Erziehungsheime
Grossratskandidaten wollen renitente Schüler von der Klasse trennen

In Appenzell Ausserrhoden soll renitente Schüler schon Bussen von bis zu 1000 Franken zahlen. Im Aargau sind Mega-Bussen noch kein Thema, dafür votieren immer mehr Politiker und Politikerinnen dafür, renitente Schüler in Heime zu stecken.

Sarah Künzli
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Sollen renitente Schüler in Erziehungsheime eingewiesen werden?

Sollen renitente Schüler in Erziehungsheime eingewiesen werden?

Keystone

Wenn Schüler den Unterricht wiederholt und schwerwiegend stören, sollen sie in spezielle, staatliche Erziehungsheime abgeschoben werden.

Störenfriede sollen weggesperrt werden

Nur 39 Prozent der Stimmenden konnten sich im Fragekatalog von «Smartevote» auf ein klares «Ja» beziehungsweise «Nein» festlegen. Die SVP und die EVP sind mit über 80 Prozent für eine Einweisung in Heime. Die FDP folgt mit 79 Prozent Befürwortungen. Insgesamt sind 63 Prozent der Kandidaten, die abgestimmt haben, dafür. Dagegen stimmen vor allem die SP, die Grünen und die Piratenpartei mit über 60 Prozent.

Die Kandidaten für den Grossen Rat sind sich einig, dass man störende Schüler vom Rest der Klasse trennen muss. «Einzelne dürfen nicht den Fortschritt aller anderen behindern. Natürlich sind eher die Eltern schuld, als der Störenfried, aber das hilft den anderen Kindern auch nicht», findet Patrick Helfenstein der glp Baden.

Das Vorgehen ist entscheidend

Die Art und Weise wie diese Schüler aus der Klasse eliminiert werden sollen, wird aber infrage gestellt. «Nicht unbedingt ‹Erziehungsheime›, sondern speziell auf die Bedürfnisse abgestimmte Einrichtungen (Sonderklassen) wie dies der Kanton mit der Schulreform bereits bestimmt hat», kommentiert Herbert Karli der FDP Muri.

«Wenn diese Schüler isoliert und unter «Gleichgesinnte gesperrt» werden, wird auf keinen Fall Besserung erreicht», schreibt Bianca Berrisch der BDP Zurzach.

Die Frage bleibt, wer darüber entscheidet, was eine schwerwiegende Störung des Unterrichts ist und welche Schüler dies wirklich machen. «Es darf keine Willkür bei der Zuweisen in Erziehungsheime entstehen», schreibt Herbert Stauffer der EVP Baden. Sein Parteikollege Markus Loos ist gleicher Meinung: «Dies wäre für mich eine letzte Eskalationsstufe in sehr schwerwiegenden Einzelfällen. Priorität hat aber immer die Klärung der Situation im normalen schulischen Umfeld», findet er.

«Natürlich ist das Ziel, dass sie rasch möglichst in die Gesellschaft integriert werden. Aber die zeitweise Abtrennung kann Signale setzen», meint Michael Derrer aus der glp Rheinfelden dazu. Die Kandidaten kritisieren, dass es für ein Erziehungsheim ebenfalls viel Geld und ausgebildetes Personal braucht.