Präsidentin Gertrud Häseli bedauerte an der Mitgliederversammlung der Grünen Aargau gestern Abend in Aarau die drei Sitzverluste vom Sonntag bei den Grossratswahlen. Und versprach: «Wir bleiben der Sauerteig in der Aargauer Politik.»

An einer Retraite im November wird das Ergebnis vertieft angeschaut. Für Häseli ist aber jetzt schon klar: «Das einzige Wachstum, das wir wollen, ist das der Grünen Aargau.»

Grüne mobilisierten zu wenig

Sekretär Gregor Zimmermann hinterfragte in einer ersten Analyse der Wahlresultate die gängige These, die Grünen hätten Stimmen an die Grünliberalen (GLP) geliefert. Er verwies auf Regionen, in denen SP, Grüne und GLP gleichermassen gewonnen, und auf Regionen, in denen diese drei Parteien gleichermassen verloren haben.

Gewiss gingen auch Stimmen an die GLP. Andere Gründe seien aber für die Verluste wichtiger gewesen. Im Bezirk Zurzach beispielsweise habe man einen schwachen Wahlkampf gemacht. Das drücke sich auch im Resultat aus.

Wo die Grünen stark angetreten oder durch Positionsbezüge bekannt waren, habe man auch gute Resultate geholt. Etwa in Gontenschwil aufgrund der Richtplandebatte. Super gearbeitet habe Grossrat Ruedi Weber.

Im urbanen Bezirk Baden habe man sich nur in Turgi verbessert, so Zimmermann nachdenklich. Dort hatte die grüne Grossrätin Eva Eliassen um einen Gemeinderatssitz gekämpft und grüne Positionen bekannt gemacht. Zimmermanns Fazit: «Wir haben zu wenig mobilisiert. Unsere Wählerinnen und Wähler gingen weniger an die Urnen als die anderer Parteien.»

Zum Regierungswahlkampf meinte Zimmermann, Susanne Hochuli habe ein «sehr gutes Resultat gemacht». Der fünfte Platz sei angesichts der kleinen Partei und Hochulis schwierigen Dossiers keine Enttäuschung. Sie habe zudem Thomas Burgherr weit hinter sich gelassen.

Einstimmig für Asylreferendum

Richtig lebendig wurde die Versammlung, als Grossrätin Irène Kälin fünf Gründe für ein Referendum gegen die jüngste Asylgesetzrevision vortrug. Es gehe um den Kerngehalt der Menschenrechte, wurde argumentiert. Da müsse man antreten.

Mehrere Voten zeigten, dass man sich über das negative Ergebnis einer Volksabstimmung keinen Illusionen hingibt. Trotzdem wollen die Grünen antreten. Ein Votant sagte: «Falls das Referendum an der Urne abgelehnt wird, ist dies weniger schlecht, als wenn es gar kein Referendum gibt.

Dann findet nämlich nicht einmal eine Diskussion darüber statt.» Die Mitglieder beschlossen einstimmig, das Referendum zu unterstützen. Die Grünen Aargau wollen 1000 Unterschriften beisteuern, damit es zur Volksabstimmung kommt.

Nein zum Tierseuchengesetz

Zum Tierseuchengesetz, das am 25. November national zur Abstimmung gelangt, wurde gegen nur eine Ja-Stimme die Nein-Parole beschlossen. Die Grünen sind nicht grundsätzlich gegen das Gesetz, wollen aber beispielsweise eine klarere Definition, wann der Bund ein Impfobligatorium verordnen kann.