In Oberkulm war dieses Jahr bereits einen Monat vor Weihnachten Bescherung. Wer an der Gemeindeversammlung vom 22. November den Stimmrechtausweis abgab, erhielt als Geschenk einen Bon für eine Weihnachtstanne. Der Baum kann am 21. Dezember beim Werkhof abgeholt werden.

«Wir verteilen die Gutscheine schon seit vielen Jahren an der Wintergmeind», sagt Gemeindeschreiber Ulrich Wiederkehr. «Diese werden von der Bevölkerung immer sehr geschätzt.» Dieses Jahr dürfte das Oberkulmer Werkhof-Team einige Weihnachtstannen mehr bereitstellen als in den Jahren zuvor: Denn die Abstimmung über die Fusion mit Unterkulm hatte an der Gemeindeversammlung für einen Grossaufmarsch von über 500 Stimmberechtigten gesorgt.

Einen ähnlich grossen Ansturm erwartet der Werkhof dennoch nicht: Viele Gutscheine für Weihnachtsbäume werden nicht eingelöst (siehe Box).

«Eine schöne Geste»

Oberkulm ist nicht die einzige Gemeinde in der Region, die Besuch ihrer Gemeindeversammlung mit einem Weihnachtsbäumli belohnt. Auch Schlossrued versüsst so ihren Bürgern die Weihnachtszeit. «Wir sehen das als schöne Geste», sagt Joel Etter, Mitarbeiter der Gemeindekanzlei. «Ebenfalls beliebt ist der Begrüssungsapéro der Feuerwehr inklusive Glühwein sowie der Umtrunk nach der Versammlung.»

Andere Wege, die Gemeindeversammlung attraktiver zu gestalten, beschreitet Schöftland. Wer hier seine demokratischen Rechte in der Gemeinde wahrnimmt, kann einen Einkaufsgutschein für das lokale Gewerbe im Wert von 100 Franken gewinnen. «Dafür kommen alle Stimmrechtausweise in einen Sack und eine Glücksfee zieht den Gewinner oder die Gewinnerin», erklärt Gemeindeschreiber Rudolf Maurer.

Eine Runde geht auf die Gemeinde

In Schöftland lege man zudem Wert auf Geselligkeit: So richtet die Gemeinde an der Wintergmeind einen Apéro aus, im Sommer findet die Versammlung draussen im Schlosshof statt – inklusive Festwirtschaft der Vereine. «Die Gemeinde übernimmt dann die erste Runde», so Rudolf Maurer. Auch in Staffelbach verlässt niemand mit leerem Magen die Gemeindeversammlung: Nach dem offiziellen Teil werden Grilladen, Getränke und Kuchen aufgefahren.

Inzwischen sind es immer mehr Gemeinden, die mit mindestens einem Apéro die Gemeindeversammlung attraktiver gestalten. Doch hat dies auch Erfolg? «Natürlich möchten wir so wieder mehr Leute an die Gmeind bringen», sagt der Schöftler Gemeindeschreiber Rudolf Maurer. «Wenn wir ehrlich sind, kommen aber auch so nicht viele Bürger mehr an die Versammlung.» Schöftland werde trotzdem weiterhin einen Einkaufsgutschein verlosen. Rudolf Maurer: «Das ist eine schöne Sache.»

Geselliges Beisammensein

Auch der Oberkulmer Gemeindeschreiber Ulrich Wiederkehr ist realistisch: «Gut möglich, dass ein paar Leute mehr kommen wegen des Weihnachtsbaumes. Das fällt jedoch nicht stark ins Gewicht.» Gestiegen ist dank Spiess und Trank dagegen die Beteiligung an der Gemeindeversammlung in Staffelbach. «Es ist jedoch nicht das Essen, das mehr Leute anzieht, sondern das gesellige Zusammensein», vermutet Martina Hauri, Leiterin Finanzen und Steuern. Dies habe sich erneut an der Wintergmeind gezeigt. «Trotz unspektakulärer Traktanden hatten wir an der Gemeindeversammlung viele Leute.»

Die Strategie, mit Geschenken,Speis und Trank den Bürger an die Gemeindeversammlung zu locken, ist jedoch nicht unumstritten: «Die Gemeindeversammlung ist ein Teil der Demokratie und kein orientalischer Basar», sagt Max Haudenschild, Gemeindeschreiber von Oberentfelden, wo bereits seit über 25 Jahren nach der Versammlung jeweils ein Umtrunk serviert wird. Dies in erster Linie, um die Geselligkeit zu pflegen. Haudenschild: «Wenn es an der Gmeind um die Wurst geht, kommen die Leute auch ohne Geschenke.»