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Glarner, Wermuth und die Cervelat-Empörung: «Du diskriminierst eine Minderheit»

Andreas Glarner sorgte mit einem Cervelat-Post auf Facebook für Empörung. Während es ihm um eine Grundsatzfrage zu den Muslimen in der Schweiz geht, hätte sich Cédric Wermuth ein anderes Vorgehen gewünscht.

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Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner hat sich letzte Woche wieder in die Schlagzeilen gebracht. Mit einem Facebook-Post. Er schrieb von einem Brief einer Jugendorganisation in einer kleinen Aargauer Gemeinde, in dem Eltern verboten worden sei, ihren Kindern für ein Abschlussfest Schweinefleisch mitzugeben. Ansonsten kämen Muslime, die aufgrund ihres Glaubens auf Schweinefleisch verzichten, nicht ans Fest.

«Schweizer, erwache!», schrieb der Rechtspopulist auf seinem Facebook-Account. Und die Wogen gingen hoch. Tele M1 berichtete daraufhin von einem Elternbrief der Schule in Strengelbach, wo diese gebeten wurden, für ein gemeinsames Essen der Kinder auf Schweinefleisch zu verzichten.

Wie Glarner aus einer solchen Meldung ein "Drama" zu machen, kann der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth nicht nachvollziehen, wie er im "TalkTäglich" auf Tele M1 zu Glarner sagte. Im Fall der Schule Strengelbach, deren Brief unglücklich formuliert gewesen sei, hätte er pragmatisch das Gespräch gesucht. Probleme gebe es immer wieder, vor dem Maienzug in Aarau sei es auch zu Diskussionen um ein vegetarisches oder veganes Büffet gekommen. Wermuth warf Glarner als "radikalem Nationalisten" vor, daraus ein nationales Thema machen zu wollen. Trotz der deutlichen Wortwahl – zu Gehässigkeiten zwischen den beiden Politikern kam es keineswegs. Am Schluss reichten sie sich wie Kontrahenten nach einem sportlichen Duell die Hand.

Glarner sieht eine Grundsatzfrage

Glarner wies ausdrücklich darauf hin, dass jene Mutter nicht die Schule Strengelbach gemeint habe. Und im Cervelat-Fall dagegen "die Grundsatzfrage, ob wir uns den Einwanderern anpassen müssen, vor allem den Muslimen, oder ob sie sich uns anzupassen haben." Er wehrt sich dagegen, dass Schulen kuschen und Eltern vorschreiben würden, was diese auf den Grill zu legen haben.

Hier hakte Wermuth wiederum ein. Es gehe nicht, den Muslimen zu unterstellen, sie wollten etwas durchsetzen. Gerade nach diesem Fall hätten sich mehrere muslimische Organisationen gemeldet und klar gemacht, dass sie keine Sonderrechte wollen (die AZ berichtete). "Was du machst, ist eine Sündenbockpolitik, um eine Minderheit zu diskriminieren", warf Wermuth Glarner vor.

Nun haben Glarner und Wermuth etwas gemeinsam: Beide haben in ihrer politischen Karriere schon da und dort zur Provokation gegriffen, um ein Thema in die öffentliche Diskussion zu bringen. Auf eine entsprechende Frage von Moderatorin Anne-Käthi Kremer verwehrt sich der SP-Nationalrat allerdings dagegen, hier mit Andreas Glarner verglichen zu werden. "Provokation ist kein Selbstzweck. Andreas Glarner schiesst auf Menschen einer Minderheit, die sich nicht wehren können." Er, auch zu seiner Juso-Zeit, habe das nie gemacht. Er habe Bundesräte oder Leute mit Geld und einer PR-Maschinerie im Rücken kritisiert, die sich wehren konnten. (pz)