In den Knast kommt man nicht der schönen Aussicht wegen. Die vergitterten Fenster in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg beginnen erst auf einer Höhe von 1,80 Metern. Für die Insassen reicht der Blick zum Himmel «oder zum Herrgott», sagt JVA-Direktor Marcel Ruf.

Derart kleine Fenster entsprechen heute nicht mehr den Anforderungen des Subventionsgesetzes des Bundes. Dieses orientiert sich an den europäischen Empfehlungen für Menschenrechte.

Für den geplanten Umbau verlangte das Bundesamt für Justiz mit Nachdruck grössere Fenster. Andernfalls würden die Subventionen von über 13 Millionen Franken gestrichen. Mit dem Umbau werden nun auch die 44 Prozent zu kleinen Fenster vergrössert auf neu 90 mal 132 Zentimeter.

«Das geschieht wie der ganze Umbau in enger Koordination mit der Denkmalpflege», erklärt Martin Moll, Leiter Projektmanagement bei Immobilien Aargau. Denn der historische Bau aus dem Jahr 1864 steht unter Denkmalschutz.

Auf den Zehenspitzen hat Direktor Marcel Ruf schon jetzt einen besseren Blick aus den Zellen. Aber er ist 192 Zentimeter gross, die meisten seiner Klientel sind kleiner. Wer von den Insassen unter 160 Zentimeter gross ist, wird sich für den direkten Blick hinaus nicht mehr auf die Zehen stellen müssen.

Falls es sich lohnt, denn die Aussicht ist wenig berauschend. Man sieht bis zur hohen Mauer oder zum neuen Gewerbebau, im zweiten Obergeschoss die Kirche des Staufbergs.

Aber die neuen Fenster hängen auch eng mit Klima und Sicherheit zusammen. «Die Durchlüftung ist schlecht, speziell bei Rauchern, und für das Personal vielfach an der Grenze des Zumutbaren», betont Ruf. Zudem lassen sich die Holzfenster leicht auseinanderschrauben, die Insassen können darin Dinge verstecken.

Kein Fünf-Sterne-Hotel

Ein Fünf-Sterne-Hotel gibt es in Lenzburg nicht. Solche Sprüche sind wegen der Bauform zwar beliebt, aber völlig fehl am Platz. Denn der Kanton setzt die Mittel höchst sparsam ein.

Wegen der viel zu kleinen Zellen von durchschnittlich 7,8 Quadratmetern statt der heute üblichen 11,5 Quadratmeter sah es eine Zeit lang nach einem Neubau aus. Ein solcher würde heute laut Ruf weit über 100 Millionen Franken kosten.

Im Vergleich dazu ist der vom Parlament bewilligte Kredit von 40,8 Millionen Franken für alle drei Etappen geradezu günstig. Mit bereits getätigten Sanierungen ergeben sich für die neu 192 Plätze rund 192 000 Franken Investitionskosten pro Gefangenen.

In der JVA Solothurn sind es 500 000 Franken, in Pöschwies 527 000 Franken für jeden Insassen.

Für die Sicherheit bringt der Umbau viel, vor allem in den 149 Jahre alten Zellen. In ihrem Drang nach Freiheit ist die Fantasie der Gefangenen fast grenzenlos, heute bietet die Ausstattung der Zellen «eine Vielzahl von Verstecken und Möglichkeiten zum Missbrauch», steht im Projektbeschrieb.

So sind die strapazierten Böden teilweise aus Holz, Klötzliparkett, Novilon oder Fliesen - und laden dazu ein, Waren zu verstecken. Das wird mit den widerstandsfähigen Polyurethan-Belägen nicht mehr möglich sein.

Bei den Toiletten sind die Spülkästen noch in einen Holzschrank eingebaut, der beste Versteckmöglichkeiten bietet. Neu kommen die Wasserkästen unter den Verputz.

Spartanische Betten bleiben

Für die zu kleinen Zellen konnten Bauherren und Betreiber mit dem Bundesamt für Justiz einen Kompromiss aushandeln: Als Kompensation sind für die ausgelagerten Gewerberäume neue und grössere Gemeinschaftsräume vorgesehen.

Unverändert spartanisch bleiben die Klappbetten von 190 mal 80 Zentimetern, weil der Platz fehlt. «Die Bettunterlage besteht nach wie vor aus einem Holzbrett und nicht aus einem Lattenrost.»

Auch die Stahltüren bleiben, obwohl sie nur 1,8 Meter hoch und 60 cm breit sind. Dafür gibt es auf zwingende Anforderung des Bundesamtes für Justiz künftig auch Warmwasser in den Lavabos der Zellen.

Der Terminplan sieht diesen Ablauf vor: Bereits gebaut sind die sanierte Infrastruktur für 2,6 Millionen Franken und das neue Produktionsgebäude für 12,3 Millionen Franken. «Die Kostenvorgabe haben wir klar eingehalten», versichert Martin Moll.

Der Umbau des Fünfsterns liegt bis zum 26. August als Baugesuch in Lenzburg auf. Dessen Kosten betragen 25,9 Millionen Franken. Im Herbst folgen die Ausschreibungen für die Unternehmen.

Der Baubeginn verschiebt sich auf Frühjahr 2014, zwei Jahre später sollten die Gefangenen durch die neuen Fenster in die Freiheit hinausschauen können. «Saniert wird Flügel um Flügel, die mehrfache Verlegung ist eine grosse organisatorische Herausforderung», sagt Marcel Ruf.