Urteil

Grosser Triumph für Biber im Reusstal – Landwirtin unterliegt vor Gericht

Wenn Biber Dämme bauen, können sie damit Bäche zum Überlaufen bringen. (Archiv)

Wenn Biber Dämme bauen, können sie damit Bäche zum Überlaufen bringen. (Archiv)

Biberdämme dürfen im Reusstal nicht permanent entfernt werden. Das Aargauer Verwaltungsgericht tritt nicht auf eine Beschwerde von Landwirten ein.

Bauern im Reusstal beklagen sich, dass ihre Felder überflutet werden und die Entwässerung des Kulturlandes nicht mehr funktioniert, weil der Biber dort Dämme baut und Bäche staut. Sie wollen deshalb die Bauten des Nagers entfernen, letztes Jahr kamen sogar Forderungen auf, sogenannte Problembiber abzuschiessen. Auf der anderen Seite setzen sich Naturschutzorganisationen wie Pro Natura und Bird Life Aargau für den Biber ein. Sie pochen auf dessen Schutz und argumentieren, der Biber gestalte die Landschaft und schaffe so Lebensraum für andere Tier- und Pflanzenarten.

Hin und Her mit Beschwerden

Zuerst erhielten die Bauern vom Baudepartement die Erlaubnis, die Dämme ein Jahr befristet zu entfernen. Dazu kam die Auflage, dass sie als Ersatz für die Biber-Stauseen ein Amphibienbiotop einrichten müssten. Dagegen reichten die Naturschützer eine Beschwerde ein. Darin forderten sie die Regierung auf, den Bauern gar keine Bewilligung zum Entfernen der Dämme zu erteilen. Der Regierungsrat wies die Beschwerde ab und bestätigte den Entscheid des Baudepartements. Nun wurden nicht die Naturschützer, sondern erstaunlicherweise die Bauern wieder aktiv.

Sie erhoben beim Verwaltungsgericht ihrerseits eine Beschwerde und verlangten eine dauerhafte Bewilligung, um die Biberdämme zu entfernen. Ausserdem forderten sie einen Verzicht auf ökologische Ersatzmassnahmen.

Bauern nicht vor Bundesgericht

Nun liegt das Urteil des Verwaltungsgerichts vor, das bei Pro Natura grosse Freude auslöst. Das Gericht habe die Beschwerde der Landwirte abgewiesen, teilt die Organisation mit. Ein Blick ins Urteil und eine Nachfrage bei Albert Rüttimann, dem Rechtsanwalt der Bauern, zeigt aber: Ganz korrekt ist diese Darstellung nicht. «Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerde nicht abgewiesen, es ist aus formalen Gründen nicht darauf eingetreten», hält Rüttimann fest. Der Regierungsrat habe die Beschwerde von Pro Natura und Bird Life Aargau gegen die Entfernung der Biberdämme abgewiesen. «Meine Mandanten hatten also von der Regierung Recht erhalten», sagt der Anwalt. Das Verwaltungsgericht sei nun zum Schluss gekommen, die Bauern seien deshalb nicht mehr berechtigt, eine Beschwerde einzureichen. Dennoch akzeptierten die Landwirte den formalen Entscheid. «Wir werden das Urteil nicht ans Bundesgericht weiterziehen.»

Pro Natura sucht das Gespräch

Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau, sieht im Urteil des Verwaltungsgerichts eine grosse Chance: «Das Ziel muss sein, dass alle zusammenarbeiten und Hand bieten, um eine Lösung für ein dauerhaftes Nebeneinander von Biber und Landwirtschaft zu finden», sagt er. Es könne vorkommen, dass der Biber Schäden in der Landwirtschaft verursache, räumt Betsche ein. Für solche Fälle hätten Bund und Kanton aber umfassende Vorarbeiten geleistet, «um Förderungsprogramme, Entschädigungen und Präventionsmassnahmen auf die verschiedenen Interessen abzustimmen». Er hält weiter fest, Pro Natura Aargau sei gerne bereit, mit den Landwirten zusammen nachhaltige Lösungen zu suchen.

Bewilligung für fünf Jahre?

Anwalt Rüttimann sagt, für seine Mandanten sei es unverständlich, dass die Biberdämme nur während eines Jahres entfernt werden dürften, während sie auf eigene Kosten, für rund 15'000 Franken, als Ersatz ein dauerhaftes Biotop erstellen müssten. «Wir sind aber zuversichtlich, zusammen mit dem Baudepartement einen gangbaren Weg zu finden», hält Rüttimann fest. Die zuständige Abteilung habe im Gerichtsverfahren vorgeschlagen, die Bewilligung zur Entfernung der Biberdämme auf fünf Jahre auszuweiten. «Wir werden mit den Verantwortlichen das Gespräch suchen und sie in diesem Punkt beim Wort nehmen», kündigt Rüttimann an. Schliesslich geht es nur um drei Dämme in einem Abschnitt des Baches, die zur Überflutung von Kulturland und zu Problemen mit der Drainage in diesem Gebiet führten. «Unter- und oberhalb davon gibt es für den Biber genügend Lebensraum, wo es nicht zu Konflikten kommt.»

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