Grippeimpfung
Grippeimpfstoffe: Der nationale Impftag läuft auf Sparflamme

In der Schweiz gibt es zu wenig Impfstoffe gegen die saisonale Grippe. Zudem verhängte Swissmedic einen Anwendungsstopp für zwei Grippeimpfstoffe von Novartis. Wie sieht die Situation im Aargau aus?

Christine Fürst und Adrian Hunziker
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Der Lieferstopp von Grippeimpfstoffen der Novartis hat in der Schweiz einen Engpass zu Folge. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab deshalb an die Ärzte eine Empfehlung ab, die besagt, dass nur Risikogruppen (siehe Box) und deren Kontaktpersonen wie beispielsweise Betreuer als Erstes zu impfen seien.

«Im Kanton Aargau sieht es gleich aus wie in der ganzen Schweiz», bestätigt Kantonsapothekerin Muriel Sponagel die Aussagen des Bundes und verweist auf die Informationshoheit von Bundesamt für Gesundheit und Swissmedic. Das BAG hat mitgeteilt, dass die Nachlieferungen an Grippeimpfstoffen vermutlich ab Mitte November erfolgen werden. «Das ist aber noch nicht in Stein gemeisselt», sagt die Kantonsapothekerin dazu.

Der Engpass macht auch vor dem nationalen Impftag am 2. November 2012 nicht halt. Dieser wird vom BAG nicht mehr angepriesen, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. «Dieser Impftag wäre für die breite Bevölkerung gedacht gewesen. Doch nach den Engpässen sind wir eher zurückhaltend», bestätigt Sponagel. Durch ein landesweites und leicht zugängliches Angebot hätten möglichst viele jener Personen erreicht werden sollen, die sich bisher nicht gegen Grippe impfen liessen.

KSA und KSB gut ausgerüstet

Nicht nur einen Engpass, sondern gar keine Impfdosen stehen der Arztpraxis Susanne Hofer in Baden zur Verfügung. Auf Anfrage der Aargauer Zeitung wurde bestätigt, dass man Impfstoffe bestellt hatte, der Lieferant bisher aber selber noch keine besitze. Auch eine Apotheke aus der Region konnte keine Abhilfe schaffen, da diese selbst keine Impfstoffe erhalten habe, hiess es weiter.

Das Kantonsspital Baden (KSB) hat derweil keine Lieferprobleme. «Wir haben keinen Engpass, weil wir im Sommer glücklicherweise den richtigen Riecher hatten und die Impfdosen bei einer anderen Firma bestellt hatten», sagt Mediensprecher Marco Bellafiore. Das KSB hat seine Grippeimpfdosen nicht bei Novartis bestellt, sondern beim Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK). «Die Firma konnte alles liefern, was wir bestellt hatten», ergänzt Bellafiore. Das KSB müsse deshalb nicht zwischen Risiko- und Nicht-Risikogruppen sortieren.

Keine Abgaben an weitere Kliniken

Das Kantonsspital Aarau (KSA) ist ebenfalls gut gerüstet: Auch dort hat man einen Liefervertrag mit der Firma GlaxoSmithKline für den Impfstoff Fluarix abgeschlossen. «Das KSA und die angeschlossenen Kliniken können die Grippeimpfungen im gleichen Umfang wie in den Vorjahren ohne Einschränkung durchführen. Eine Abgabe an weitere Kliniken und Anfrager ist jedoch nicht möglich», sagt Richard Egger, Chefapotheker des KSA.

«Glücklicherweise kommt die Influenza-Welle meist erst Ende Januar, Februar oder gar März, damit haben wir Zeit zu reagieren und genügend Impfstoffe zu beschaffen», sagt Christoph Andreas Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene im Kantonsspital Aarau.

Das Arzthaus in Aarau hatte bei mehreren Lieferanten eine Bestellung gemacht und konnte so den Engpass umgehen. «Wir haben genügend Impfstoffe, Kunden können jederzeit vorbeikommen», sagt die Geschäftsführerin Jennie Olsson.