Energiesparen

Grosse Anreize sollen die Energie-Grossverbraucher zum Sparen bewegen

Die Ziele freiwillig erfüllt hat CEO René Lenzin mit der modernen Bandweberei in Küttigen.

Die Ziele freiwillig erfüllt hat CEO René Lenzin mit der modernen Bandweberei in Küttigen.

Der Kanton Aargau will pro Jahr zwei Prozent weniger Öl, Gas und Strom verbrauchen. Nun haben der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger und die Fachstelle Energie die ersten 130 Unternehmen informiert.

Das von Bund und Kanton gesteckte Ziel für die grossen Verbraucher von Öl, Gas und Strom ist klar: zwei Prozent weniger pro Jahr für die nächsten zehn Jahre. Zu den Grossen im Aargau gehören 450 Unternehmen mit 650 Standorten.

Damit sie auch präzis wissen, was von ihnen verlangt wird, gibt es zweistündige Informations-Anlässe. Zum ersten kamen gestern 130 Vertreter von KMU und Grossfirmen in den Aargauer Grossratssaal.

Bau- und Energiedirektor Stephan Attiger erklärte die Definition gleich selber: Wer im Jahr mehr als 5 Gigawattstunden Wärme verbraucht oder über 500 000 Kilowattstunden (kWh) Strom, muss die Ziele erfüllen. «Das Ziel des Bundes heisst weniger Energie und weniger CO2», präzisiert Attiger.

Nur wirtschaftliche Massnahmen

Wer aus dem sanften Befehl von oben ableitet, der Staat mische sich ungebührlich ein, täuscht sich jedoch. «Das Ziel ist kein Zwang, sondern ein wirtschaftlicher Gewinn», sagt der Baudirektor klipp und klar.

100 Unternehmen haben bereits freiwillig eine Vereinbarung unterschrieben, denn statt Peitsche gibt es Zuckerbrot: Wer mitmacht, wird von der CO2-Abgabe befreit oder bekommt diese zurückerstattet.

Betroffen ist nur ein kleiner Teil der 30 000 Firmen mit 270 000 Beschäftigten im Aargau. «Es müssen nur wirtschaftlich tragbare Massnahmen umgesetzt werden», versichert Projektleiter Matthias Eifert von der Fachstelle Energie in Attigers Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Umsetzung mit Augenmass

Das Vorgehen des Aargaus macht auch vom Ablauf her einen vernünftigen Eindruck. Nach zwei weiteren Informationsanlässen im Tägi Wettingen und im BBZ Freiamt Wohlen haben die Unternehmen bis Oktober 2014 Zeit, um sich mit dem Energiesparen vertieft zu befassen und aus zwei Wegen ihren eigenen auszuwählen.

Die Vereinbarung kann mit dem Kanton direkt oder mit der Energie-Agentur der Wirtschaft abgeschlossen werden. Die zwei Prozent Einsparung pro Jahr gelten als Richtwert, denn die Realität sieht von Firma zu Firma stark unterschiedlich aus.

Wer in den letzten Jahren Vorleistungen erbracht hat, kann das anrechnen lassen - weil man die Energie-Musterknaben nicht bestrafen will. Das nötige Wissen ist meist vorhanden, es fehlt am Willen oder an der Umsetzung.

Dabei geht es um Investitionen, bei denen das Geld in den Prozessen nach vier Jahren, bei Infrastruktur und Bauten nach acht Jahren zurückfliessen soll.

15 bis 20 Prozent leicht sparen

Mit der Energie-Agentur hat die Wirtschaft schon 1999 eine Selbsthilfeorganisation geschaffen, welche die Umsetzung erleichtert. Die landesweit mitwirkenden 2500 Firmen «haben die Ziele weit übertroffen», sagt Thomas Weisskopf und spricht von einem fairen, flexiblen System.

Die Spannweite bewege sich von 5 bis 45 Prozent weniger Energie, «aber 15 bis 20 Prozent kann man fast immer sparen».

Für KMU mit 20 000 bis zu einer Million Franken Energiekosten und die ganz grossen Verbraucher ab einer 500 000 Franken pro Jahr gibt es unterschiedliche Modelle. Seine Motivation für eine freiwillige Vereinbarung schildert René Lenzin, CEO der Bandweberei Kuny AG in Küttigen (siehe Kontext).

Moderatorin Heike Scholten leitet durch den Anlass, samt Podium und Fragen der vielen Energie-Spezialisten im Saal.

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