SP und Grüne haben bereits angekündigt, dass sie nach dem Rücktritt von Franziska Roth der SVP den frei gewordenen Sitz in der Aargauer Regierung nicht kampflos überlassen werden. Nun steht fest, wer sich zur Wahl stellt. Es handelt sich um einen einzigen Kandidaten: Grossrat Severin Löscher, 56. 

"Es wurden Gespräche mit verschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten geführt, die das Rüstzeug für ein Regierungsratsmandat mitbringen", schreiben die Grünen in der Einladung zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom Donnerstag, an der sie über die Kandidatur von Lüscher entscheiden werden.  Lüscher gehe "als einziger Kandidat" hervor, der sich für die Nomination zur Verfügung stelle.

Hochuli gab ihm Einblick

Der Grüne Politiker aus Schöftland im Bezirk Kulm sitzt seit Ende 2015 im Grossen Rat. Er erlebte damit alt Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) noch ein Jahr im Amt. 

"In den vergangenen gut zwei Jahren seit dem Ausscheiden von Susanne Hochuli aus der Regierung habe ich persönlich und politisch darunter gelitten, dass es nicht mehr vorwärts ging – und in dieser sehr speziellen Situation stellte sich der Gedanke ein, dass ich mehr bewirken könnte, wäre ich in der Regierung", schreibt Lüscher im Motivationsschreiben, das der Einladung angehängt ist. Susanne Hochuli habe ihm Einblick gewährt in die Regierungsarbeit. Er weist auch daraufhin, dass er "über die Parteigrenzen hinweg Arbeitsbeziehungen knüpfen" konnte, die sich als nützlich und fruchtbar erwiesen hätten. Er ist Mitglied der Kommission Gesundheits- und Sozialwesen.

Lüscher kandidiert für den Nationalrat. falls er am Donnerstag nominiert wird, zieht er sich aber aus der Nationalratsliste zurück. Als sein Ersatz auf der Liste stellt sich Martin Bossard zur Verfügung. 

Hausarzt seit 20 Jahren

Lüscher ist seit bald 20 Jahren Hausarzt. Das stärkt seine Kandidatur insofern, als es ja das Departement Gesundheit und Soziales ist, für das ein neues Mitglied des Regierungsrats gesucht wird. Auch vor dem Hintergrund, dass Franziska Roth als Quereinsteigerin und wegen angezweifelter Fachkompetenz immer wieder in der Kritik stand.  

Lüscher ist über alle Parteien hinweg der erste, der für die Nachfolge von Franziska Roth kandidieren will. Bei der SP scheint Nationalrätin Yvonne Feri im Vordergrund zu stehen. Auf Anfrage hatte Feri der AZ bestätigt, dass sie das Regierungsratsamt nach wie vor interessiere – nach wie vor, weil sie bei der letzten Regierungsratswahl gegen Franziska Roth noch unterlegen war. "Ich will mich aber noch nicht für oder gegen eine Kandidatur festlegen", sagte Feri. Es müssten zuerst die internen Prozesse abgewartet werden. Die SP wird über ihre Nomination im August entscheiden.