Mitte Jahr wird am Bahnhof Aarau eine zweite grosse Ausbau-Etappe in Angriff genommen. Der wichtigste Mieter im neuen Gebäude Bahnhof Aarau Ost wird ab 2018 dann die Migros Aare sein. Sie übernimmt die ganze Gewerbefläche von rund 7000 Quadratmetern.

Und was die in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn tätige Genossenschaft auf dieser Fläche plant, lässt sich schon bald in Bern erleben. Dort, beim Bahnhof, eröffnet sie im August die Welle 7 – ein Mix aus Business-Center, Shops, Gastronomie, Bildung und Dienstleistungen.

Die Welle 7 soll eine Oase für urbane und mobile Menschen werden: Während der Anfahrt im Zug online Kaffee bestellen und nach der Ankunft in der Collect Lounge bestellte Kleider abholen, anprobieren und, falls sie nicht passen, direkt retourschicken. Oder in der Zigarren-Lounge oder in einem der 47 Meetingräume Geschäftspartner treffen und dann noch kurz unter Anleitung eines virtuellen Fitnesstrainers schwitzen.

Diese und weitere Angebote sollen das Einkaufszentrum zum «place to be» machen, hofft die Migros Aare. Er kenne keinen zweiten solchen Mix, sagte Geschäftsführer Beat Zahnd gestern auf der Baustelle bei der Jahresmedienkonferenz. Die Welle 7 sei «einmalig für Bern, die Schweiz und auch Europa».

An potenziellen Kunden wird es auf jeden Fall nicht mangeln: Rund 150 000 Pendler benutzen den Bahnhof Bern täglich. In Aarau sind es mit 45 000 klar weniger, entsprechend kleiner sind hier auch die Dimensionen. Während sich das Business-Center in Bern auf 9100 Quadratmeter erstreckt, wird in Aarau mit 3000 Quadratmetern geplant. Der Zweck aber bleibt der gleiche. Hier wie dort, so Direktionsmitglied Anton Gäumann, wolle man künftig «am Puls der Mobilität sein». Gleichzeitig könnten bei den Bahnhöfen Arbeitsplätze für Start-ups entstehen, die noch keine fixen Strukturen haben.

Supermarkt bleibt wichtig

«Wir kennen die Bedürfnisse noch nicht im Detail und werden uns rantasten», so Gäumann. Die Welle 7 kann so – aus Aargauer Sicht – auch als Testlauf für den Bahnhof Aarau Ost gesehen werden. Trotz dieser Leuchtturmprojekte bleibt für die Migros Aare aber der klassische Supermarkt-Bereich mit einem Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz das wichtigste Standbein. Er erwarte in den nächsten Jahren zwar eine kleine Verschiebung hin zur Gastronomie, so Zahnd. Das Supermarkt-Geschäft werde aber auch in Zukunft dominant bleiben.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Migros Aare in diesem Bereich einen Umsatz von 2,7 Milliarden Franken, nominal knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gewinn blieb mit 62 Millionen Franken zwar auf Vorjahresniveau. Trotzdem sei 2015 das schwierigste Jahr gewesen, das er je erlebt habe», so Zahnd. Alleine wegen Preissenkungen als Reaktion auf den Frankenschock habe man Umsatzeinbussen von 60 Millionen Franken hinnehmen müssen. Dazu kam der verstärkte Einkaufstourismus. Von diesem seien, so Geschäftsführer Zahnd, die grenznäheren Aargauer Filialen jedoch nicht stärker betroffen als die übrigen Standorte im Migros-Aare-Gebiet.

Zulegen konnten dafür die sogenannten Nachhaltigkeits-Labels, allen voran das Bio-Label mit einem Plus von 14,8 Prozent respektive 19,2 Millionen Franken. Das Label «Aus der Region für die Region» (AdR) knackte derweil die 200-Millionen-Grenze. Der Umsatz stieg um 11 Millionen auf knapp 210 Millionen Franken. Die Rangliste der meistverkauften Artikel führt, weit vor der zweitplatzierten AdR-Wiesenmilch, allerdings ein exotisches Produkt an: 2015 hat die Migros Aare rund 20 Millionen Bananen verkauft.