Erinnerungen

Grösster Wunsch waren neue Ski: Wie Aargauer Prominente als Kinder Weihnachten feierten

Sieben bekannte Gesichter aus dem Aargau haben uns von ihren Weihnachtserinnerungen erzählt.

Sieben bekannte Gesichter aus dem Aargau haben uns von ihren Weihnachtserinnerungen erzählt.

Schlittelfahrten am benachbarten Hügel, Katzen am Christbaum und krumme Tannen in der Stube – Aargauer Prominente erzählen von ihren Weihnachtserlebnissen in der Kindheit.

Philipp Galizia (53), Kabarettist aus Muri

Philipp Galizia (Zweiter von rechts) beim Weihnachtsspiel im Elternhaus.

Philipp Galizia (Zweiter von rechts) beim Weihnachtsspiel im Elternhaus.

«In unserem Haus war es Tradition, dass wir ein Weihnachtsspiel einstudierten. Das führten wir dann vier- bis fünfmal vor Gästen auf. Diese Tradition haben wir jedoch nicht in meine heutige, eigene Familie fortgeführt. Der Vater bestellte beim Förster jeweils einen Tannenspitz als Weihnachtsbaum. Wir fünf Geschwister bastelten mit Linolschnitten jedes Jahr Kalender, die wir verschenkten. Für jeden Monat gestalteten wir dabei ein Bild.

Bei dieser Arbeit hörten wir jeweils am Radio das Adventssingen, was eine schöne vorweihnächtliche Stimmung ergab. Mein grösster Weihnachtswunsch waren neue Ski. Ich fuhr damals noch mit einfachsten Holzlatten durch den Schnee. Als die Ski zu Weihnachten dastanden, war ich richtig glücklich. Die Mutter backte Christstollen und stellte mit einem grossen Aufwand eine überaus leckere Terrine her, die ich bis heute extrem gern habe.

Letzteres hat sich übrigens bis heute gehalten: Vor jeder Weihnacht helfe ich der Mutter, diese Terrine zu machen. Ein rechtes Stück Arbeit, aber es lohnt sich immer. Den Weihnachtsabend verbrachten wir mit den Eltern traditionell unter dem schön geschmückten Weihnachtsbaum. In besonders guter Erinnerung habe ich auch den Tag jeweils danach: Im Schlachtfeld von Geschenkpapier konnten wir Kinder am Weihnachtsabend gar nicht richtig erfassen, was wir alles bekommen hatten. Am Morgen danach genoss ich es, in aller Ruhe zu entdecken, was da alles an Geschenken angekommen war.»

Jean-Claude Leclercq (56), Kommentator aus Endingen

Jean-Claude Leclercq war Radprofi, als Kind erfreut er sich aber an einem Gefährt mit vier Rädern.

Jean-Claude Leclercq war Radprofi, als Kind erfreut er sich aber an einem Gefährt mit vier Rädern.

Der ehemalige Radrennprofi Jean-Claude Leclercq erinnert sich sehr gerne an das Weihnachtsfest als Kind zurück: «Weihnachten war für mich als Kind eigentlich der wichtigste Tag im Jahr. Ich habe dem Fest immer entgegengefiebert und mich wahnsinnig darauf gefreut.» Leclercq wohnt seit bald dreissig Jahren in Endingen im Zurzibiet.

Aufgewachsen ist der heutige Radsportkommentator aber in Frankreich. Dort kommt der Weihnachtsmann jeweils in der Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember und bringt den Kindern die Geschenke vorbei. Ausgepackt wird also am Weihnachtsmorgen. Schnell schlafen, dass es bald Morgen ist? Fehlanzeige: «Es ist klar, dass das immer die Nacht war, in der ich als Kind nur sehr schlecht einschlafen konnte. Ich war immer viel zu nervös und voller Vorfreude. Ich konnte kaum erwarten, dass es Morgen wird.»

Der 56-Jährige kann sich noch gut an sein Lieblingsgeschenk erinnern: «Das grösste Geschenk, das ich je erhalten habe, respektive das Geschenk, das mir als Kind am meisten bedeutet hat, war natürlich mein erstes Fahrrad. Ich war damals fünf oder sechs Jahre alt. Als ich es bekam, war ich völlig aus dem Häuschen, so sehr habe ich mich gefreut.»

Auch heute bedeutet dem ehemaligen Nationaltrainer des Schweizer Radsportverbands Weihnachten immer noch viel, aber aus anderen Gründen als in der Kindheit. «Das Weihnachtsfest ist für mich nach wie vor sehr wichtig. Es ist schön, wenn die ganze Familie zusammenkommt, auch wenn die Kinder alle ihr eigenes Leben führen.» Leclercq feiert auch dieses Jahr zusammen mit seiner Familie: Zurzeit besucht er seine Mutter in Frankreich.

Maja Riniker (40), FDP-Grossrätin aus Suhr

Maja Riniker mit Bäbi.

Maja Riniker mit Bäbi.

«Mit zweieinhalb Jahren hatte ich mir zu Weihnachten sehnlichst mein Bäbi gewünscht und auch bekommen. Es folgten in den Jahren darauf unzählige Plüschtiere, bis im Alter von elf Jahren ein noch flauschigeres Wesen unsere Weihnachten bereicherte. Minos. Er war ein vier Monate alter Kater, welchen wir während unserer Herbstferien auf dem Markt von Lugano vor seinem Tod gerettet haben. Ferien ohne Papi, er musste arbeiten. Das war das Glück von Minos, denn unser Papi war kein Katzenfreund. So hatte er gegen vier Paar strahlende Augen nur noch das Nachsehen, als er uns von den Ferien abholen kam. Minos blühte in unserem Haus auf und war aus dem Familienleben nicht mehr wegzudenken.

24. Dezember: Alle Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Der Baum wurde geschmückt. Da passierte es. Minos hatte endlich einen ‹Katzenbaum› bekommen. Seine Freude war gross, die Energie unendlich, und schon erklomm er unseren wundervollen Weihnachtsbaum. Oben angekommen, konnten wir nur noch mit ansehen, wie der geschmückte Baum seitlich zu Boden fiel. Ich erinnere mich noch an die zahlreichen zerschlagenen Christbaumkugeln und das Donnerwetter meines Vaters über diese gefundene Tessiner Katze. Die ja so oder so nicht hätte da sein dürfen, hätte man ihn damals aus dem Tessin in Lenzburg nach seinem Befinden gefragt.

Letztlich holte mein Vater die Bohrmaschine, und direkt über dem Tannenbaumspitz wurde ein Loch in die Decke gebohrt, Dübel und Hakenschraube rein. Der Baum wurde nun vertikal verankert. Der Haken wurde nach Weihnachten nie entfernt. Warum auch?! Jeder nachfolgende Weihnachtsbaum musste einfach ganz korrekt unter dem Haken platziert und an der Decke mit einer Schnur verstrebt werden. Minos kletterte aber nie mehr den Baum hoch. Er fand ein neues Weihnachts-Plätzli: unter dem Tannenbaum, auf den Päckli liegend. Jedes Jahr wieder von Neuem.»

Roland Kuster (59), Gemeindeammann von Wettingen

Kuster beim Weihnachtsschlitteln.

Kuster beim Weihnachtsschlitteln.

Der Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) kann sich noch gut an die Weihnachten in seiner Kindheit erinnern. «Mein Bruder und ich sassen in der Küche und warteten, bis wir das Glöckchen aus der Stube hörten. Dann endlich konnten wir das Wohnzimmer betreten und sahen den wunderschönen Weihnachtsbaum mit den brennenden Kerzen. Mit feuchten Augen fingen wir an, unsere Geschenke auszupacken.»

Was ihm auch in Erinnerung blieb, war der Besuch der Grosstante: «Sie kam jede Weihnacht zu Besuch, darauf habe ich mich auch immer sehr gefreut. Natürlich auch wegen der Geschenke, die sie mitbrachte – aber nicht nur», sagt er mit einem Lachen. Am Weihnachtstag war es bei der Familie Kuster Tradition, dass alle zusammen schlitteln gingen. «Ich stamme aus Wattwil im Toggenburg. Im Gegensatz zu heute hatten wir in meiner Kindheit fast immer weisse Weihnachten. Die ganze Familie zog sich warm an, und auf dem nächsten Hügel wurde geschlittelt.»

Heute hat Kuster eher gemischte Gefühle, wenn er an Weihnachten denkt: «Es ist ganz klar eine sehr stressige Zeit. Gerade politisch muss zum Jahresende noch viel fertig werden.» Auf der anderen Seite möchte er, dass Weihnachten eine beschauliche Zeit ist, gerade auch für seine Kinder. «Wenn meine Kinder erwachsen sind, möchte ich, dass sie schöne Erinnerungen an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit haben – so wie ich heute.»

Auch wenn vor Weihnachten viel zu erledigen ist, für etwas nimmt sich der Gemeindeammann jedes Jahr Zeit: zum Danke sagen. «Jeder Mitarbeiter der Verwaltung erhält eine persönliche Dankeskarte von mir. Weihnachten ist für mich auch die Zeit der Wertschätzung für das, was man das ganze Jahr hindurch geleistet hat.»

Beat Flach (53), Nationalrat aus Auenstein

Beat Flach 1969 als Samichlaus.

Beat Flach 1969 als Samichlaus.

Knapp fünfjährig war der spätere Rheinmatrose Beat Flach, als er sich 1969 als Samichlaus fotografieren liess. Mit Weihnachten verbindet er folgende Kindheitserinnerungen: «Das Christkind brachte bei uns zu Hause immer das Licht ins Haus und zündete die Kerzen am Christbäumchen an.»

Gesehen habe er es leider nie. Es kam immer, wenn der kleine Beat gerade im Zimmer oder sonst irgendwo war. «Und so sehr ich mich auch beeilte, wenn ich das Glöcklein hörte und ins Wohnzimmer stürmte, die Eltern und Grosseltern sagten immer, dass ich es ganz knapp verpasst hatte, wenn ich staunend im Kerzenlicht stand», erzählt der GLP-Politiker.

Einmal aber sei das Christkind nicht gekommen. «Ja, es stand nicht mal ein Baum in der Stube. Mein Vater meinte, das Christkind hätte sich vielleicht wegen des Schneefalls verirrt, und wir müssten halt draussen nach ihm sehen», erinnert sich Flach. Doch lange mussten sie zum Glück nicht suchen. Ziemlich zielsicher, wie es ihm schien, habe der Vater den Waldrand angesteuert.

Und da sei es dann auch gestanden, das Christbäumchen mit Kugeln, Kerzen, Lametta und allem. «Das Christkind hatte es dort für uns hingestellt», sagt Flach. Sein Vater habe es heimgetragen und zwischenzeitlich hatte offenbar auch das Christkind wieder den Weg in ihre Stube gefunden, denn da lagen auch die Geschenke an dem Platz, wo das Bäumchen hingehörte.

Apropos Geschenke: Beat Flach erinnert sich an ein Kaleidoskop, das seine Faszination nach etwa einer Minute verlor, weil er im zweiten Geschenk heiss begehrte Legobausteine vorfand.

Nick Mellow (26), Singer-Songwriter aus Aarau

Der kleine Nico (heute Nick) als Maria verkleidet mit seiner Schwester.

Der kleine Nico (heute Nick) als Maria verkleidet mit seiner Schwester.

«Es muss an Weihnachten 1994 gewesen sein», erklärt der Aarauer Singer-Songwriter Nick Mellow. «Ich bin die Maria und stehe neben meiner grossen Schwester.» Der 26-jährige Nico Breuninger, wie der Musiker Nick Mellow mit bürgerlichem Namen heisst, erinnert sich noch gut, weshalb er als fünfjähriger Bub die Frau sein musste: «Weil ich kleiner war.»

Die Familie Breuninger lebte damals im «Waldhof» in Suhr. «Meine Schwester und ich haben uns gerne verkleidet», erzählt Nick Mellow. «Das Theater hat mich immer fasziniert. Ich träumte recht lange davon, Clown oder Schauspieler zu werden. Erst im Alter von 14/15 Jahren habe ich mich für die Musik entschieden.»

Die Weihnachtsfeiern im Hause der Breuningers, mittlerweile leben die Eltern unmittelbar hinter der Stehrampe des Brügglifeld-Stadions, laufen recht klassisch ab. «Unser Weihnachtsbaum ist allerdings immer etwas ausgefallen. Meine Mutter sagt: ‹Auch die Krummen muss jemand nehmen›.» Und was wird daran gehängt? Nein, keine Schoggi-Mäuse mit einer Zuckerfüllung. «Aber Glasschmuck. Davon haben wir viel», erklärt Nick Mellow.

Er erinnert sich, wie er als kleiner Bub einmal in eine Weihnachtsbaumkugel gebissen hat. «Den Rest des Abends war ich im Notfall.» Und dann schwärmt Nick Mellow von den zehn Sorten Guetzli, die Mama Breuninger jeweils bäckt. Und vom Kartoffelsalat, der zu ihrem Weihnachtsessen gehört. «Den liebe ich noch heute.»

Nick Mellow hat es dieses Jahr mit seinem Debütalbum «Wait and See» in die «Top 20» der Charts geschafft. «Als Musiker bin ich einen grossen Schritt vorwärtsgekommen», sagt der Mann, der in der Aarauer Goldern wohnt. Er kann etwa zu 40 Prozent von der Musik leben. Die restlichen 60 Prozent arbeitet er, der im September sein Studium als Sozialpädagoge HS abgeschlossen hat, in einer Badener Institution.

Wie geht es musikalisch weiter? «Mit Clubshows und Auftritten an Festivals. Ich möchte meine Albumtour bis zum Ende des Sommers fortsetzen», sagt Nick Mellow. Daneben arbeite er bereits an neuen Songs.

Roland Brack (46), Unternehmer aus Frick

Roland Brack mit Modelleisenbahn.

Roland Brack mit Modelleisenbahn.

Manchmal ist es heute noch so wie früher. Wie damals, als Roland Brack als Kind in der heimischen Stube stundenlang am Boden sass und «etwas bastelte», wie er sagt. An einem Modellflugzeug etwa, einer Eisenbahn oder einem Bausatz.

Der 46-jährige Fricktaler ist Gründer und Inhaber des mittlerweile grössten unabhängigen Online-Händlers der Schweiz, «Brack.ch». Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» bezeichnete ihn als den «smartesten Akteur im Schweizer Onlinehandel». Ab kommendem Jahr sucht er in der TV-Show «Höhle der Löwen» talentierte Jungunternehmer.

Aber eben: Manchmal ist es auch heute noch so wie früher. «Wenn wir eine neue Maschine in Betrieb nehmen, spüre ich die gleiche Freude wie als Kind an Weihnachten», sagt Brack.

Stundenlang gebastelt

Die Faszination für Technik und Elektronik hat Roland Brack schon in ganz jungen Jahren gepackt. Eines seiner liebsten Fotos von damals zeigt ihn als vielleicht Dreijährigen mit einer Modelleisenbahn. Auf seinen Wunschzetteln für Weihnachten standen jeweils die Klassiker: «Lego, ferngesteuerte Autos, Fischertechnik», so Brack.

Vor allem an die Konstruktions-Baukästen kann er sich noch gut erinnern. «Das waren grosse Bausätze mit vielen Standardteilen und unzähligen Möglichkeiten und Vorschlägen, sie zusammenzubauen.» Am liebsten tat Brack das ganz ohne Anleitung. «Das hat dann vielleicht nicht so cool ausgesehen wie die Bausätze von heute, aber es war viel kreativer.»

Brack spricht davon, in «einer einfachen Familie» aufgewachsen zu sein. Gefeiert wurde meist bei den Grosseltern, auf einem Bauernhof in Bözen. «Als Kinder hatten wir nicht so viele Spielsachen. Weihnachten war deshalb schon aussergewöhnlich», sagt Brack. Da ging die Familie dann auch mal vergessen: «Ich habe lieber die neuen Sachen ausprobiert, als mit den entfernten Verwandten gesprochen – da muss ich ehrlich sein», sagt Brack und lacht.

Technikliebe vererbt

Heute sieht es etwas anders aus. Die Familie steht an Weihnachten im Vordergrund – oder ein paar Tage später, wie in diesem Jahr. Brack ist geschieden, die beiden Kinder feiern deshalb erst an Silvester Weihnachten bei ihm. Etwas von seiner Technikliebe habe er vererbt, verrät er. Gut möglich, dass sich Roland Brack nach dem Auspacken der Geschenke mit den Kindern auf den Boden setzt und mitbastelt. Wobei: Da merke er dann schon, dass doch nicht alles sei wie früher. «Nach einer Viertelstunde auf dem Boden tun mir heute die Knochen weh.»

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