Grossratswahlen
Gleiche Familie, andere Partei: Bruder und Schwester treten gemeinsam an

Bruno Zimmermann und Susan Diethelm kandidieren beide für den Grossen Rat. Das besondere daran: Die beiden sind Geschwister – kandidieren aber für unterschiedliche Parteien.

Urs Helbling
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«Wir sind zu Hause politisiert worden.» Bruno Zimmermann und seine Schwester Susan Diethelm in seiner Wohnortgemeinde Erlinsbach.

«Wir sind zu Hause politisiert worden.» Bruno Zimmermann und seine Schwester Susan Diethelm in seiner Wohnortgemeinde Erlinsbach.

Wer dieses Bild sieht, könnte meinen, die beiden seien ein Paar. Das sind sie nicht. Auch wenn sie über zwanzig Jahre im gleichen Haushalt gelebt haben – als Bruder und Schwester. Susan Diethelm (39) und Bruno Zimmermann (36) haben noch mehr gemeinsam: Sie sind Kandidaten bei den Grossratswahlen vom 23. Oktober. Er als Präsident der FDP Erlinsbach, sie als Geschäftsführerin der CVP Aargau (wohnhaft in Oberlunkhofen).

Die fünfte Klasse ausgelassen

«Wir sind zu Hause politisiert worden. Wir haben am Tisch viel diskutiert», erklärt Susan Diethelm. Ihr Zuhause war in Birmensdorf ZH unmittelbar an der Grenze zum Kanton Aargau. «Unsere Eltern waren als selbstständigerwerbende Treuhänder tätig. Sie haben sehr viel gearbeitet. Meine Schwester und ich waren darum auch relativ früh selbstständig. All das hat uns geprägt», erinnert sich Bruno Zimmermann. Mama und Papa Zimmermann sind heute 72 Jahre alt. Sie gehören seit Jahrzehnten der FDP an.

Die Kinder haben beide in Zürich studiert. Sie an der Uni Politologie, er an der ETH Physik. Beide waren nie nennenswert im Ausland. Er war ein Kind, das man heute als hochbegabt bezeichnen würde. «Ich habe die 5. Klasse ausgelassen, weil mir die Schule leicht gefallen ist», berichtet Bruno Zimmermann. Nach dem Doktorat heuerte er 2010 beim Kernkraftwerk Gösgen an. Heute ist er dort stellvertretender Leiter der Nukleartechnik.

Warum hat Bruno Zimmermann mit seiner Frau in Erlinsbach Wohnsitz genommen? Sie hofften, ein gutes gesellschaftliches Umfeld zu finden. «Beim Entscheid, nach Erlinsbach zu ziehen, waren darum auch die Anzahl Beizen und die Anzahl Dorfvereine ein Kriterium», erklärt Zimmermann. Seine Familie hat sich bestens eingelebt: «Erlinsbach ist super, wenn man Anschluss finden will. Es ist sehr einfach, sich zu integrieren.» Die Zimmermanns haben zwei Kinder (2 und 4). Die Frau ist nach einer mehrjährigen Mutterschaftspause wieder 30 Prozent als Lehrerin tätig.

Kleiner Coup mit Petra Gössi

Er ist jetzt im vierten Amtsjahr Präsident der FDP Erlinsbach. In diesem Sommer gelang ihm ein kleiner Coup. Er konnte Petra Gössi für einen Anlass am 27. August gewinnen. «Ich habe sie angefragt, noch bevor sie als FDP-Präsidentin gewählt war», erinnert sich Bruno Zimmermann.

Er hat noch nie für ein Parlamentsamt kandidiert. Und er macht sich keine Illusionen darüber, ob er in den Grossen Rat gewählt wird. Als Neuer und mit dem ersten Namensbuchstaben «Z» kam er auf der Liste der FDP des Bezirks Aarau nicht über den letzten Platz hinaus.

70-Prozent-Pensum bei der CVP

Seine Schwester Susan Diethelm (39) wollte bereits 2015 Nationalrätin werden. Sie ist ein politischer Mensch durch und durch: wegen ihres Studiums und wegen ihres Jobs. Sie arbeitet mit einem 70-Prozent-Pensum bei der CVP Aargau. Dass sie sich als Tochter einer freisinnigen Familie für die CVP engagiert, findet sie nicht besonders bemerkenswert: «Ich bin ein bürgerlich denkender Mensch. Die Familie ist mir wichtig. Ich kann mich gut mit den Werten der CVP identifizieren.» Und: Sie habe unabhängig von ihrer Stelle als Geschäftsführerin bei der CVP begonnen, sich im Bezirk Bremgarten politisch zu engagieren.

Für Susan Diethelm ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein grosses Thema. Sie ist alleinerziehend und schreibt, sie «teile die Betreuung der vierjährigen Tochter mit dem getrennt lebenden Vater». Sie sagt: «Wir haben genügend Krippen – bis zum 4. Altersjahr. Mit dem Übertritt in den Kindergarten muss dann aber die Betreuung völlig neu organisiert werden. Da wird es schwierig, weil das ausserschulische Angebot noch nicht optimal ist.»