Atomenergie

Greenpeace fordert ein Hearing zu Beznau

Aufgrund einer Studie des Öko-Instituts, die Zweifel an der AKW- Sicherheit aufwirft, verlangt die Umweltorganisation eine öffentliche Diskussion. Die Axpo als Beznau-Betreiberin geht nicht auf diese Forderung ein.

Seit mehr als einem Jahr steht der erste Reaktorblock des AKW Beznau still. Grund sind Unregelmässigkeiten am Reaktordruckbehälter, die bei Ultraschalluntersuchungen entdeckt wurden. Zuerst ging der Energieversorger Axpo davon aus, bis Ende 2015 nachweisen zu können, dass diese Befunde unbedenklich sind. Dies gelang nicht, der Reaktor blieb ausser Betrieb – an einer Medienkonferenz vergangene Woche gab die Axpo bekannt, sie wolle den sogenannten Integritätsnachweis nun bis Ende dieses Jahres erbringen.

«Ich bezweifle sehr, dass ein solcher Nachweis überhaupt möglich ist», sagte Simone Mohr, Maschinenbau-Ingenieurin am deutschen Öko-Institut und Mitglied im Ausschuss «Strahlenschutz bei Anlagen» des Bundesumweltministeriums, gestern Donnerstag an einer Medienkonferenz. Mohr ist Mitverfasserin einer Studie, welche das Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace erstellt hat.

Kein vergleichbares Material?

Sie hielt unter anderem fest, für wirklich verlässliche Aussagen über die Auswirkungen der Schwachstellen im Reaktordruckbehälter müssten Proben desselben Materials geprüft werden. Also von Stahl, der seit 47 Jahren radioaktiv bestrahlt worden ist und die gleichen Unregelmässigkeiten – die Axpo spricht von Aluminiumoxid – aufweist. Innerhalb des Druckbehälters wurden beim Bau der Anlage mehrere solche Materialproben angebracht. Diese sind inzwischen nicht mehr vorhanden, die letzten Vergleichsmuster wurden laut Mohr im Jahr 2009 entnommen.

Unregelmässigkeiten AKW Beznau – das sagt der Chef

Unregelmässigkeiten AKW Beznau – das sagt der Chef

Wegen weiteren Unregelmässigkeiten in den Stahlwänden des AKW Beznau 1 bleibt dieses sicher bis Ende Jahr abgeschaltet. Interview mit Mike Dost, Leiter des Kernkraftwerks Beznau. (Tele M1, 3.5.2016)

Mohr weis weiter darauf hin, dass die Axpo die Versprödung des Druckbehälters nicht nach der vorsichtigsten Methode berechnet. Nach dem klassischen Verfahren wäre der Grenzwert fast erreicht, sagte sie. Dies um so mehr, als wegen den Unregelmässigkeiten im Material aus ihrer Sicht ein Sicherheitszuschlag einzurechnen wäre.

Christian Engeli, Kampagnenleiter bei Greenpeace, bemängelt die Informationspolitik der Axpo. Anders als in Belgien, wo bei zwei AKW ebenfalls Schwachstellen im Druckbehälter auftraten, würden hier keine technischen Berichte veröffentlicht. Deshalb fordert Greenpeace zusammen mit 40 anderen Organisationen nun ein öffentliches Hearing mit unabhängigen Experten über die Sicherheit von Beznau. «Das müsste auch im Interesse der Axpo sein, um das Vertrauen wieder herzustellen», sagte Engeli. Greenpeace hält fest, ein solches Hearing müsse stattfinden, bevor die Atomaufsichtsbehörde Ensi über die Wiederinbetriebnahme des AKW entscheide. Engeli sagte, man erwarte eine Zusage der Axpo bis am 13. Juni.

Untersuchungen am AKW Beznau dauern länger als geplant

Untersuchungen am AKW Beznau dauern länger als geplant

Böttstein - 3.5.16 - Untersuchungen zeigen, dass der Reaktorbehälter 1 des AKW Beznau Unregelmässigkeiten im Material aufweist. Der Betreiber Axpo muss nun nachweisen, dass der Reaktor trotzdem den sicherheitstechnischen Standards entspricht. Diese Untersuchung dauert länger als geplant. Bis mindestens Ende Jahr ist das AKW stillgelegt. Greenpeace fordert, das älteste Kernkraftwerk der Welt zu schliessen. Der Entschied liegt bei der Aufsichtsbehörde Ensi.

Axpo: «Offen informiert»

Antonio Sommavilla, Mediensprecher des Energieversorgers, geht auf Anfrage nicht direkt auf die Forderungen nach einem Hearing und nach Veröffentlichung technischer Berichte ein. Er hält aber fest, die Axpo habe «jederzeit transparent und offen informiert», zuletzt an einer Medienkonferenz letzte Woche. Sommavilla sagt: «Sobald neue Erkenntnisse vorliegen, werden wir die Öffentlichkeit wieder umfassend informieren.»

Zur Kritik des Öko-Instituts an den Materialproben sagt der Firmensprecher: «Im Rahmen von breit angelegten Materialuntersuchungen hat Axpo bereits im vergangenen Jahr Testmaterial identifiziert und untersucht.» Dieses habe sich als nur teilweise geeignet erwiesen, deshalb sei die Suche nach weiterem Testmaterial intensiviert worden. Grundsätzlich hält Sommavilla fest: «Aufgrund der uns heute vorliegenden Erkenntnisse sind wir weiterhin zuversichtlich, den Sicherheitsnachweis erbringen zu können.»

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