Lebensmittelkontrollen

Grüselbeizen: «Im Aargau sind 95 Prozent der Restaurants sauber genug»

«Im Aargau sind 95 Prozent der Restaurants sauber genug», sagt Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau.

«Im Aargau sind 95 Prozent der Restaurants sauber genug», sagt Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau.

Die Forderung, die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen in Beizen, zu veröffentlichen, werden immer lauter. Josef Füglistaller sagt, warum er sich bewusst dagegen wehrt und warum ein Anprangern von «Grüselbeizen» nichts bringen würde.

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch das Resultat überaus deutlich: Über 90 Prozent der az-Leser sprechen sich dafür aus, dass die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen in Restaurants öffentlich gemacht werden. 

Mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrollen fordern eidgenössische Parlamentarier von links bis rechts, allen voran die Berner SP-Nationalrätin Nadine Masshardt und ihr St. Galler SVP-Ratskollege Lukas Reimann. Zwar scheiterten ihre Anläufe im Parlament mehrmals, doch Masshardt prüft derzeit einen neuen Vorstoss (wir berichteten). 

In Online-Kommentaren kündigen einige Leser an, keine Schweizer Beizen mehr besuchen zu wollen, solange sie «etwas zu verbergen hätten». Ein Leser schreibt, die nicht veröffentlichten Ergebnisse seien für ihn der Grund, nur noch nach Deutschland oder Frankreich essen zu gehen.

Fördert man also mit der Geheimnistuerei den Einkaufstourismus? «Nein», ist sich Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau, sicher. «Leute, die im Ausland ins Restaurant gehen, machen das nicht wegen der verdeckten Hygiene-Ergebnisse, sondern wegen den günstigen Preisen», sagt er. «Auch in Deutschland muss man die Ergebnisse nicht veröffentlichen.»

Schimmel und abgelaufene Lebensmittel: So grusig sieht es in Aargaus Grüselbeizen aus.

Schimmel und abgelaufene Lebensmittel: So grusig sieht es in Aargaus Grüselbeizen aus. (April 2015)

Bereits im April äusserte sich Füglistaller, der höchste Aargauer Wirt, gegenüber Tele M1 zu einer möglichen Offenlegung der Ergebnisse. Damals meinte er: «Dort wo es viele Leute hat, ist es gut, mehr braucht es nicht.» Nach wie vor ist er grundsätzlich dagegen: «Im Aargau sind 95 Prozent der Restaurants sauber genug. Natürlich sind diese fünf ungenügenden Prozent schade, aber man sollte eher diese intern härter bestrafen, als sie anzuprangern».

Denn eben jene Anprangerung könne schnell falsch verstanden werden. «Es kann einen Wirt einmal treffen, der vorher und nachher immer super Ergebnisse vorzuweisen hat. Vor solchen Fällen wollen wir schützen», sagt Füglistaller. Zudem ist er sich sicher: «Wo Professionalität vorhanden ist, ist es auch sauber.»

«So schmutzig, dass man die Lebensmittel nicht mehr einem Kunden auftischen darf»: Alda Breitenmoser über die Aargauer Grüsel-Beizen.

«So schmutzig, dass man die Lebensmittel nicht mehr einem Kunden auftischen darf»: Alda Breitenmoser über Aargauer Grüsel-Beizen. (April 2015)

Es sei ausserdem möglich, aber freiwillig für eine Beiz, dass diese die Ergebnisse ihrer Hygieneuntersuchung publiziert. Doch warum machen das nicht alle? Füglistaller: «Der Kunde ist sowieso davon überzeugt, dass der Koch weiss, wie man in der Küche umgehen muss, sonst würde er dort nicht essen gehen.»

Im Kanton Zug werden seit fünf Jahren die Ergebnisse der Lebensmittekontrollen aus den letzten drei Jahren öffentlich aufgelegt– mit grossem Erfolg: Es hat nur noch halb so viele Beizen, deren Sauberkeit ungenügend ist.

Wäre dies nicht auch ein Anreiz für den Aargau, so dass es nur noch zweieinhalb Prozent «Grüselbeizen» hat? «Es ist sowieso nur eine Frage der Zeit, bis der Konsumentendruck so gross ist, dass eine ähnliche Regelung wie in Zug bei uns eingeführt wird», meint Füglistaller.

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