Rund zwölf Stunden haben Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch auf dem Dach und an der Fassade bei Mammut in Seon protestiert. Mit ihrer Aktion wollten die Umweltschützer darauf aufmerksam machen, dass der Outdoor- Hersteller für seine Produkte giftige Chemikalien verwendet. Am Dienstagabend beendeten die Aktivisten den Protest und teilten mit, Greenpeace und Mammut würden ein Gespräch darüber vereinbaren, wie das schädliche PFC aus der Produktionskette verbannt werden könne.


Greenpeace kritisiert insbesondere, diese in der Umwelt kaum abbaubare Substanz «passe nicht zu einer Firma, die nach eigenen Angaben von und für die Natur lebt.» Mammut räumt auf seiner Website negative Auswirkungen von PFC auf Mensch und Umwelt ein, hält aber fest, es gebe derzeit keine Alternative, um Outdoor-Bekleidung wasserabweisend zu machen.

Greenpeace-Zelt mit Giftstoffen

Firmensprecher Fabian Erhard sagte zudem am Mittwoch gegenüber Tele M1, auch das Zelt von Greenpeace, das bei der Protestaktion am Mammut-Hauptsitz aufgestellt wurde, sei mit der Substanz behandelt. Bei dem Zelt handelt es sich um das Modell Space Station des Herstellers Mountain Hardwear.

Auf Nachfrage der az bestätigt Erhard seine Aussage: «Auf der Website des Herstellers heisst es, dass dieses Zelt mit einer wasserabweisenden Schutzschicht, einer sogenannten DWR-Ausrüstung, versehen ist.» Ihm hätten mehrere Experten bestätigt, es sei praktisch undenkbar, dass ein solches Zelt nicht mit PFC behandelt sei.

Julia Bangerter, Leiterin der Detox-Kampagne bei Greenpeace, sagt auf Anfrage der az: «Wir haben das Zelt nicht getestet, darum kann ich nicht sicher sagen, ob es PFC enthält.» Dies sei aber gut möglich, weil es in gewissen Bereichen bisher keine Produkte ohne die schädlichen Stoffe gebe. «Da bleibt auch uns nichts anderes übrig, als ein solches Produkt zu kaufen und dieses dann möglichst lange zu verwenden.» Genau deshalb wäre es laut Bangerter wichtig, dass Outdoor-Hersteller neue Produkte ohne PFC entwickeln.

Aktivisten mit Mammut-Seilen

Zudem verwendeten die Aktivisten, die an der Fassade ein Transparent und einen Verhandlungstisch anbrachten, auch Mammut-Material. CVP-Politiker Matthias Meier-Moreno aus Grenchen schrieb auf Twitter: «Hoffentlich haben die Greenpeace-Aktivisten keine Mammut-Kletter-Utensilien zum Abseilen benutzt.» Keith Burgess aus Wales, der Outdoor-Events organisiert, schrieb in einem Tweet, dass die Aktivisten offenbar Seile von Mammut verwendeten. Greenpeace bestätigte dies auf Twitter, wies aber darauf hin, die Seile seien vor vielen Jahren gekauft worden, «lange bevor diese Kampagne begann».

Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut Teil 1

Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut

135'000 Personen haben die Petition an Mammut unterzeichnet und sie aufgefordert, auf PFCs in der Produktion zu verzichten. Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut am Hauptquartier, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.



Mammut-Sprecher Erhard entgegnet: «Ich weiss nicht, wie alt die Seile sind, die bei der Aktion am Dienstag verwendet wurden. Uns liegen aber Rechnungen aus den Jahren 2014, 2015 und gar 2016 vor, die zeigen, dass Greenpeace bei Mammut neue Seile gekauft hat, die mit PFC behandelt sind.» Kampagnenleiterin Bangerter bestätigt auf Anfrage, dass Greenpeace die Seile, die bei der Protestaktion verwendet wurden, bei Mammut gekauft hat. «Wir beziehen gerne Material bei diesem Anbieter, deshalb werden wir auch weiterhin Seile dort einkaufen.» Wie bei den Zelten, gebe es leider auch bei den Kletterseilen noch keine Alternativen, die kein PFC enthalten und den Anforderungen von Greenpeace genügten.

Gespräch schon nächste Woche?

Dennoch hält die Umweltorganisation an ihrer Forderung fest, den Stoff aus Outdoor-Produkten zu verbannen. Darüber wollen Vertreter von Greenpeace mit Mammut-Managern sprechen. «Wir sind derzeit daran, einen Termin für das Treffen zu finden», sagt Bangerter. Mammut-Sprecher Erhard sagt, die Bedingungen für ein solches Gespräch würden heute Freitag diskutiert. Er geht davon aus, dass ein Treffen der beiden Parteien schon nächste Woche stattfinden könnte. Ob Mammut die am Mittwoch eingereichte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs aufrechterhält oder zurückzieht, ist laut Erhard noch offen. Bei der Aktion seien kleinere Schäden am Dach und an der Fassade entstanden, diese liessen sich aber noch nicht beziffern.