Zeljko J. (47) ist wieder in Freiheit. «Er wurde am Donnerstagabend aus dem Strafvollzug entlassen», sagt Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken der AZ. Das Aargauer Obergericht hat zuvor die entsprechende Verfügung erlassen, nachdem das Bundesgericht das Urteil der Vorinstanz im Fall Gränichen aufgehoben und den Bosnier vom Mordvorwurf freigesprochen hatte.

Für Zeljko J. endet damit, nach 2006 Tagen, seine Zeit hinter Gittern. Dafür steht ihm eine Haftentschädigung zu. Laut Schweizer Strafprozessordnung hat diese «angemessen» zu sein. Vor Obergericht forderte der damalige Verteidiger Roger Baumberger eine Entschädigung von 584 000 Franken für seinen Mandanten: 404 000 Franken für 1347 Tage in Haft, 180 000 Franken für den Lohnausfall. Baumgartner ging von 300 Franken Haftentschädigung pro Tag und 4000 Franken Monatslohn aus. Zudem forderte er eine Genugtuung von 4140 Franken.

Laut Bundesgericht sind die 300 Franken Haftentschädigung pro Tag der Maximalbetrag. Das Minium liegt bei 100 Franken. Für Zeljko J. bedeutet das: Er darf für die ungerechtfertigte Haft mit einem Betrag zwischen 189 900 und 596 700 Franken rechnen.

Dazu dürften Partei- und Verfahrenskosten für die Verhandlungen vor Bezirks- und Obergericht kommen. Spricht das Gericht auch eine Entschädigung wegen Lohnausfalls auf Basis jener 4000 Franken Monatslohn, könnte sich der Gesamtbetrag im besten Fall für Zeljko J. auf rund 850 000 Franken erhöhen.

Ein Mord ohne Spuren

Ein Mord ohne Spuren

Im Mordfall Gränichen wurde der vermeintliche Todesschütze aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen. Handelt es sich dabei um das perfekte Verbrechen?

Obergericht muss entscheiden

Über die Höhe der Haftentschädigung wird das Obergericht in einem neuen Urteil entscheiden. Ebenso über die Strafe für die Schuldsprüche wegen versuchter einfache Körperverletzung, Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Hausfriedensbruch. Zu diesen äusserte sich das Bundesgericht nicht.

Eine Haftstrafe hierfür würde die Entschädigung zwar schmälern. «Es bleiben aber sicher einige Jahre Haft, für die er zu entschädigen ist», sagt Verteidigerin Caterina Nägeli, die Zeljko J. mit Anna Schuler vertritt. «Wir werden nun prüfen, welchen Antrag wir stellen», sagt Nägeli.

Folgen hat der Freispruch für den vermeintlichen Täter auch für die Hinterbliebenen des Mordopfers, die Witwe und den Sohn: Das Bundesgericht hat nicht nur ihre Zivilansprüche abgewiesen, sondern ihnen auch 1500 Franken Gerichtskosten sowie die Hälfte der 3000 Franken Parteientschädigung für Zeljko J.s Rechtsanwältin auferlegt.

Das Bundesgerichts-Urteil finden Sie hier.