Nachtleben

Grössere Gruppen, aber weniger Bussen: Aargauer Polizei zieht erstes Fazit nach der Lockerung

Sorgloses Partyvolk vor Aarauer Bars

Sorgloses Partyvolk vor Aarauer Bars

Wie in anderen Städten kam es am Wochenende vor Aarauer Lokalen zu Menschenansammlungen. Der Barbetreiber vom Platzhirsch und die Polizei äussern sich zur schwierigen Situation im Nachtleben.

Die Vorgaben werden im Ausgang mehrheitlich befolgt. So fällt das erste Fazit der Polize mehrheitlich positiv aus. Dennoch lässt die Akzeptanz für die Schutzmassnahmen spürbar nach.

Ein Küsschen hier, eine Umarmung dort und am Nebentisch noch mit Kollegen anstossen: Solche Szenen sollten sich aktuell eigentlich nicht abspielen. Wer eine Bar besucht, muss sich an einen Tisch setzen, zu den anderen Gästen sollte Abstand gehalten werden. Doch ganz verhindern lassen sich solche Szenen nicht, wie das Gedränge vor dem «Platzhirsch» in Aarau zeigt.

Das allgemeine Fazit der Polizei fällt nach gut einer Woche mit geöffneten Bars und Restaurants dennoch mehrheitlich positiv aus. Die Schutzkonzepte würden insgesamt «gut bis sehr gut» umgesetzt werden, schreibt Roland Pfister, Kommunikationschef der Kantonspolizei, auf Anfrage. Die geltenden Vorgaben würden eingehalten. Wo dies nicht der Fall sei, spreche man zuerst Verwarnungen aus, bevor man den Betrieb anzeige. Ob es bisher schon zu Anzeigen kam, kommuniziert die Kantonspolizei nicht.

Ordnungsbussen werden nur noch selten verteilt

Im Aargau habe die Polizei am vergangenen Wochenende einzelne grössere Gruppen angetroffen, sagte Regierungsrat Urs Hofmann am Dienstag in der AZ. Das zeigt: Wie gut die Coronavorgaben des Bundes wirklich umgesetzt werden, entscheidet zu einem grossen Teil die Selbstdisziplin der Leute. Die Akzeptanz der Einschränkungen und die Bereitschaft, diese einzuhalten, hat gemäss Kantonspolizei insbesondere bei jüngeren Menschen in letzter Zeit spürbar nachgelassen.

Auch in Baden stellt man diese Entwicklung fest. Ganz so extrem wie in Basel oder auch in Aarau vor dem «Platzhirsch» war es bisher aber offenbar nicht. Die Distanzregeln würden insgesamt gut eingehalten, bilanziert Martin Brönnimann, Kommandant der Stadtpolizei. Doch insbesondere übers Wochenende habe man einzelne grössere Menschenansammlungen angetroffen. «Nichts Gewaltiges, doch gross genug, dass die Polizisten die Menschen jeweils ansprachen und auf die Abstandsregeln aufmerksam machten». Und als letztes Mittel wurden auch Ordnungsbussen ausgesprochen.

Allerdings: Diese Praxis wurde seit der Öffnung der Läden und Restaurants vergangene Woche deutlich gelockert, wie Brönnimann sagt. «Insgesamt wurden signifikant weniger Bussen verteilt.» Der Grund: Der Verhältnismässigkeit würde ein hohes Gewicht beigemessen. Und mit den Lockerungen des Bundes sei es angebracht, besonders angemessen zu reagieren.

Abstand in den Bars funktioniert, am späten Abend wird es enger

Die Menschen wollen sich wieder treffen. Dies stellen auch Barbetreiber in Baden fest. Angelaufen sei der Betrieb Anfang Woche zwar noch zaghaft, doch übers Wochenende sei man regelrecht überrannt worden, sagt Stella Palino von der «UnvermeidBar». Abstandsregeln seien grösstenteils gut eingehalten worden: «Ich bin zufrieden», sagt Palino. Schwierig werde es später am Abend, wenn der Alkoholpegel schon etwas höher sei. «Dann stehen die Menschen und halten die Abstände nicht mehr ein». Diese Gäste spreche das Barpersonal dann jeweils an, sagt Stella Palino. Schwierig sei es nur kurz vor dem Zapfenstreich. Den Rest des Abends funktioniere es ganz gut.

Ähnlich tönt es bei Lorenz Gautschi, Geschäftsführer der Cocktailbar Zäni. Schwierig werde es erst jeweils später am Abend. Aber auch dann würden nicht alle die Vorschriften missachten: «Ich habe festgestellt, es gibt zwei Arten von Menschen. Diejenigen, die die Massnahmen einhalten. Und die anderen.» Er sieht sich mit der Bar im Clinch: «Auf der einen Seite sind die Menschen, die sich wieder treffen wollen, die genug haben vom Zuhausebleiben, und Bars sind nun mal genau solche Treffpunkte. Und auf der anderen Seite sind die Barbetreiber, die Auflagen des Bundes umsetzen und dafür sorgen müssen, dass sich diese Menschen doch nicht zu nahe kommen.» Das funktioniere bisher zwar ganz gut, sagt Gautschi. Aber auch nur, weil die Barmitarbeiter die Regeln konsequent durchsetzen würden. Für die Zukunft überlegt er sich, einen Securitas-Mitarbeiter einzustellen, der genau diese Aufgabe übernehmen könnte.

Trotzdem ist auch Gautschi zuversichtlich, «dass es gut kommt». Gefragt seien einfach gesunder Menschenverstand und etwas Selbstdisziplin der Menschen. Gerade in den kommenden Tagen. Das verlängerte Wochenende und schöne Wetter dürften noch einmal mehr Menschen ins Freie locken.

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