Asyl-Häuser
Halle für Flüchtlingshäuser wäre für eine halbe Million zu haben

Weil die Ikea-Häuser nicht winterfest sind, sollen sie in beheizten Hallen stehen. Laut einem Experten könnte es günstiger sein, wenn der Kanton selber eine Halle baut. Eine Idee wäre eine Traglufthalle – ähnlich wie bei Tennisclubs.

Fabian Hägler
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Ikea-Flüchtlingshäuser, wie hier auf der griechischen Insel Lesbos, sollen im Aargau in geheizten Hallen stehen.

Ikea-Flüchtlingshäuser, wie hier auf der griechischen Insel Lesbos, sollen im Aargau in geheizten Hallen stehen.

Better shelter

Wie die «Schweiz am Sonntag» meldete, will der Kanton noch diesen Monat mehrere Flüchtlingshäuser von Ikea testen. Auf- und abgebaut wurden die faltbaren Häuser schon, nun sollen sie mit Flüchtlingen belegt werden. Die Ikea-Häuser, die unter dem Namen «Better Shelter» vertrieben werden, bieten Platz für fünf Personen und sind mit 1000 Euro pro Exemplar günstig zu haben.

Allerdings sind sie nicht geeignet für den Wintereinsatz im Freien. Deshalb sucht der Kanton nun Hallen, in denen die Flüchtlingshäuser aufgestellt werden können. Solche Hallen, die über Heizung, Strom- und Wasseranschlüsse verfügen, gibt es laut dem Sozialdepartement mehrere im Kanton.

Schaut man sich auf Immobilienportalen im Internet um, gibt es tatsächlich Angebote. Allerdings stehen die ausgeschriebenen Hallen durchweg in der Industrie- oder Gewerbezone – und das ist problematisch.

«Grundsätzlich sind Asylunterkünfte in Wohnzonen, gemischten Wohn- und Gewerbezonen sowie in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen zonenkonform», hält Balz Bruder, Sprecher des Sozialdepartements, auf Anfrage fest.

Für mögliche Fremdnutzungen von Industrie- und Gewerbebauten wäre eine Ausnahmebewilligung nötig. «Diese könnte nur durch das grosse öffentliche Interesse an der Schaffung von Unterkünften für Asylsuchende oder allenfalls durch die Befristung einer Fremdnutzung begründet werden.»

Ein «Tennis-Ballon», eine aufblasbare Halle, so halten die Tennisclubs das Spiel im Winter aufrecht.

Ein «Tennis-Ballon», eine aufblasbare Halle, so halten die Tennisclubs das Spiel im Winter aufrecht.

ho

Mieten oder selber bauen?

Täglich beschäftigt sich Dietmar Blum, Immobilienverwalter bei der Ferrowohlen AG, mit dem Bau, der Sanierung und der Vermietung von grossen Hallen. Auf dem Firmenareal in Wohlen sind Grossfirmen wie ABB, Digitec oder Alstom in sanierten Hallen des ehemaligen Stahlwerks eingemietet.

Zudem hat das Unternehmen inzwischen zwei grosse neue Hallen für andere Firmen erstellt. «Für eine Asylhalle haben wir bisher aber keine Anfrage vom Kanton erhalten», sagt Blum. Platz für Ikea-Flüchtlingshäuser zu schaffen, wäre derzeit auf dem Areal auch kaum möglich.

«Momentan sind unsere Flächen voll belegt, zudem liegt das gesamte Areal in der Industriezone und kommt deshalb für ein Asylzentrum nicht infrage», betont der Immobilienverwalter.

Welche Möglichkeiten sieht Blum für den Kanton – und welche Kosten würden diese mit sich bringen? «Die Mietkosten einer geeigneten Halle dürften bei 100 bis 120 Franken pro Quadratmeter und Jahr liegen.»

Geht man von 150 Flüchtlingshäusern aus, die mit etwas Abstand voneinander je 20 Quadratmeter beleben, wäre eine Fläche von 3000 Quadratmetern notwendig – das würde den Kanton pro Jahr zwischen 300 000 und 360 000 Franken kosten.

Wäre es da nicht billiger, auf Kantonsland eine neue Halle zu bauen? «Grundsätzlich wäre dies denkbar, es steht aber nicht im Vordergrund», sagt Balz Bruder.

Immobilienverwalter Blum könnte sich eine Traglufthalle vorstellen, wie sie zum Beispiel bei Tennisclubs zum Einsatz kommen. Er sagt, die reine Bauzeit einer solchen 3000-Quadratmeter-Halle dürfte rund drei Wochen betragen, die Kosten bei ungefähr 500 000 Franken liegen.

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