Der Aargau gilt als Wasserschloss. Doch mit dem Klimawandel steigt der Druck auf Gewässer, denn die Ökosysteme müssen sich an die neuen Verhältnisse anpassen. «Seen, Bäche und Flüsse brauchen deshalb ebenso verstärkten Schutz wie Wiesen, Wälder und Luft», sagt Barbara Portmann, die Präsidentin der Fraktion der Grünliberalen (GLP) des Grossen Rats.

Am Dienstag wird ihre Fraktion mit gleich vier Anliegen für mehr Gewässerschutz im Parlament vorstellig. «Alarmismus ist noch fehl am Platz. Aber wir dürfen beim Umweltschutz die Gewässer nicht vergessen», mahnt Portmann. Derzeit werde das Thema zu zögerlich angegangen. Wie gross der Bedarf an Massnahmen wirklich ist, sei unbekannt. Insbesondere im Bereich Mikroplastik stecke auch die Forschung noch in Kinderschuhen. «Es dürfte aber klar sein, dass die 20-jährigen Vollzugshilfen von Bund und Kanton zu den Strassenabwässern noch nicht auf die aktuellen Problemstellungen Bezug nehmen», so die GLP-Grossrätin.

Grundsätzlich weiss man, dass der grösste Verursacher von Mikroplastik der Abrieb von Autopneus ist. Dieser wird durch Niederschläge von den Strassen überall hin gespült. Die Praxis, wonach das Strassenabwasser deswegen speziell gereinigt wird, ist bei Autobahnen üblich, ansonsten wird sie erst vereinzelt angewendet. Kantonsstrassen seien aber auch betroffen, so Portmann. «Wir möchten wissen, wo die heiklen Stellen sind, die verstärkt auf ihre Verschmutzung untersucht werden müssen», sagt sie. Danach werde sich die Fraktion konkrete Forderungen überlegen. Ein möglicher Weg wäre ein Massnahmenplan gegen den Eintrag von Mikroplastik in Gewässer.

Chemie und Licht als Gefahren

Auch punkto Gewässerqualität fragt die GLP zuerst per Interpellation nach den Herausforderungen für die nächsten Jahre, den Methoden, wie die Qualität geprüft wird und den Massnahmen, wenn Grenzwerte überschritten werden. «Die Umweltdatenbank EnVIS sowie Messungen am Furtbach in Würenlos zeigen Grenzwertüberschreitungen auf. Wir wollen wissen, wie diese eingeschätzt werden und was man dagegen tun kann», sagt Barbara Portmann. Insbesondere die Pflanzenschutzmittel, aber auch Belastungen durch Medikamente trügen zu einer minderen Qualität verschiedener Aargauer Gewässer bei. Der Fakt ist bekannt, aber: «Es fehlt eine übergeordnete Sicht im Bereich Gewässerschutz, diese braucht es. Danach können konkrete Projekte und Massnahmen gefordert und erarbeitet werden», erklärt die GLP-Grossrätin. In diese Kategorie fallen auch die Gewässerrevitalisierungen. «Eine Zwischenbilanz über den Umsetzungsstand, gerade bei Auenschutzprojekten, wäre nötig», so Portmann. Nach einer solchen fragt die GLP in der dritten Interpellation.

Konkreter, mit einem Postulat, wird die Fraktion bei einem Thema, das so bisher eher nicht mit Gewässerschutz in Verbindung gebracht wird: «Auf einem Rundgang zum Thema Lichtverschmutzung ist uns aufgefallen, wie stark Lampen auch auf Wasser wirken», erklärt Barbara Portmann. In Wildegg etwa sehe man in der Nacht wegen des vielen Lichts bis auf den Grund der Bünz. «Wie ein Zuviel an Strassenbeleuchtung für Nachttiere ein Problem ist, so hat künstliche Beleuchtung auch Auswirkungen auf die Organismen im Wasser», sagt sie. Die Fraktion fordert einen Massnahmenplan, um die Beleuchtung im Bereich von Gewässern bestmöglich zu reduzieren. Der Kanton soll diesen zusammen mit den Gemeinden bis Ende 2023 umsetzen.

Ob die Gewässerschutzforderungen der GLP im Grossen Rat auf Zustimmung stossen werden, sei schwierig abzuschätzen, sagt Portmann: «Derlei Anliegen werden leider häufig als landwirtschaftsfeindlich interpretiert. Auch wenn das aus unserer Sicht nicht stimmt, hat es doch eine gewisse Bremswirkung.»

Prämienabzüge im Grossen Rat

Klima- und Umweltvorstösse stehen heute nicht auf der Traktandenliste des Parlaments. Dafür dürfte die Motion von SVP und FDP, welche eine Erhöhung des Pauschalabzugs für Krankenkassen-Prämien fordert, einen grossen Teil der Debatte bestimmen. Auch über die Abschaffung der Schulpflege an der Volksschule, oder darüber, wie der Überschuss aus dem vergangenen Jahr verwendet werden soll, gehen die Meinungen auseinander.