Nach längerer Vorarbeit hat Bau- und Verkehrsdirektor Stephan Attiger kürzlich die Lösungsvarianten zur Entlastung der Verkehrsräume Baden-Wettingen und Brugg-Windisch vorgestellt. Parteien, Verbände und die betroffenen Regionen konnten sich dazu äussern. Jetzt liegen die Antworten vor.

Aus den im Grossen Rat vertretenen Parteien stechen die Grünen mit ihrer massiven Ablehnung hervor. Sie kritisieren, der Aargau wolle mit viel Beton und Asphalt im östlichen Kantonsteil die drängenden Verkehrsprobleme lösen: «Das versucht er seit Jahrzehnten, und ebenso alt sind die Rezepte, die er dafür in Betracht zieht.»

Statt «betonlastiger Pläne» fordern sie «eine zukunftsorientierte Mobilitätsplanung, die die Interessen des motorisierten Individualverkehrs nicht länger über die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Lebensqualität stellt». Ähnlich klingt es bei der SP. Sie verlangt «eine nachhaltige und für die Wohnbevölkerung verträgliche Lösung».

Erreichbarkeit müsse dem untergeordnet sein und könne auch mit Massnahmen im öV sowie bei Velo und Fussgängern erreicht werden. Von den vorgeschlagenen «Bestvarianten» zur Entlastung der Verkehrsräume hält sie nichts. Entsprechend sieht die SP auch keine Verbesserungsmöglichkeiten dafür.

GLP: Finanzierung fraglich

Sehr kritisch äussert sich auch die GLP. Zwar lassen sich die Ausgaben für die Umsetzung des Projekts noch nicht genau beziffern. Trotzdem stehen aus Sicht der Grünliberalen die Kosten für die Ausbaupläne in keinem Verhältnis zum Nutzen, die Finanzierung sei mehr als fraglich.

Sowohl die Zielsetzung des Kantons als auch die vorgeschlagenen Varianten genügten einer modernen Verkehrsplanung nicht. Ziel müsse sein, zusätzlichen Autoverkehr nicht entstehen zu lassen. Die GLP fragt zudem, warum betroffene Gemeinden mitzahlen sollen, wenn sie nur wenig von der Umfahrung haben oder gar unter Mehrverkehr leiden (Beispiel Ober- und Untersiggenthal).

Zu eng gefasst ist die Zielformulierung auch für die EVP. Die Verkehrssituation in den genannten Räumen sei aber dringend zu verbessern. Sie bringt für Brugg noch eine Lösungsvariante ins Spiel. Kritisch äussert sich namens der BDP auch die BDP Obersiggenthal. Sie versteht nicht, warum man mit grossen Mitteln die Kernstädte entlastet, jedoch für Agglomerationsgemeinden wie Ober- und Untersiggenthal «nichts vorgesehen» sei.

SVP, FDP, CVP rufen nach Oase

Bei den drei grossen bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP, die im Grossen Rat die Mehrheit stellen, klingt es ganz anders. Die SVP begrüsst das Projekt. Planbarkeit jeder Reise sei für Private und die Wirtschaft «von äusserster Wichtigkeit». Positiv sei auch die Umfahrung Siggenthal. Doch es sei auch die Entlastungswirkung für die vom Durchgangsverkehr betroffenen Gemeinden aufzuzeigen, fordert sie. Angrenzende Gemeinden dürften «nicht als Stauraum für die Zentrumsentlastungen missbraucht werden».

Besonders wichtig ist der SVP, dass parallel zur Entlastung im Ostaargau die A1 im Aargau dringend auf sechs Spuren ausgebaut wird. Auch will sie keine «einseitige Bevorteilung des öV». «Eher» bis mehrheitlich «völlig einverstanden» mit den Vorschlägen aus dem Baudepartement zeigt sich auch die kleine EDU.

Als «transparent, nachvollziehbar und logisch» schätzt die FDP die vorgeschlagenen Lösungsvarianten für die beiden Grossräume ein. Sie erkennt in den Vorschlägen aus Aarau ein Gesamtkonzept und «definitiv nicht nur eine reine Massnahme für den motorisierten Individualverkehr». Sie lehnt aber auch eine «nicht nachvollziehbare, künstliche Beschränkung und damit Diskriminierung des motorisierten Individualverkehrs entschieden ab».

Die CVP schliesslich sieht in den Oase-Vorschlägen des Baudepartements ebenfalls einen Teil eines Gesamtverkehrskonzepts». Kritisch merkt sie an, die Anbindung des Unteren Aaretals und des Raums Siggenthals müsse «sicher noch konkret untersucht werden». Etwa auf die Befürchtung hin, dass eine Attraktivierung der Nord-Süd-Achse aus Deutschland Richtung Baden zu einem massiven Anstieg des Durchgangsverkehrs führen könnte. Zudem sei vertieft zu untersuchen, welche Auswirkungen von Oase auf den Siedlungs- und Landschaftsraum zu erwarten sind.

Mehr Informationen zum Projekt Oase finden Sie hier.