«Die warmen Wassertemperaturen unserer Flüsse haben im Hitzesommer 2018 tausende Fische das Leben gekostet», schreibt die Aargauer Nationalrätin Irène Kälin (Grüne). In der Aare hätte neben der Sonneneinstrahlung auch das Kernkraftwerk Beznau seinen Teil zu den hohen Wassertemperaturen beigetragen. Das Kraftwerk in der Aareschlaufe entnimmt Kühlwasser aus dem Fluss und leitet dieses – wärmer als vorher – in die Aare zurück. «Das ist nur möglich, weil das AKW Beznau zur Zeit von Ausnahmebedingen für das Einleiten des Kühlwassers in die Aare profitiert», schreibt Irène Kälin.

Die Aargauer Nationalrätin verlangt, die heute geltende Ausnahme «zum Wohle des Gewässerschutzes und der Fische» zu streichen. In einer Motion beauftragt sie den Bundesrat, die nötigen Verordnungen dahingehend zu ändern, «dass in Zukunft keine Ausnahmebedingungen für das Einleiten des Kühlwassers von Atomkraftwerken mehr möglich sind, wenn das Aarewasser 25 Grad überschritten hat».

Wegen Hitze Leistung gedrosselt

Gemäss heute geltender Konzessionen müsse Beznau die Leistung erst reduzieren, wenn die Temperatur des eingeleiteten Kühlwassers in die Aare den Grenzwert von 32 Grad erreiche, schreibt Kälin. Das war in diesem Sommer der Fall. Im August musste das Atomkraftwerk wegen der Hitze die Leistung um 120 Megawatt pro Reaktorblock reduzieren, was rund einem Drittel der Leistung entspricht.

In Zukunft könnte das Atomkraftwerk Beznau sogar 33 Grad warmes Kühlwasser in die Aare fliessen lassen, wie der «Bund» Anfang Juni berichtete. Das Energie- und Umweltdepartement bestätigte damals Informationen der Zeitung, dass eine entsprechende Ausnahmebewilligung vorbereitet werde. Wie sie im Detail aussehe, sei noch unklar. Die neue Verordnung mitsamt möglicher Ausnahmebewilligung ist umstritten. Gegenüber dem «Bund» kritisierte Michael Casanova von Pro Natura, die Gewässerökologie werde damit in einer Zeit, in der sie «bereits unter grossem Stress steht, noch weiter unter Druck gesetzt als bisher». Der Bundesrat hingegen sieht keine Gefahr. Eine Änderung der Verordnung führe nur zu «geringen Auswirkungen» auf die Umwelt.