Grün top, bürgerlich ein Flop. So lassen sich die Resultate der Zürcher Kantonswahlen vom Sonntag zusammenfassen. Die Grünen und die Grünliberalen haben im 180-köpfigen Parlament je neun Sitze dazugewonnen, die Grünen sind auch in die Regierung eingezogen. Die SVP hat derweil neun Sitze verloren, die BDP ist aus dem Parlament ausgeschieden.

Die Zürcher Wahlen gelten als Gradmesser für die nationalen Wahlen. Das ist auch im Aargau angekommen und sorgt ein halbes Jahr vor den Nationalrats- und Ständeratswahlen auch hier für grosse Freude auf der einen Seite und zumindest Nachdenklichkeit auf der anderen Seite: Die Grünen hätten eine gute Ausgangslage, sagt ihr Aargauer Kantonalpräsident Daniel Hölzle. Die Resultate aus Zürich motivierten zusätzlich, in den Wahlkampf zu steigen, sagt GLP-Präsident Beat Hiller. Er lasse sich jetzt nicht verrückt machen, stellt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl klar. Und SVP-Präsident Thomas Burgherr findet, seine Partei müsse die Lage jetzt analysieren und dann entsprechend handeln.

Grüne: Die Gewinner der Zürcher Parlamentswahlen

Grüne: Die Gewinner der Zürcher Parlamentswahlen

Während die SVP neun Sitze verliert, legen die Grünen dieselbe Zahl zu. Die Klimapolitik scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein.

BDP und SVP mobilisieren

«Die Stimmbeteiligung war vor allem in ländlichen Gebieten tief. Wir gehen davon aus, dass viele unserer Wähler nicht an die Urne gegangen sind», versucht sich Thomas Burgherr mit einer Erklärung, warum die SVP in Zürich so schlecht abgeschnitten hat. Dies habe eine erste Analyse am Montagmorgen gezeigt. Vielfach würden potenzielle Wähler aus dem Frust heraus, dass sie sowieso nichts bewirken können, aufs Wählen verzichten. Dies etwa wegen der «Nicht-Umsetzung» der Masseneinwanderungs-Initiative. «Wir müssen den Wählern jetzt aufzeigen, dass es gerade dann Sinn macht, die richtigen Leute nach Bern zu schicken, wenn man mit der aktuellen Politik nicht zufrieden ist», sagt der SVP-Aargau-Präsident. Es gehe also darum, die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, das mache die SVP am besten, indem sie nahe bei den Leuten sei. «Wir wollen einen engen Bezug zu den Bürgerinnen und Bürgern, ihre Anliegen kennen und ernst nehmen. Übrigens nicht nur im Wahljahr», so Burgherr.

Das Ziel, die Leute überhaupt an die Urne zu locken, hat auch die BDP, die sich in diesem Jahr von den anderen Parteien abheben will, z. B. mit Neujahrsplakaten, die bereits im Dezember/Januar hingen. «Wir wollen sichtbar sein», sagt Bernhard Guhl. Er geht davon aus, dass das gelingen kann, zumal die Partei mit ihrer Amtsenthebungs-Initiative derzeit auch ausserhalb des Wahlkampfs Gesprächsstoff biete.

Gesprächsstoff bietet aber derzeit vor allem das Klima. «Das Resultat aus Zürich zeigt, dass die Bevölkerung diesbezüglich sensibilisiert ist», sagt Daniel Hölzle. Das sei den Grünen zugutegekommen, weil sie sich das Thema von Anfang an auf die Fahne geschrieben haben. Aber auch die Grünliberalen haben davon profitiert, dass die Klimaproblematik in den letzten Wochen und Monaten die Leute mobilisiert hat. Das macht Hölzle jedoch keinen Kummer: «Wir haben die Kompetenzen und die Glaubwürdigkeit wenn es um ökologische Anliegen geht», so der Parteipräsident. Zudem zeige sich gerade im Kanton Aargau, dass sich die GLP nicht mit aller Konsequenz dem Thema verschreibe, hat sie doch in der letzten Sitzung des Grossen Rats die Vorstösse der Grünen abgelehnt, wonach Kantonalbank und kantonale Pensionskasse keine Investitionen mehr in fossile Energien tätigen dürften.

Das Thema Klima sei auch ein potenzielles Risiko, glaubt Beat Hiller. «Die Wähler reagieren sehr rasch auf Aktualitäten, vielleicht kommt in den nächsten Monaten ein anderes Problem auf, das sie noch mehr mobilisiert», sagt er. Die GLP setzt laut ihrem Präsidenten neben dem Umweltschutz daher nach wie vor auf ihre weiteren Standbeine, allen voran die Europapolitik.

BDP und SVP auch fürs Klima

Die Klimathematik sei kaum eine Eintagsfliege, meint hingegen Daniel Hölzle. Auch die Umweltverschmutzung durch Plastik, die bedrohte Biodiversität oder der Antibiotika-Einsatz seien Themen, die die Bevölkerung stark beschäftigten und von den Grünen am stärksten bedient würden. Nicht zuletzt setzten die Grünen darauf, die Energiewende sozialverträglich zu gestalten, was bei der GLP keine grosse Rolle spiele. Seine Partei hoffe, so auch neue Wähler zu finden, dies auch in einem Teil des SVP-Stammpublikums, bei den Bauern: «Umwelt- und Klimaschutz werden auch in der Landwirtschaft immer wichtiger, das wissen die Landwirte», so Hölzle.

Das weiss auch Thomas Burgherr: «Das Klima ist wichtig. Und auch wir wollen Umweltschutz und brauchen Antworten, gerade wegen der Bauern», sagt er. Es braucht aber keine kurzfristigen Schnellschüsse in der Klimapolitik, sondern sozialverträgliche und unternehmerische Lösungen. Um die Klimaproblematik in den Griff zu bekommen, setze die SVP deshalb auf mehr Eigenverantwortung und «geschickte technologische Antworten».

«Wir sind unseren Nachkommen schuldig, uns für den Klimaschutz einzusetzen – was wir auch tun», sagt Bernhard Guhl. Von den Investitionen in Klimaschutzmassnahmen profitiere auch die Wirtschaft. Dennoch sei dieses Engagement der BDP in Zürich von den Wählern nicht honoriert worden. «Vielleicht sind im Herbst BDP-Themen wie ein Stopp der Waffenexporte in Bürgerkriegsländer zentraler, dann werden wir stärker profitieren», hofft Guhl.

Proporz- und Panaschierglück

Ganz den Kopf hängen lassen wollen BDP und SVP ob der Zürcher Resultate nicht. «Ich schaue den Wahlen zuversichtlich und motiviert entgegen», sagt Thomas Burgherr, auch wenn es nicht einfach wird: Die SVP hat sieben Sitze zu verteidigen, dabei treten vier Bisherige nicht mehr an. Auch Bernhard Guhl will seinen Sitz behalten. Es habe sich bereits bei den letzten Wahlen gezeigt, dass er und Ständeratskandidatin Maya Bally viele Panaschierstimmen holen und so erfolgreich sein können, sagt er. Auch aufs Proporzglück bei Listenverbindungen komme es an, so Guhl. Darauf setzt auch die GLP. Sie will ebenfalls ihren Sitz mit Beat Flach verteidigen, ein Liebäugeln mit einem zweiten Sitz sei trotz des Motivationsschubs aus Zürich für seine Partei noch weit weg, sagt Beat Hiller.