SVP-Fraktionschef Andreas Glarner kritisiert: «Offenbar ist die GLP beratungsresistent. Schon wieder bringt sie eine Einerkandidatur, obwohl wir ausdrücklich eine Auswahl verlangt haben.» Tatsächlich meldete die GLP der Subkommission Richterwahlen drei Kandidaturen. Zwei Frauen haben sich laut Franz Hollinger, Präsident der Justizkommission, nachträglich zurückgezogen.

Somit verbleibt als GLP-Kandidat Rechtsanwalt Viktor Egloff, selbstständiger Partner bei der Kanzlei Hauser, Egloff & Müller in Baden. Egloff wird von der Subkommission Richterwahlen und von der Justizkommission zur Wahl empfohlen.

«Nach dem ausführlichen Assessment und einem Vorstellungsgespräch hat sich die Justizkommission einstimmig für Herrn Egloff ausgesprochen», sagt Hollinger. Mit grosser Mehrheit habe die Kommission zudem eine Einerkandidatur vorgeschlagen.

Büro präsentiert Zweierticket

Das Büro des Grossen Rates gewichtete hingegen die Auswahlmöglichkeit für das Parlament höher. Deshalb gibt es nun offiziell ein Zweierticket: Neben GLP-Kandidat Egloff steht auch der parteilose Beat A. Vogt aus Aarau Rohr zur Wahl. Vogt, derzeit Grundbuchverwalter des Bezirks Brugg, war für eine Stellungnahme zu seiner Kandidatur ferienhalber nicht erreichbar.

Viktor Egloff (51) blickt dem Wahltermin am 4. März optimistisch entgegen. «Ich gehe
davon aus, dass das Parlament auf die Befähigung und den Parteiproporz achten wird», sagt der Rechtsanwalt.

Dass er früher jahrelang der FDP angehörte, vor fünf Jahren die Partei verliess und erst im vergangenen Herbst im Hinblick auf eine allfällige Wahl als Oberrichter der GLP beitrat, sieht Egloff nicht als Problem. «Ich gehe nicht davon aus, dass mein Parteiwechsel bei der FDP Ressentiments auslöst», sagt Egloff. Und der Anwalt betont, er habe auch als GLP-Mitglied eine liberale Gesinnung. «Wer ans Obergericht gewählt werden möchte, muss einer Partei angehören», erklärt der Würenloser.

FDP meldet Vorbehalte an

«Es ist sicher nicht so, dass Herr Egloff als Überläufer betrachtet wird und für uns prinzipiell nicht wählbar ist», sagt FDP-Präsident Matthias Jauslin. Dennoch geht Jauslin davon aus, dass ihm «einige Mitglieder unserer Fraktion die Stimme nicht geben werden». Laut Jauslin werde die FDP neben Egloff auch den parteilosen Beat A. Vogt zu einem Hearing einladen. «Wen wir unterstützen, hängt sehr davon ab, wie sich die beiden Kandidaten dabei präsentieren», sagt Jauslin. Fraktionschef Daniel Heller ergänzt: «Die Erfahrung bei geheimen Wahlen zeigt: Es ist nicht aus-
zuschliessen, dass bei gleichwerti-gen Kandidaten den Parteinomaden gewisse Stimmen fehlen könnten.»

GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann ist optimistisch, dass ihr Kandidat die Wahl schafft. «Wir haben nach der Abwahl von Herrn Schuppisser von der SVP eindeutige Signale erhalten, dass sich ihr Angriff nicht gegen die Partei, sondern gegen die Person richtete», blickt sie zurück. Tatsächlich hatte SVP-Fraktionschef Glarner im August 2013 gesagt: «Wir werden jeden fähigen Kandidaten der GLP wählen, die SVP erhebt keinen Anspruch auf diesen Sitz.»

Nun stehe seine Fraktion aber vor einem Dilemma: «Die GLP bietet keine Auswahl. Und wenn wir ihren einzigen Kandidaten nicht wählen, brechen wir unser Versprechen.» Möglicherweise werde die SVP deshalb am 4. März keinen der beiden Kandidaten wählen, sondern leer einlegen.