Honorare

Grossräte sind gegen das Bonussystem für Ärzte

«Es gibt Hinweise, dass die Zahl der Eingriffe steigt, wenn das Einkommen der Ärzte an solche Entschädigungssysteme gekoppelt ist», heisst es in einem Expertenbericht. (Symbolbild)

«Es gibt Hinweise, dass die Zahl der Eingriffe steigt, wenn das Einkommen der Ärzte an solche Entschädigungssysteme gekoppelt ist», heisst es in einem Expertenbericht. (Symbolbild)

Gesundheitspolitiker fordern die Regierung auf, bei Spitälern mehr Einfluss auf Honorare zu nehmen. Kritisch sehen sie die Koppelung der Ärztelöhne an die Zahl der Behandlungen.

Auf das nächste Jahr hin will das Kantonsspital Aarau ein neues Vergütungssystem für Chefärzte und Leitende Ärzte einführen, «bei dem volumenabhängige Arzthonorare keine Rolle mehr spielen». Künftig soll der Lohn also nicht mehr davon abhängen, wie viele Behandlungen ein Arzt vornimmt. Diese Absicht des Kantonsspitals Aarau, die Sprecherin Andrea Rüegg auf Anfrage der AZ am Samstag angekündigt hatte, dürfte vier Gesundheitspolitiker im Grossen Rat freuen.

Martina Sigg (FDP), Therese Dietiker (EVP), Severin Lüscher (Grüne) und Andre Rotzetter (CVP) haben am Dienstag einen Vorstoss eingereicht, der mengenbezogene Bonussysteme für Spitalärzte kritisiert. Sie stützen sich dabei auf den Expertenbericht des Bundes zu Kostendämpfungsmassnahmen im Gesundheitswesen.

Darin wird unter anderem vorgeschlagen, die Aufnahme auf die Spitalliste davon abhängig zu machen, ob ein Spital mit mengenbezogenen Boni für die Ärzteschaft arbeitet. «Es gibt Hinweise, dass die Zahl der Eingriffe steigt, wenn das Einkommen der Ärzte an solche Entschädigungssysteme gekoppelt ist», heisst es im Expertenbericht.

Wie sehen Lohnsysteme aus?

Martina Sigg sagt auf Anfrage dazu: «In einem wettbewerbsorientierten Umfeld will jeder Arbeitgeber variable Lohnsysteme einführen – nur muss klar sein, dass es im Gesundheitswesen keine Verknüpfung zwischen Menge und Bonus geben soll.» Das sei auch die Meinung der FMH, der Berufsverband der Schweizer Ärzteschaft habe schon vor Jahren ein entsprechendes Positionspapier verabschiedet.

Dennoch zeigt eine Umfrage des Forschungsinstituts gfs, die in der aktuellen Ärztezeitung publiziert wurde: Rund ein Drittel der Spitalärzte erhalten variable Lohnkomponenten, «im Vordergrund stehen zielbezogene Boni und privatärztliche Honorare».

Die vier Gesundheitspolitiker wollen nun wissen, wie die Lohnsysteme der Kantonsspitäler Aarau und Baden, der Psychiatrischen Dienste Aargau, der Regionalspitäler, der Reha-Kliniken und der psychiatrischen Kliniken im Aargau aussehen und ob es mengenbezogene Lohnkomponenten für Ärzte gebe.

Spitalliste als Druckmittel?

In eine ähnliche Richtung geht der Vorstoss von SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati. Neben der Frage nach den Löhnen am Kantonsspital Aarau will er wissen, wie das sogenannte Pool-System dort funktioniert. Gallati fragt, welche Erträge in Pools fliessen, über die jeder Chefarzt verfüge, und welche Anteile aus diesen Gefässen ans Spital gehen.

Sigg, Dietiker, Lüscher und Rotzetter fragen derweil in ihrem Vorstoss, ob der Regierungsrat bereit sei, «die Empfehlung der Expertengruppe zu übernehmen und die Vergabe von Leistungsaufträgen an die Bedingung zu knüpfen, bei Spital- und Belegärzten keine mengenbezogenen Lohnsysteme bzw. Abgeltungen einzusetzen».

Mit der Spitalliste hätte die Regierung ein starkes Druckmittel in der Hand. Die Liste definiert, welche Spitäler welche Leistungen erbringen und via Krankenkassen abrechnen dürfen. In der Praxis sind Änderungen an der Spitalliste indes schwierig, in den letzten Jahren wehrten sich Spitäler bis vor Bundesgericht gegen Entscheide des Kantons, ihnen Leistungen zu streichen.

Wohl auch deshalb fragen die Gesundheitspolitiker, ob die Regierung Handlungsbedarf und weitere Möglichkeiten sehe, um allgemein darauf Einfluss zu nehmen, dass Ärzte «nicht bzw. weniger direkt an den Einnahmen beteiligt sind, die sie aufgrund ihrer eigenen Diagnosen und Behandlungen erzielen bzw. veranlassen».

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