Baden
Grand Casino erwirtschaftet höheren Ertrag als die neue Konkurrenz aus Zürich

Das hatte kaum jemand erwartet: Das Grand Casino Baden weist im ersten vollen Betriebsjahr des Zürcher Spielcasinos einen um rund 6 Mio. Franken höheren Bruttospielertrag aus und liegt damit schweizweit auf Rang drei.

Roman Huber
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Von links: CEO Grand Casino Detlef Brose, VR-Präsident Stadtcasino Baden AG Peter Blöchlinger, VR-Präsident Spielbank Baden AG Juerg Schaerer.

Von links: CEO Grand Casino Detlef Brose, VR-Präsident Stadtcasino Baden AG Peter Blöchlinger, VR-Präsident Spielbank Baden AG Juerg Schaerer.

Sandra Ardizzone

Der Bruttospielertrag im Grand Casino Baden lag im Jahr 2013 bei 66,7 Mio. Franken. Das sind zwar gegenüber dem Vorjahr (92,2 Mio.) 28 Prozent weniger, aber immer noch 10 Prozent mehr, als die neue Konkurrenz in der Stadt Zürich einspielte. Der Bruttospielbetrag ist die Differenz zwischen Spieleinsätzen und ausbezahlten Spielgewinnen oder kurz gesagt, der Betrag, der dem Casino bleibt, bevor rund 60 Prozent davon als Spielbankabgabe in die AHV-Kasse des Bundes fliessen. Damit liegt Baden hinter Montreux und knapp hinter Basel auf Rang drei der ertragsstärksten Schweizer Spielcasinos.

Bei 43 Hits gab es an den Spielautomaten Jackpot-Auszahlungen in der Höhe von total 2,1 Mio. Franken. Einmal fiel in Baden auch der Swiss-Jackpot mit ausbezahlten 1,4 Mio. Franken. Gesamthaft wurden an den Spielautomaten 1,1 Milliarden Franken ausbezahlt, was 95 Prozent des gespielten Einsatzes entspricht. Im Grand Jeu betrug im 2013 der höchste Gewinn 212 000 Franken, das ist weit entfernt vom höchsten, beim Grand Jeu in Baden je erzielten Gewinn von 2,578 Mio. Franken.

Im 2014 gut gestartet

Dass Baden die Nase vor Zürich hat, wird nicht nur in Casino-Kreisen als grosse Überraschung gewertet. In Baden relativiert man aber diese Wahrnehmung: «Wir haben uns frühzeitig auf die neue, für uns schwierige Situation eingestellt und unsere Strukturen angepasst», erklärt Badens Spielbank-CEO Detlef Brose. Der Ausbau zum House of Entertainment hat sich zumindest bei den Besucherzahlen niedergeschlagen, die lediglich um 20 Prozent auf 345 000 Personen zurückgegangen sind.

Das Grand Casino Baden wolle weiterhin die Marktführerschaft im Grossraum Zürich für sich beanspruchen, obschon das Zürcher Casino das weitaus bessere Einzugsgebiet aufweise, war an der Bilanz-Medienkonferenz zu erfahren. Die Aussichten stünden gut, so Brose. «Wir sind im 2014 gut gestartet und wollen unsere Position in diesem Jahr stärken, indem wir die Qualität als Ort für attraktives Spiel und hochwertige Unterhaltung weiter verbessern.» So sind weitere Pläne für den reaktivierten Club Joy angesagt.

Diese optimistischen Prognosen wagt Brose entgegen der Marktentwicklung in der Schweizer Casinolandschaft, die gesamthaft in einem schwieriger werdenden Umfeld eine weitere Einbusse hinnehmen mussten. Als Gründe sieht Brose neben dem Rauchverbot von 2010 und der andauernden Euroschwäche auch die Konkurrenz von Internet-Casinos, illegalen Spielstätten und Lotterieangeboten im In- und Ausland an. Er hoffe darum, dass nicht die Regulierungen für die offiziellen Casinos, sondern die Massnahmen und Sanktionen gegen das illegale Spielangebot in der Schweiz verschärft würden.

Nach Sachsen-Anhalt Konzession in Wien im Visier

Die Stadtcasino Baden AG, Muttergesellschaft der Spielbank Baden AG, blickt in ihrer Zukunft verstärkt über die Landesgrenzen hinaus. So hofft der Verwaltungsrat in den nächsten Tagen auf die Konzession für das Casino Wien im Palais Schwarzenberg, während ein Entscheid im Konzessionsverfahren für ein Casino in Vaduz laut Peter Blöchlinger, VR-Präsident der Stadtcasino Baden AG, weiterhin aussteht.

In Wien ist Baden zu zwei Dritteln beteiligt, bei den zwei neuen Spielcasinos in Sachsen-Anhalt mit je einem Viertel. Diese Beteiligungen erfolgten gemeinsam mit der deutschen Gauselmann-Gruppe, die ihrerseits 10 Prozent des Aktienkapitals der Stadtcasino Baden AG erworben hat. Die Gauselmann-Beteiligung sei rein strategischer Natur, erklärt Peter Blöchlinger, und deute nicht etwa auf eine sich anbahnende Mehrheitsbeteiligung in Baden hin. In Sachen-Anhalt bringe Baden in erster Linie das Casino-Know-how ein.

Sämtliche Schritte der Stadtcasino Baden AG seien im Übrigen mit ihrer Mehrheitsaktionärin, der Einwohner- und Ortsbürgergemeinde der Stadt Baden, abgesprochen, erklärt Blöchlinger. Das war auch beim Kauf von 90 Prozent des Aktienkapitals des Casinos Davos der Fall. Davos verzeichnete als einziges Schweizer Casino im 2013 ein Umsatzwachstum, liegt aber immer noch in der Verlustzone.

Dividende fällt kleiner aus

Die Stadt Baden ist es auch, welche die reduzierte Dividende am meisten zu spüren bekommt. Der Verwaltungsrat hat diese für 2014 auf 15 Franken je Aktie festgelegt; in den vergangenen Jahren waren es 25 Franken. Der Konzerngewinn wurde auf rund 4 Mio. Franken halbiert, was zu einem Gewinn je Aktie von rund 45 Franken führt. Dafür ist die Dividende für Schweizer Aktionäre erstmals von der Verrechnungssteuer und für Privatanleger von der Einkommenssteuer befreit.

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