Costa Concordia
Grosse Schiffe sollten von einem Team geführt werden

Der Präsident des Seemannsclubs Sektion Aargau, Arno Pellanda, erklärt im Gespräch wie er die Gewässer vor der Küste der Insel Giglio erlebt hat und warum er den Fehler beim Kapitän der «Costa Concordia» sieht.

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Arno Pellanda, Präsident des Schweizer Seemannsclubs, Sektion Aarau.

Arno Pellanda, Präsident des Schweizer Seemannsclubs, Sektion Aarau.

Emanuel Freudiger

Der erfahrene Seemann mit Hochseelizenz hält die Gewässer, in der die «Costa Concordia» verunglückt ist, für eine Herausforderung, aber eigentlich für ungefährlich. Der Granitfelsen, an welchem sich das Kreuzfahrtschiff den Rumpf aufgerissen hat, war den Einheimischen durchaus bekannt und war sicher auch auf den Karten der Crew eingetragen. Aber dies sei nicht der einzige Fehler gewesen, so Pellanda.

Auch wenn von dem verbleibenden Treibstoff im Bauch des Schiffs nicht viel Explosionsgefahr ausgehe, dieser müsse nämlich zuerst auf 80 Grad erhitzt werden, hätte der Kapitän aber sofort ein SOS-Signal aussenden sollen. Auf die Frage, warum der Kapitän nach der Kollision keinen Notruf ausgesendet hat, sagt Pellanda: «Vermutlich wollte der Kapitän Kosten sparen, wenn viele Schiffe auf das SOS-Signal reagieren kann es teuer werden.»

Pellanda hofft, dass der Fall des mittlerweile festgenommenen Kapitäns, Francesco Schettino, vor dem Internationalen Seegericht ausgetragen wird und nicht vor einem italienischen Gericht. Das Seegericht könne die Umstände und Entscheidungen besser beurteilen.

Paralellen zur Titanic

Pellanda erwähnt, nach seinem Auftritt bei Tele M1, gegenüber der az, dass er bei diesem Unfall durchaus Parallelen zum Untergang der Titanic im April 1912 sieht. In drei Monaten sei es 100 Jahre her, seit die RMS Titanic im Nordatlantik gesunken ist, und heute wie damals sei der Grund für das Unglück eine Fehlentscheidung des Kapitäns gewesen.

«Es ist in meinen Augen falsch, dass die Entscheidungsgewalt über Schiffe von so gewaltiger Grösse in den Händen von nur einer Person liegt, es sollten Teams sein, die wichtige Entscheidungen treffen», sagt der Kapitän selber.