Manch ein Aargauer wird stolz auf seinen Schulort sein, wenn er sich die Auswertung des Gymnasium-Rankings ansieht. Der Kanton Aargau lässt mit seinen sechs staatlichen Gymnasien die gesamte Rest-Deutschschweiz hinter sich.

Nachdem die ETH 2010 eine Studie über die Leistungen der Gymnasium-Abgänger veröffentlichte, entflammte im Aargau eine grosse Diskussion über die Qualität der staatlichen Gymnasien im Kanton. Lediglich die Alte Kanti Aarau sowie die Kantonsschule Wohlen erreichten Spitzenplätze, die restlichen vier Schulen schnitten damals eher dürftig ab.

An der Qualität der Gymnasien kann das damalige Ergebnis jedoch eindeutig nicht liegen.

Bei der Erstellung der Rangliste wurden Kriterien wie Anzahl Ergänzungsfächer, die durchschnittliche Klassengrösse oder die jeweiligen Eintrittshürde berücksichtigt. Zudem wurde darauf geachtet, ob W-Lan vorhanden ist oder ob das Ablegen einer bilingualen Matur möglich ist.

«Kein Grund zur Euphorie»

Für Bettina Diem, Leiterin Sektion Mittelschulen im Aargauer Bildungsdepartement, kommt dieser Entscheid leicht überraschend: «Natürlich wusste ich, dass unsere Schulen gute Arbeit leisten. Doch wir haben uns noch nie interkantonal eingeordnet», so Diem. «Dass es gerade der erste Platz ist, freut uns aber natürlich sehr.»

In Euphorie bricht sie deswegen jedoch nicht aus: «Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu geniessen, da vor allem Kriterien wie die Infrastruktur, das Fächerangebot und gewisse Aspekte der Qualitätssicherung, nicht aber das Können der Schülerinnen und Schüler, wie zum Beispiel ihr Studienerfolg, in die Studie einbezogen wurden.»

Fakten vertauscht

Zu Bedenken gibt die Sektionsleiterin zudem, dass Fakten in der Studie vertauscht wurden. So existiert die von der «Weltwoche» hochgelobte Aufnahmeprüfung im Aargau nur für Auswärtige. «Bei uns zählen, genau wie in anderen Kantonen, die Noten aus der Bezirksschule für den Übertritt in die Kanti.»

Einen Grund, sich auf dem Erfolg auszuruhen gebe es nicht: «Wir sind immer damit beschäftigt, die Rahmenbedingungen für guten Unterricht weiter zu verbessern. Zurzeit steht die Raumknappheit im Mittelpunkt: In Baden und Wohlen wird ab August in neuen Pavillons unterrichtet und auch an den anderen Kantonsschulen wollen wir zusätzliche Raumkapazitäten schaffen», meint Bettina Diem.

Tipps an die schlechter klassierten Kantone möchte Diem nicht geben: «Ich habe keine Einsicht in deren Arbeit und kann und will sie deshalb auch nicht bewerten. Sie sollen sich bloss nicht beirren lassen.»