Rheinfelden

Glarus lockt Feldschlösschen-Konzern mit tiefen Steuern

Feldschlösschen in Rheinfelden: 50 Jobs fallen weg wegen Ansiedlung in Ziegelbrücke.

Feldschlösschen in Rheinfelden: 50 Jobs fallen weg wegen Ansiedlung in Ziegelbrücke.

Noch diesen Herbst wird der dänische Bierhersteller Carlsberg im Kanton Glarus einen internationalen Firmensitz aufbauen. Gut 200 Arbeitsplätze siedelt Carlsberg in Ziegelbrücke an. Das Nachsehen hat der Aargau. In Rheinfelden kostet das 50 Jobs.

In Ziegelbrück, Gemeinde Glarus-Nord, will der Getränkekonzern die länderübergreifende Koordination des Unternehmens zentralisieren. Von der Massnahme direkt betroffen ist die Zweigstelle Carlsberg Group Procurement AG in Rheinfelden, die sich um das globale Einkaufs- und Beschaffungswesen kümmert: Die 50 Arbeitsplätze werden vom Kanton Aargau in den Kanton Glarus verlegt. Tangiert sind hauptsächlich Arbeitnehmer aus der Region. Vom Weggang nicht betroffen sind die 650 Arbeitsplätze der Carlsberg-Brauerei Feldschlösschen, wo die Carlsberg Group Procurement AG noch untergebracht ist.

Die Schweiz im Zentrum Europas sei mit ihren Rahmenbedingungen der ideale Standort, erklärt Thomas Metzger, Finanzchef der neuen Carlsberg Supply Company. Innerhalb der Schweiz sei die Entscheidung für Ziegelbrücke «nach Kriterien wie Infrastruktur, Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, direkte Verbindung zum Flughafen oder die Nähe zu internationalen Schulen gefallen», ergänzt Metzger.

Glarus bietet Carlsberg Steuerdeal

Keine Freude herrscht im Aargau. Regierungsrat Urs Hofmann, Vorsteher des Departementes Volkswirtschaft und Inneres, ist enttäuscht über den Entscheid. Er sieht den Grund im Steuerrecht des Bundes. «Als strukturschwacher Kanton profitiert Glarus von der Möglichkeit, Carlsberg Steuererleichterungen zu gewähren.» Dies bleibe dem Aargau als wirtschaftlich starkem Kanton verwehrt. «Der Aargau ist im gesamtschweizerischen Standortranking auf Platz drei, weit vor Glarus.»

2008 erliess der Bundesrat eine Verordnung über Steuererleichterungen. Wirtschaftsschwache Kantone können im Rahmen der Regionalpolitik Steuererleichterungen von bis zu 50 Prozent gewähren, wenn sich eine Firma ansiedelt. Sie gelten für die Staats- und Bundessteuern.

Steuererleichterung nicht bestätigt

Damit habe der Kanton Glarus als wirtschaftsschwacher Kanton gegenüber dem Aargau erhebliche Vorteile. «Wir wissen zwar nicht, ob und gegebenenfalls zu welchen Steuererleichterungen es in Glarus für Carlsberg gekommen ist», sagt Hofmann. «Tatsache ist aber, dass strukturschwache Kantone Wettbewerbsvorteile haben und unser Kanton aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeit hätte, der Firma Carlsberg ein ebenbürtiges Angebot zu unterbreiten.»

Die angesprochene Wettbewerbsverzerrung kommentieren wollen weder Carlsberg noch die Glarner Regierungsrätin und Vorsteherin des Departements Volkswirtschaft, Marianne Dürst. «Die Neuansiedlung der Carlsberg Supply Company AG erfolgt im Rahmen der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung», betont Dürst und lässt damit offen, ob Carlsberg tatsächlich von Steuererleichterungen profitiert. Weder von ihr noch von Thomas Metzger sind Details zu erfahren. «Konkrete Steuersituationen von Unternehmen unterliegen dem Amts- und Steuergeheimnis», so Dürst.

Die Regierungsrätin zeigt sich erfreut über den Zuzug von Carlsberg. «Die Firma kam auf unseren Kanton zu und zeigt damit, dass unsere Region ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist.» Für den Schrumpfkanton Glarus mit seinen knapp 40000 Einwohnern bedeutet die Ansiedlung von Carlsberg ein Riesenerfolg. Dürst hofft auf «ein positives Zeichen für andere nationale und internationale Firmen».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1