Der Weinbauer Peter Wehrli (62) aus Küttigen gehörte dem Kantonsparlament fast zwanzig Jahre lang an. Der SVP-Mann war ein eher stiller Schaffer, einer, der ohne grosses Aufheben für seine Themen lobbyierte. Einer, der lieber telefonisch bei der kantonalen Verwaltung nachfragte, als einen Vorstoss zu formulieren, mit dem er es allenfalls in die Zeitung geschafft hätte. Darum hat er in seiner überdurchschnittlich langen Parlamentszeit insgesamt nur neun Motionen, Postulate und Interpellationen eingereicht. Er gehörte verschiedenen wichtigen Kommissionen an, hat aber nie eine präsidiert. «Dafür hat mir die Zeit gefehlt», erklärt Peter Wehrli.

«Eigentlich keine Freizeit mehr»

Nach 800 Grossrats- und etwa gleich vielen Kommissionssitzungen ist Wehrli froh, dass es vorbei ist – auch wenn er am Dienstag bei der letzten Fahrt nach Aarau ein «etwas mulmiges Gefühl» haben wird. Er betont: «Ich habe das immer gerne gemacht. Es ist mir nicht verleidet – absolut nicht.» Aber: «Ich freue mich, künftig nicht mehr so stark fremdbestimmt zu sein. Ich hatte in den letzten Jahren eigentlich keine Freizeit mehr.»

Wenn er jetzt aus dem Parlament zurücktritt, heisst das nicht, dass er sich ganz aus der Politik verabschiedet. «Ich gehe weiterhin an Parteiversammlungen.» Und: «Ich werde alles tun, damit Küttigen eigenständig bleibt.» Weiterhin aktiv bleibt er auch im Wein-Bereich: zum Beispiel als Präsident des Aargauischen Weinbauverbandes.

Geborener «Chüttiger» und leutseliger Weinbauer: Das waren ideale Voraussetzungen für die Wahlen 1997. Peter Wehrli schaffte schon bei seiner ersten Kandidatur den Sprung in den Grossen Rat. Er überholte sogar einen Bisherigen. Vielleicht lag es an seinem Slogan: «Wählt den Letzten auf der Liste!». Das war er wegen des Nachnamens mit dem ersten Buchstaben W. Für einen teuren Wahlkampf hatte Wehrli damals kein Geld. Er hatte eben zusammen mit seiner Frau Marlise die Firma gegründet. Später versuchte Wehrli zweimal, in den Nationalrat gewählt zu werden. Gelungen ist der Sprung nach Bern nicht – aber es reichte immerhin für den zweiten Ersatzplatz.

In den Anfangsjahren kämpfte Wehrli für die Realisierung des Staffeleggzubringers. «Ich hatte das Gefühl, Küttigen muss umfahren werden», erinnert er sich. Das hat ihm nicht nur Freunde eingebracht. Unter anderem wegen des Kulturlandverlustes und wegen der teilweisen Opferung des landschaftlich reizvollen Horentälis. Heute ist das Verkehrsnetz im Raum Aarau ohne Staffeleggzubringer nur noch schwer vorstellbar. Und für Wehrli ist die Strasse einer seiner grössten politischen Erfolge.

Nicht bei den Siegern war Wehrli in der Diskussion um die Einführung der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung (WOV). «Ich war immer dagegen. WOV muss man unbedingt wieder abschaffen. Damit wurde die Verwaltung gestärkt und das Parlament geschwächt.» Die Grossräte können nicht mehr einfach einen Beitrag aus dem Budget streichen, wie das früher der Fall war.

Unter dem Strich lohnend

Als Wehrli in den Grossen Rat eintrat, hatte dieser 200 Mitglieder. Jetzt sind es noch 140. «Die Reduktion brachte für die politische Arbeit mehr Effizienz», erklärt Wehrli. In seinen Grossratsjahren konnte die SVP ihre Sitzzahl kantonsweit stark steigern. Anders war es im Bezirk Aarau: «1997 war er noch relativ bürgerlich. Das hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert.»

Zahlt sich ein Grossratsmandat aus? «Wegen des Finanziellen muss man es sicher nicht machen», sagt Wehrli. Aber unter dem Strich habe es sich für ihn ausbezahlt. Wegen der persönlichen Kontakte hätten sowohl er, sein Geschäft als auch seine Branche profitiert.

Wehrli freut sich, dass sein Sohn Rolf daran ist, in seine politischen Fussstapfen zu treten. Bei den Wahlen im Herbst erreichte er den fünften Ersatzplatz. Natürlich vom letzten Listenplatz aus – aber ohne den Slogan «Wählt den Letzten auf der Liste!».