Wasserfassungen

Grundwasserschutz: Aargauer Bauern lehnen Einschränkungen ab – der Kanton führt Kontrollen ein

Der Kanton hat ein Merkblatt mit den Regeln für die Grundwasserschutzzonen veröffentlicht.

Der Kanton hat ein Merkblatt mit den Regeln für die Grundwasserschutzzonen veröffentlicht.

In einem Merkblatt für die Landwirte hat der Kanton die wichtigsten Bewirtschaftungeinschränkungen rund um Wasserfassungen zusammengefasst.

Die Forderung von Grünen-Grossrat Hansjörg Wittwer, dass Bauern rund um Wasserfassungen im Aargau vollständig auf Spritzmittel verzichten sollten, lehnt der Bauernverband Aargau ab. Wann der Vorstoss für ein Spritzverbot im Kantonsparlament behandelt wird, ist offen. Auch die Position der Regierung ist unbekannt, sie hat zur Motion noch keine Stellung genommen.

Mit dem Thema befasst sich der Kanton aber sehr wohl, auf der Website des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg ist seit kurzem ein neues Merkblatt dazu aufgeschaltet. «In letzter Zeit rückten die Grundwasserschutzzonen und die damit verbundenen Bewirtschaftungseinschränkungen vermehrt ins Interesse der Medien, aber auch in jenes von Gemeinden und direkt betroffenen Landwirten», heisst es auf der Website.

Deshalb hat Christoph Ziltener, Fachspezialist Ressourcenschutz beim Kanton, zusammen mit Landwirtschaft Aargau die wichtigsten Bewirtschaftungseinschränkungen in Grundwasserschutzzonen zusammengefasst. Die Zonen sind nach dem Grundsatz aufgebaut, dass die Vorschriften immer strenger werden, je näher man der Wasserfassung kommt.

Bewirtschaftungsvorschriften um Grundwasser- und Quellfassungen sind in den jeweiligen Schutzzonenreglementen festgehalten. Zu jedem Reglement gehört ein Plan, der die Lage der Grundwasserschutzzonen S3 (weitere Schutzzone), S2 (engere Schutzzone) und S1 (Fassungsbereich) zeigt. Bewirtschaftungsvorschriften für die S3 gelten demnach auch in der S2 und in der S1.

In der weiteren Schutzzone S3 sind gewisse Pflanzenschutzmittel heute schon verboten, massgebend ist eine Liste des Bundesamts für Landwirtschaft. Nicht zulässig ist auch der Einsatz von stickstoffhaltigem Dünger von November bis und mit Februar verboten. Vor und nach der Getreidesaat im Herbst darf auch kein flüssiger Hof- und Recyclingdünger ausgebracht werden. Verboten sind Zwischenlager von Mist und die Feldrandkompostierung. Nicht erlaubt sind zudem die Freilandhaltung von Schweinen und Geflügel.

In der engeren Schutzzone S2 darf grundsätzlich kein flüssiger Hof- und Recyclingdünger eingesetzt werden. Gemüse-, Obst- und Weinbau sowie vergleichbare Spezialkulturen sind verboten. Weidehaltung von Tieren ist nur in der Vegetationsperiode zulässig. Tränkestellen und Fressplätze sind vollständig verboten.

Die Schutzzone S1 rund um den Fassungsbereich ist oftmals eingezäunt und wird nicht landwirtschaftlich genutzt. Sie kann laut Merkblatt nur als extensiv genutzte Wiese mit Weideverbot bewirtschaftet werden oder ist bewaldet.

Gewässerschutz-Massnahmen werden künftig kontrolliert

Auf der Liebegg-Website findet sich auch ein Merkblatt zum Gewässerschutz in der Landwirtschaft. Im Rahmen der Kontrollen zum ökologischen Leistungsnachweis werde ab dem Jahr 2020 überprüft, ob die Vorgaben eingehalten werden, heisst es darin. Aufgelistet werden insgesamt 13 Kontrollpunkte: Sechs betreffen den baulichen Gewässerschutz, fünf Pflanzenschutzmittel, Düngemittel und Treibstoffe, zwei die diffusen Einträge in Gewässer.

Vorgaben gibt es unter anderem zur Gülle- und Mistlagerung, zur Lagerung von Pflanzenschutzmitteln, zu Wasch- und Abstellplätzen für Spritzgeräte, zur Beweidung von Pufferzonen entlang von Gewässern oder zu Schächten auf landwirtschaftlich genutztem Land.

Wenn ein Bauer die Vorgaben im ökologischen Leistungsnachweis nicht erfüllt, erhält er keine Direktzahlungen. Bei den neuen Gewässerschutzkontrollen ab dem kommenden Jahr wird laut dem Merkblatt «nicht nach Mängeln gegraben.» Ziel der Überprüfung durch den Kanton sei, die wichtigsten Risiken und mögliche Fehler festzustellen.

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