflikte gibt es auf dem Seeufer-Weg. Hier nerven sich Spaziergänger über Velofahrer und freilaufende Hunde. Das ärgert auch den Seenger Gemeinderat Dieter Gugelmann: «Es gibt viele Reklamationen wegen Velofahrern und Hundehaltern am See.» Er habe schon beobachtet, wie Velofahrer von Rangern gestoppt wurden und 50 Meter weiter wieder aufs Velo stiegen. «Das Problem verschlimmert sich», so Gugelmann. «Die Ranger müssen die Kompetenz erhalten, solche Übertretungen zu büssen.» Dies brauche aber eine Gesetzesänderung und der Kanton stelle sich quer.

Dieter Gugelmann, Gemeinderat Seengen

Ärgert sich über Velofahrer am Seeuferweg:

Dieter Gugelmann, Gemeinderat Seengen

Die Hallwilersee-Ranger können also nur Ermahnen; gebüsst wird nur, wenn die Polizei mit auf Patrouille ist. Das ist im Sommer an hektischen Tagen der Fall. Manchmal reagieren die Ermahnten uneinsichtig, in einigen Fällen sehr aggressiv. Doch es gibt auch amüsante Momente auf der Patrouille: Aufgeregte Passanten informierten einst die Hallwilersee-Ranger, einen Panther im Schilf gesehen zu haben.

Es war kein Panther. Es war eine schwarze Katze.

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