Was wird besser, wenn die soziale Krankenversicherung, die Grundversicherung, von einer nationalen, öffentlich-rechtlichen Einrichtung durchgeführt wird statt von privaten Krankenkassen? Für die alliance santé, die gestern im «Tägi» in Wettingen ein Podium zur Einheitskassen-Initiative veranstaltete, ist klar: gar nichts, im Gegenteil. Die alliance santé ist quasi die Dachorganisation der Gegner der SP-Initiative.

Gegen die Übermacht redeten SP-Nationalrat Max Chopard und SP-Grossrätin Anna Andermatt (Assistenzärztin am Kantonsspital Aarau) an. Mehr Effizienz, mehr Transparenz und schliesslich ein tieferes Kostenwachstum im Gesundheitswesen: Max Chopard ist überzeugt, dass die Einheitskasse dazu führen würde.

Heute funktioniere die soziale Krankenversicherung eher wie ein System, in dem Steuern von Privaten eingetrieben werden. Als Ärztin verspricht sich Anna Andermatt durch den Wegfall der Risikoselektion ein stärkeres Interesse einer öffentlichen Kasse an besseren Behandlungs- und Versorgungskonzepten vor allem für Chronisch-Kranke, was im Interesse der Patienten sei und die Kostenexplosion einzudämmen helfe.

«Einheitskasse fördert falsche Therapie»

Den beiden standen in der von az-Wirtschaftsredaktor Roman Seiler moderierten Diskussion CVP-Nationalrätin Ruth Humbel und Beat Schläfli gegenüber, Direktor der aarReha Schinznach. «Die Idee der Einheitskasse basiert auf einer falschen Diagnose und fördert die falsche Therapie», ist Ruth Humbel überzeugt.

Zentrale Überlegung, die zu diesem Schluss führt: Bremsen lässt sich die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen letztlich nur über die Einschränkung von Leistungen, aber dazu sagt die Initiative nichts. Hingegen falle das Wettbewerbselement der Leistungskontrolle durch die Kassen weg, womit sich die Initiative im Gegenteil sogar kostensteigernd auswirken würde.

Interessant zu diesem Aspekt: Auf die provokative Frage, ob sie sich demnach als Ärztin so für die öffentliche Krankenversicherung einsetze, weil ihr dann nicht mehr so genau auf die Finger geschaut würde wie bei in Konkurrenz stehende Kassen, sieht Anna Andermatt das Problem genau anders herum: Nach ihrer Erfahrung sei es nämlich eine Schwäche des heutigen Systems, dass die Krankenkassen die Kostenkontrolle vernachlässigen. Andermatt ist überzeugt, dass dies mit einer einzigen, öffentlichen Kasse strenger würde.

Keine einfache Aufgabe für den Stimmbürger also, bei der Wahl des Systems scheint doch vieles eine Glaubensfrage zu sein. Was die Kostenentwicklung betrifft, so hänge sie vom Leistungskatalog und der Versorgungsstruktur ab, meinte denn auch Beat Schläfli, und das sei keine Frage des Systems mit einer einzigen öffentlichen oder vielen privaten Kassen.

Den wesentlichsten Schwachpunkt der Initiative sieht er in einem bisher in der Diskussion nicht in den Vordergrund gerückten Punkt: Dass sich die Führungsorgane der Einheitskasse aus Vertretern der unterschiedlichen Interessen zusammensetzen sollen: Bund, Kantone, Versicherte und Leistungserbringer. Er frage sich, wie man da zum Beispiel Tarifverhandlungen führen wolle.