Erntebeginn
Gut Ding will Weile haben: Aargauer Äpfel kommen spät, schmecken aber umso besser

Der schlechte Frühling wirkt noch immer nach: Die Obsternte beginnt 14 Tage zu spät. Aber die 4500 Tonnen Aargauer Tafeläpfel und die 450 Tonnen Birnen sind von bester Qualität. Trotz eines leicht geringeren Ertrages sind die Obstbauern zufrieden.

Hans Lüthi
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Die Gold-Obstbauern

Die Gold-Obstbauern

Annika Bütschi

Fast so dicht wie Trauben hängen die bald erntereifen Äpfel in der Niederstamm-Anlage des Saumhofes in Künten. «Die jüngsten kühlen Nächte und sonnigen Tage haben dem Obst viel Farbe gebracht», freut sich Franz Peterhans. Zusammen mit Tochter Bernadette und Schwiegersohn Peter Kuhn hat er den ersten Rang im Qualitätswettbewerb der Aargauer Obstbauern erzielt.

Der Saumhof hoch über dem Reusstal gehört mit acht Hektaren zu den grössten und schönsten Obstanlagen im Kanton. «Eine Vollernte sind 150 Tonnen Äpfeln und Birnen, im Kühlhaus haben wir die doppelte Lagerkapazität», sagt Peterhans. Denn dort lagern auch Früchte von Berufskollegen – bis in den nächsten Sommer.

25 Kilo Äpfel pro Aargauer

Von den landesweit erwarteten 133000 Tonnen Tafeläpfeln wachsen über 4500 Tonnen an den Aargauer Bäumen. Trotz des miserablen Frühlingswetters kommt es nicht zum befürchteten Ausfall. Die Schätzung liegt leicht unter einem Durchschnittsjahr, dafür ist die Qualität top. Die 14 Tage Verspätung sind kein Problem – wenn das goldene Herbstwetter anhält.

Bei den Mostäpfeln gibt es ein Drittel mehr als im Vorjahr, bei den Mostbirnen wird sogar mit 70 Prozent mehr gerechnet.

Interessant sind diese Zahlen: Die Aargauer Bevölkerung konsumiert jährlich 15 Millionen Kilogramm Äpfel. «Aber nur ein Drittel davon stammt aus dem eigenen Kanton», betont Othmar Eicher vom Obstbau im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Bei über 600000 Einwohnern beträgt der mittlere Konsum pro Kopf und Jahr gegen 25 Kilogramm Äpfel.

Goldregen für Produzenten

«Mit dem Wettbewerb wollen wir die Produzenten zu Höchstleistungen anspornen», erklärt Ruedi Neeser aus Reitnau, für das Kernobst im Verband der Aargauer Obstproduzenten zuständig. Die Teilnehmer wissen, auf was die Experten bei den zehn Merkmalen achten: «Von den 14 Teilnehmern erhalten neun eine Goldmedaille», sagt Neeser. Bei gleich vielen Punkten entscheiden Fläche und Gesamtzustand der Anlage über den Rang. Auf dem 2. Rang nach dem Küntener Saumhof folgt Kurt Rennhard aus Leuggern, 3. wird Joe Bündler aus Wittnau.

«Wenig Ausfälle gab es dieses Jahr durch Hagel und Feuerbrand», stellt Othmar Eicher fest. Denn die gefährliche Bakterienkrankheit liebt warme Frühjahre. Anderseits begünstigte das nasskalte Wetter die Schorfbildung stark. Nur mit einem konsequenten Pflanzenschutz konnten grosse Ausfälle verhindert werden.

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