TalkTäglich
Grossratspräsident Furer polarisierte mit seiner Kritik an den Corona-Massnahmen – jetzt verteidigt er sich

Im Oktober sorgte Pascal Furer für Aufsehen. Der neue Aargauer SVP-Grossratspräsident kritisierte trotz steigender Fallzahlen die Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus. In der Sendung TalkTäglich auf Tele M1 am Dienstagabend verteidigte er sich.

Fabian Hägler
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Nach den Grossratswahlen im Herbst hatte Grünen-Präsident Daniel Hölzle die anderen Parteien aufgerufen, Pascal Furer nicht zum Grossratspräsidenten zu wählen. Der brisante Vorschlag des SVP-Sekretärs, alle Corona-Einschränkungen aufzuheben und nur Risikogruppen wie Senioren in Heimen speziell zu schützen, war Auslöser für Hölzles Forderung. Diese stellte sich jedoch als Sturm im Wasserglas heraus: Vor einer Woche wurde Furer zum neuen Grossratspräsidenten gewählt.

Im TalkTäglich von Tele M1 sagte der höchste Aargauer am Dienstagabend, im Kantonsparlament herrsche ein gutes Einvernehmen; alle hätten mit ihm angestossen nach der Wahl. Mit 105 Stimmen erreichte Furer kein Glanzresultat, dies sei für ihn aber kein Grund zur Trauer: «Es ist ein Ansporn für mich, das Amt so auszuüben, dass alle, die mir die Stimme nicht gegeben haben, dies am Ende des Jahres bereuen.»

Die Kritik der Grünen habe ihn nicht getroffen, sagte Pascal Furer. Der Grossratspräsident müsse keine Meinung haben, die alle teilen könnten, hielt er fest. «Ich habe als Mensch und Politiker eine gewisse Haltung, aber für das Amt als Ratspräsident spielt das keine Rolle», sagte er.

Furer betonte, die SVP-Fraktion im Bundeshaus werde Ende Jahr die Grüne Irène Kälin als Nationalratspräsidentin wählen, obwohl sie politisch auf einer völlig anderen Linie liege.

«Fragen stellen, ohne dass man blöd hingestellt wird»

In der Coronapandemie sei es sehr wichtig, «dass man alle Fragen stellen und über alles diskutieren kann, ohne dass man blöd hingestellt wird», sagte Furer, als ihn Moderator Rolf Cavalli auf seine umstrittenen Aussagen zu den Covid-Massnahmen ansprach. Das sei ihm als Parlamentspräsident ein Anliegen, betonte Furer und sagte, man dürfe derzeit gewisse Fragen nicht stellen. «Man muss fragen dürfen, ob es der Gesundheit der Bevölkerung dient, wenn man den Sport und das gesellschaftliche Leben verbietet.» Diese Frage müsse erlaubt sein, wenn man es gleichzeitig nicht schaffe, die Risikogruppen wirkungsvoll zu schützen.

Darauf angesprochen, ob er seine Aussage wiederholen würde, dass die SVP sämtliche Coronamassnahmen abschaffen will, sagte Furer: «Der Standpunkt meiner Partei war vom letzten Frühling bis heute derselbe: Risikogruppen schützen, ohne sie einzusperren. Den Rest der Leute ohne Einschränkungen leben und arbeiten lassen.»

Für den Schutz der Menschen in Altersheimen sieht er konsequente Schnelltests bei Besuchern sowie die Stärkung des Immunsystems der Bewohner «mit Vitamin C, Vitamin D, Zink und Selen» als wirkungsvolle Möglichkeit.

Seine eigene Meinung sei in der Funktion als Grossratspräsident derzeit nicht relevant, hielt Furer fest. Er sagte aber auch, dass er sich über den Ablauf der ersten Impftage im Aargau sehr geärgert hätte, wenn er selbst Risikopatient wäre. «Am Samstag warb ein Inserat des Bundesamtes für Gesundheit für die Impfung, am Montag war die Hotline ständig besetzt und alle Termine schon weg.»

Die Sendung TalkTäglich vom Dienstagabend in voller Länge:

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