Vom Neubau beim viel befahrenen Lenzburger Bahnhof in einen Spycher aus dem 18. Jahrhundert im idyllischen Aargauer Jurapark: Werner De Schepper, Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» und Lebenspartner der grünen Grossrätin Irène Kälin, postete kürzlich auf Facebook das Foto eines Hauses.

Sein Kommentar: «Unser zukünftiges Zuhause». Verlässt die 30-jährige Politikerin schon bald den Bezirk, als deren Vertreterin sie im vergangenen Herbst erneut in den Grossen Rat gewählt worden ist? «Alles offen», antwortet Irène Kälin auf Anfrage. «Ich habe noch nicht entschieden, wie es weitergeht.» Ein Umzug werde frühestens im Herbst zum Thema. Erste Priorität hat für die Studentin der Islamwissenschaften das Studium der Religionskulturen.

Derzeit lebt sie einen Teil der Woche in einer kleinen Wohnung in Bern, wo sie als Wochenaufenthalterin gemeldet ist. «Gedanken über die Zukunft mache ich mir erst, wenn ich das Studium abgeschlossen habe.» Ob sie je in Oberflachs wohnen werde, stehe noch in den Sternen. Die gemeinsame Wohnung in Lenzburg ist noch nicht gekündigt. Auch zwei getrennte Wohnsitze sind für sie denkbar. Fest steht für Kälin jedoch bereits jetzt: «Wenn ich aus dem Bezirk Lenzburg wegziehe, trete ich aus dem Grossen Rat zurück.» Schliesslich gehöre das Mandat nicht allein der Person, sondern auch der Bezirkspartei, den Lenzburger Grünen.

Umzug als Karriereknick

Umzugspläne von Grossrätinnen und Grossräten sorgten immer wieder für Diskussionen. Zuletzt stand die neugewählte Karin Bertschi in der Kritik. Kurz nach den Wahlen wurde publik, dass der Lebenspartner der SVP-Grossrätin aus dem Bezirk Kulm in Wettingen ein Einfamilienhaus bauen lässt. Nachdem Bertschi aus ihrer eigenen Partei unter Beschuss geraten war, wurde bei einer Krisensitzung ein Deal ausgehandelt.

Demnach verspricht Bertschi einen vorzeitigen Rücktritt, falls sie vor dem 1. Oktober 2018 aus dem Bezirk wegziehen sollte. Dabei wird rechtlich gesehen bei einem Bezirkswechsel gar kein Rücktritt verlangt. Das Grossratswahlgesetz schreibt einen Wohnort im entsprechenden Bezirk lediglich für den Zeitraum vor den Wahlen vor. Danach ist den Parlamentariern freigestellt, ob sie das Amt behalten oder abgeben – sofern sie den Kanton Aargau nicht verlassen.

Allerdings kann der Umzug auch ein Karriereknick sein. Zu spüren bekam dies bei den letzten Wahlen SVP-Grossrat Wolfgang Schibler. Nach seinem Umzug von Bettwil nach Buchs schaffte er die Wiederwahl nicht mehr. Anders erging es seiner Parteikollegin Maya Meier, die trotz Bezirkswechsel vom Stimmvolk erneut für vier Jahre in den Rat gewählt worden ist. Auch ein freiwilliger Verzicht ist schon vorgekommen: Zuletzt überliess EVP-Grossrat Hansruedi Mettler nach seinem Umzug 2011 den Sitz einem Parteikollegen.