Verkehrsentlastung

Guhls Projekt: eine Schnellstrasse von Wettingen bis Aarau Ost

Regionen wie Baden-Wettingen und Brugg-Windisch sind vom Verkehr überlastet. Der Kanton stellt demnächst konkrete Entlastungsvorschläge vor. Dem Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl reichen die nicht. Er bringt als Gesamtlösung eine – natürlich auch viel teurere – Schnellstrasse in Diskussion.

Der Aargau wuchs in jüngster Vergangenheit um über 10 000 Einwohnerinnen und Einwohner jährlich. 2015 könnten es weniger werden. Doch die Bevölkerung wächst, das gilt auch für den Verkehr. Entsprechend steigt die Belastung von Städten, Agglomerationen und Autobahnen. Entlastung sollen die «Ostaargauische Strassenentwicklung» (Oase), ein Ausbau der A1 auf sechs Spuren und mehr öffentlicher Verkehr bringen.

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl findet, all diese Projekte seien nötig und richtig: «Aber es sind punktuelle Massnahmen, es reicht nicht, es fehlt der Blick aufs Ganze.» Seine Vision ist eine Autostrasse von Wettingen Ost übers Siggenthal, durch den Bruggerberg und via das Schinznacherfeld bis Aarau Ost.

Wie kommt er darauf? Guhl ist überzeugt, mit so einem Projekt, dessen Realisierungszeithorizont er bis 2040 einschätzt, könnte man mehrere Fliegen auf einen Schlag erledigen:
■ Entlastung der Zentren Baden-Wettingen und Brugg (mit Windisch)
■ Kapazitäten schaffen im Raum A1/Bareggtunnel
■ Baden West sowie Knoten Mägenwil und Lenzburg entlasten
■ das Zurzibiet besser ans Autobahnnetz anschliessen
■ bei Unfällen auf der A1 im Raum Baden West gäbe es eine Ausweichroute.

Der ausgebaute Bareggtunnel inklusive ausgebauter Autobahn bis Birrfeld sei bereits wieder am Anschlag, argumentiert Guhl. Bedingt ist dies nicht nur durch die starke Belastung der Ost-West-Hauptachse durch den Transitverkehr. Die Autobahn dient hier auch dem regionalen Quell-Zielverkehr und ist gewissermassen Teil des Kantonsstrassennetzes. Guhl, der viele Jahre in Windisch wohnte: «Jeden Morgen ein ‹Riesengstungg›.» Die chronischen Verkehrsüberlastungen in den Rush Hours zeigen ihm: Es braucht zwischen Baden und Aarau eine Entlastung.

Schnellstrasse Wettinge-Aarau

Der Aargau spürt die massive Belastung der A1, die den Kanton von Ost nach West durchquert. Die Aargauer Regierung und die Mehrheit des Grossen Rates wollen, dass die A1 ab Birrfeld bis Aarau raschmöglichst auf sechs Spuren ausgebaut wird. Diese Forderung schickte der Aargau unlängst mittels Standesinitiative nach Bern. Dort findet sie aber kein Musikgehör. Der Bund will diesen Ausbau zwar auch, aber erst bis 2040. Dem Aargau bleibt die Hoffnung, dass man trotzdem früher beginnen kann, wenn ein anderes grösseres Vorhaben des Bundes in Verzug gerät und er frühzeitig bereit ist. Um Zentren zu entlasten, sind im Aargau schon Umfahrungen realisiert worden bzw. sind bewilligt, aber noch nicht gebaut. Beispiele für Letzteres ist die Umfahrung Mellingen. Dringend ist die Entlastung der Regionen Baden/Wettingen, Brugg/Windisch und ein besserer Anschluss des Unteren Aaretals an die A1. Vor zwei Jahren verwarf der Kanton den Baldeggtunnel wegen ungünstigem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dafür arbeitet der Kanton an einer Lösung für den Ostaargau, genannt Ostaargauische Strassenentwicklung (Oase). Im Frühling wurden mehrere mögliche Varianten vorgestellt. Im Dezember wird ein Gesamtkonzept erwartet. Auch hier gilt der Realisierungshorizont bis 2040. Für den Kanton ist der sechsspurige A1-Ausbau zudem eine Voraussetzung für sämtliche Massnahmen. Zudem wird bis 2030 auf verschiedenen Bahnstrecken der Takt verdichtet. Schon bis etwa 2022 wird die Limmattalbahn von Zürich-Altstetten bis Killwangen-Spreitenbach in Betrieb gehen – vorausgesetzt natürlich, die Zürcher Bevölkerung stimmt der Vorlage am 22. November an der Urne zu. Die Zustimmung des Aargauer Grossen Rates zum Aargauer Teilstück liegt bereits vor. (MKU)

A1-Unfall: Auch Region dicht
Wenn auf der A1 ein grösserer Unfall geschieht und eine Spur oder gar eine Fahrrichtung für Stunden gesperrt ist, kommt es zu riesigen Rückstaus. Dann bricht der Verkehr in der ganzen Region zusammen. Guhl: «Da verpassen unzählige Leute ihre Termine. Nicht zu reden von den Lastwagen und Handwerkern, die zu spät kommen. Da gehen zahllose Arbeitsstunden verloren, der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm!»

Guhl ist überzeugt, dass zentrale Teile des Projekts «Ostaargauische Strassenentwicklung» Teil seiner langfristigen Lösung werden könnten. Beispielsweise ein Tunnel durch den Bruggerberg. Er bringt seinen Vorschlag jetzt schon, damit man allfällige Landreserven rechtzeitig im Richtplan sicherstellen könnte. Guhl: «Je länger man wartet, desto schwieriger wird es, weil immer mehr gebaut wird.»

Viele Tunnels für Akzeptanz
Weil der Boden jetzt schon knapp ist, schlägt Guhl beispielsweise einen Tunnel unter der Wettinger Landstrasse vor. Das wäre machbar, ist er überzeugt. Auch bei der Basler Nordtangente sei ein Teil der Autobahn unterirdisch. Er war bei deren Planung als Verkehrsleittechniker dabei.

Dann könnte die Strasse durch den bestehenden Umfahrungstunnel von Ennetbaden führen. Danach geht es ebenfalls im Tunnel weiter zur Entlastung des Siggenthals. Nach dem Anschluss für das Untere Aaretal geht es weiter über eine neue Aarequerung und durch den Bruggerberg. Danach sieht Guhl einen Anschluss Richtung Bözberg vor. Zusätzlich wäre ein Halbanschluss an die A3 zu prüfen. Erst dann kommt die Strasse richtig an die Oberfläche.

Im Raum Schloss Wildenstein wäre wohl noch ein Tunnel nötig. Letztlich soll die Strasse beim A1-Anschluss Wettingen starten und beim A1-Anschluss Aarau Ost wieder ans Autobahnnetz angeschlossen werden. Guhl: «Ich schlage so viele Tunnels vor, weil ich weiss, wie schwierig es für die Leute ist, eine neue Strasse zu akzeptieren.»

Gretchenfrage: Was kostet es?
Eigentlich hätte die Region Baden durch den Baldeggtunnel entlastet werden sollen. Den liess der Kanton wegen ungenügendem Kosten-Nutzen-Verhältnis fallen. Er hätte rund eine Milliarde gekostet. Doch diese Strasse dürfte deutlich mehr kosten. Wer zahlt?

Guhl hat keine Kostenberechnung angestellt: «Ich weiss, dass es teuer wird. Um den Verkehr aus den Zentren rauszunehmen und wieder zu verflüssigen, muss man aber Geld in die Hand nehmen. An einer solchen Autostrasse müsste auch der Bund interessiert sein, da sie die A1 insgesamt und mehrere Knoten an der A1 entlasten würde. Er müsste einen höhren Anteil zahlen als den, der er an den Baldeggtunnel geleistet hätte.»

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