1589 mal rückten die Beamten der Aargauer Kantonspolizei und der Regionalpolizeien 2014 wegen häuslicher Gewalt aus. «Der Aufwärtstrend setzt sich in diesem Bereich ungebrochen fort», heisst es in der gestern vorgestellten Broschüre «Polizeiliche Sicherheit 2014».

Und: Er hat im letzten Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Nie zuvor gab es im Aargau mehr Interventionen wegen häuslicher Gewalt. 2013 waren es noch 441 Fälle weniger. Dafür gibt es laut Kapo-Sprecher Bernhard Graser verschiedene Gründe.

Der erste Grund ist ein trivialer: Weil die Bevölkerung generell zunimmt, tut dies auch die Anzahl hier lebender Männer. Sie üben, das bestätigt die Statistik, viel häufiger häusliche Gewalt aus als Frauen (Verhältnis 80 zu 20 Prozent).

Der zweite Grund ist ein logischer: Polizei, Behörden und Opferhilfestellen haben zuletzt viel Aufklärungsarbeit betrieben. Bernhard Graser sagt es so: «Die Sensibilität ist grösser geworden. Die Opfer wissen heute, dass man Anzeige erstatten kann und auch Hilfe erhält.»

Der dritte Grund ist ein bemerkenswerter: Mit der Bevölkerungszunahme hat laut Graser auch der Anteil an Mitbürgern zugenommen, die «aufgrund ihrer kulturellen Prägung häusliche Gewalt anwenden».

Er meint damit Familien, häufig aus dem Ausland zugezogene, in denen die Rolle des Mannes als Familienoberhaupt unumstritten ist – und die das im Alltag bisweilen auch mit Gewalt durchsetzen.

Rückt die Polizei wegen häuslicher Gewalt aus, heisst das «Intervention». In den meisten Fällen sind es die Opfer selbst, die alarmierten, häufig aber auch Nachbarn oder Freunde.

Steht ein Straftatbestand im Raum, werden Ermittlungen aufgenommen. Falls nicht, reicht ein Bericht zuhanden der zuständigen Behörde. Je nach Fall kann dies zum Beispiel eine Gemeinde oder eine Staatsanwaltschaft sein.

Interventionen sind laut Graser in der Regel «sehr, sehr heikel». Häufig müssten die Beamten Gewalt anwenden oder gar Schusswaffen einsetzen. Ermittlungen würden zudem oft auch gegen den Willen von Täter und Opfer geführt, was die Arbeit zusätzlich erschwere.