Luzern

Grossprojekt von Lidl verärgert die Nachbarn in Luzern und im Aargau

Der Detailhändler Lidl sucht seit langem einen Standort für ein Verteilzentrum im Mittelland – und wurde in Roggwil fündig. (Symbolbild)

Der Detailhändler Lidl sucht seit langem einen Standort für ein Verteilzentrum im Mittelland – und wurde in Roggwil fündig. (Symbolbild)

Der Detailhändler Lidl plant im bernischen Roggwil ein Verteilzentrum. Die Gemeinden aus den Nachbarkantonen wehren sich.

In Roggwil leben rund 4000 Einwohner. Sie sind schneller in den Kantonen Aargau und Luzern als auf der Autobahn. Trotzdem will der Detailhändler Lidl in der Berner Gemeinde ein Verteilzentrum bauen. Die Dimensionen: rund 600 Meter lang, bis zu 110 Meter breit, 20 Meter hoch. «Lidl lohnt sich», heisst der Slogan des Detailhändlers. «Für uns nicht», sagen nun Nachbargemeinden. Denn zum Verteilen der Ware braucht es Lastwagen. Ein Gutachten rechnet mit rund 710 LKW-Fahrten pro Werktag (in beiden Richtungen), wie der «Willisauer Bote» kürzlich berichtete. Ein Grossteil soll über die rund zwölf Kilometer entfernten Autobahnanschlüsse Rothrist und Reiden abgewickelt werden.

Das passt den betroffenen Aargauer und Luzerner Gemeinden gar nicht. Der Regionalverband Zofingenregio, dem unter anderem Pfaffnau und Reiden angeschlossen sind, hat während der öffentlichen Mitwirkung in der Gemeinde Roggwil eine abschlägige Stellungnahme eingereicht.

Projekt widerspricht Gemeindevereinbarung

Tobias Vogel ist Abteilungsleiter Raumplanung beim Gemeindeverband. «Das Verteilzentrum wäre extrem weit weg von den Autobahnanschlüssen», führt Vogel aus.

Die 16 Aargauer und Luzerner Gemeinden, die Zofingenregio angehören, haben laut Vogel im regionalen Entwicklungskonzept vereinbart, neue güterverkehrsintensive Nutzungen ausschliesslich an Standorten zuzulassen, die an der Autobahn liegen.

Der Gemeindeverband vermisst die Sensibilität: «Bei solchen Grossprojekten in unmittelbarer Nähe zu den Nachbarkantonen hätten diese dringend miteinbezogen werden müssen», so Tobias Vogel. Die Kritik richtet sich primär an die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern. Aber auch Lidl sei in der Verantwortung. Schliesslich gebe es eine gemeinsame Studie der kantonalen Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren mit den Detailhändlern und Logistikern. «Von Seiten der Detailhändler und Logistiker war wichtig, dass Projekte in Autobahnnähe und mit der nötigen Strassenkapazität realisiert werden sollen», weiss Vogel. Herausgekommen ist eine Karte mit sogenannten Logistik-Hotspots; Roggwil ist hier nicht zu finden. Schliesslich hat sich auch Lidl selbst dieses Kriterium auferlegt. Auf der Website können geeignete Immobilien für Logistikzentren gemeldet werden. Eine der Voraussetzungen: «Gute strassenverkehrliche Anbindung; Nähe zu Anschlussstelle an eine Fernverkehrsstrasse.»

Der Gemeindeverband hofft auf politischen Druck der Kantone Aargau und Luzern. Präsident Hans-Ruedi Hottiger hat als Zofinger Stadtammann und parteiloser Grossrat eine Interpellation zum Projekt eingereicht. Eine Anfrage machte auch Vizepräsident Thomas Grüter als Gemeindepräsident von Pfaffnau und CVP-Kantonsrat.

Was sagt Lidl Schweiz zum Projekt und zum Widerstand? Mediensprecherin Corina Milz relativiert die Zahl der LKW-Fahrten. Demnach rechnet der Detailhändler mit 400 LKW-Fahrten und 350 PKW-Fahrten pro Werktag. «Ein externes Lärm- und Verkehrsgutachten hat zudem bestätigt, dass wir mit dem antizipierten Verkehrsaufkommen die Verkehrssituation nicht merklich beeinflussen werden und wir sämtliche Grenzwerte einhalten können – was für uns selbstverständlich von grösster Wichtigkeit ist», so Milz.

«Grundstück so kaum mehr zu finden»

Neben Weinfelden TG und Sévaz FR war Lidl laut Corina Milz schon lange auf der Suche nach einem Standort für die Vertriebsregion Mittelland.

Man könne nachvollziehen, dass die angrenzenden Gemeinden wissen wollen, ob sich ein solches Verkehrsaufkommen in die aktuelle Verkehrslage integrieren lasse. Darum habe man das externe Gutachten erstellen lassen und darum habe Lidl auch die Mitwirkung begrüsst. Corina Milz: «Bei der jüngst geäusserten Kritik der Gemeinden in den Nachbarkantonen handelt es sich allerdings um eine Diskussion, die es auf Kantonsebene zu führen gilt.» Der geforderte regionale Austausch zwischen den Kantonen sei nicht unterlassen worden, sondern stehe kurz bevor.

Lidl Schweiz rechnet für die Realisierung des Projekts mit einer Investition in die Region in dreistelliger Millionenhöhe. Das Verteilzentrum setzt eine Zonenplanänderung voraus und soll frühestens Ende 2024 in Betrieb gehen.

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