Spreitenbach
«Habe als Jugendlicher Mist gebaut, muss ich ein Leben lang dafür büssen?»

Der Kosovare Valon Ismajli ist frustriert darüber, dass sein Einbürgerungsgesuch erneut geprüft wird. Er habe den Schweizer Pass verdient. Falls sein Gesuch vom Parlament zurückgewiesen wird, zieht er vors Verwaltungsgericht.

Aline Wüst
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Normalerweise winkt der Grosse Rat Einbürgerungen einfach durch. Am vergangenen Dienstag beschloss das Kantonsparlament aber, ein Gesuch genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dabei geht es um die Einbürgerung von Valon Ismajli (32) aus Spreitenbach. Der Kosovare ist frustriert über den Entscheid, wie er gegenüber Tele M1 sagt. Er habe sich integriert und in den letzten dreizehn Jahren nichts zuschulden kommen lassen.

«Ich behaupte deshalb, dass ich es verdient habe, eingebürgert zu werden.» Ismajli wohnt seit 22 Jahren in der Schweiz. Er hat zwei Kinder, seine Frau ist bereits eingebürgert. Er führt zusammen mit seinem Bruder in Spreitenbach ein Autogeschäft.

Eine weisse Weste hat Ismaili aber nicht. Der Kosovare ist mehrfach vorbestraft. Zwischen 2001 und 2003 wurde er dafür zu Haftstrafen verurteilt. Diese Delikte sind mittlerweile aus dem Strafregister gelöscht.

Überschattet wird sein Einbürgerungsgesuch nun von der Tragödie im luzernischen Menznau. Der Todesschütze war ein eingebürgerter Kosovare und mehrmals vorbestraft.

Andreas Glarner, Fraktionspräsident der SVP, sagt: «Dieser Mann hat zu viel auf dem Kerbholz, darum mussten wir eingreifen.» Es könne nicht sein, dass jemand der wegen mehrfachen Diebstahls, Hehlerei und grober Verletzung der Verkehrsregeln vorbestraft ist, einfach ohne Widerstand eingebürgert werde.

Ismajli sieht das anders, wie der «SonntagsBlick» berichtete. «Ich habe als jugendlicher Mist gebaut, muss ich jetzt mein ganzes Leben lang dafür büssen?» Seine Taten erklärt er so: Einmal habe er einem Kollegen den Schlüssel zum Gebäude eines ehemaligen Arbeitgebers gegeben, worauf dieser dort eingebrochen sei.

Wegen Hehlerei sei er angeklagt worden, weil er unwissentlich ein gestohlenes Handy gekauft habe. Ismaili glaubt, dass er jetzt als Sündenbock der Tragödie in Menznau herhalten müsse.

Seine Taten könne er leider nicht mehr rückgängig machen, sagt der Kosovare. «Ich hoffe einfach auf einen positiven Entscheid.»

Sollte der Grosse Rat sein Gesuch ablehnen, wird Ismajli vor Verwaltungsgericht ziehen.

Dort wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit Recht bekommen, das weiss auch SVP-Grossrat Martin Sommerhalder. Gerade deswegen dürfe das Gesuch aber nicht einfach durchgewinkt werden. Es gehe darum ein Zeichen zu setzen, sagt Sommerhalder.

Wann der Grosse Rat über das Einbürgerungsgesuch von Valon Ismajli entscheidet, ist noch nicht entschieden.

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