Verlorenes Geld
Glarner über seine 5000 Franken: «Das buche ich als Lehrgeld ab»

Die Ortspartei der umstrittenen SVP-Politikerin Sarah Bösch beriet sich am Montag. Sie distanziert sich deutlich von Böschs Kritik an den Sicherheitskräften. Der Aargauer Grossrat Andreas Glarner verzichtet auf eine Anzeige wegen Veruntreuung.

Mario Fuchs
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SVP-Politikerin Sarah Bösch wollte eine Kindertagesstätte einrichten. Der Aargauer SVP-Fraktionschef Andreas Glarner sprach 5000 Franken – doch das Geld scheint verschwunden.

SVP-Politikerin Sarah Bösch wollte eine Kindertagesstätte einrichten. Der Aargauer SVP-Fraktionschef Andreas Glarner sprach 5000 Franken – doch das Geld scheint verschwunden.

key / zvg

Am Montagabend war der Fall der St. Galler SVP-Politikerin Sarah Bösch Thema in der Fraktionssitzung der SVP Wil. Ein Entscheid wurde allerdings laut Ortsparteipräsident Klaus Rüdiger noch nicht gefällt.

«Aktuell klärt die SVP-Fraktion ab, ob und, wenn ja, unter welchen Bedingungen eine weitere Zusammenarbeit mit Sarah Bösch möglich ist», schreibt Rüdiger in einem heute Nacht verschickten Communiqué, das der Aargauer Zeitung vorliegt.

Entscheid zu später Stunde «nicht seriös»

Wie das «St. Galler Tagblatt» heute berichtet, habe die Sitzung mehrere Stunden gedauert. Die Causa Bösch sei als letztes Traktandum behandelt worden.

Ein Entscheid gegen halb eins Uhr – nach diversen politischen Geschäften – wäre laut Fraktionschef Mario Schmitt nicht seriös gewesen.

In ihrer Mitteilung distanziert sich die Partei «in aller Deutlichkeit von den abwertenden Äusserungen», die Sarah Bösch gegenüber den Sicherheitskräften gemacht habe. Trunkenheit am Steuer sei «kein Kavaliersdelikt», die SVP-Fraktion schätze «die Arbeit der Sicherheitskräfte ausserordentlich». Wenige Stunden danach entschuldigt sich die 33-Jährige auf Facebook für ihre "unbedachten Äusserungen gegen die St. Galler Polizei in aller Form". Als Exekutivorgan des Staates mache die Polizei einen guten Job. "Ich möchte gerne mit meinem Fehlverhalten unsere Jugend daran erinnern, dass Alkohol am Steuer mit Null-Toleranz zu begegnen ist", schreibt sie weiter.

Sarah Böschs Facebook-Eintrag mit der Entschuldigung

Sarah Böschs Facebook-Eintrag mit der Entschuldigung

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SVP-Politikerin Sarah Bösch war am Sonntagabend vor einer Woche angetrunken in eine Polizeikontrolle geraten. Noch während der Untersuchung beschwerte sie sich auf Facebook über die «schockierende Bürokratie» und kritisierte die Polizisten. Der Atemtest ergab einen Wert von 0,8 Promille, die Ergebnisse des Bluttests werden diese Woche erwartet.

Glarner: «Längst erledigt»

Bösch steht zudem im Verdacht, Geld für ein nie realisiertes Projekt eingesteckt zu haben. Unter anderen hatte Andreas Glarner, Fraktionschef der SVP im Aargauer Grossen Rat, 5000 Franken für eine Kindertagesstätte für Kinder mit einer Behinderung gesprochen.

Eine Nachfrage von Glarner beim dafür gegründeten Verein ergab, dass das Geld nicht verbucht worden sei. Glarner sagte dazu am Sonntag: «So etwas ist himmeltraurig, das gehört sich nicht.» Am Dienstag erklärt der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli auf Anfrage, die Angelegenheit sei für ihn «längst erledigt».

Die Rückforderung der 5000 Franken oder gar eine Strafanzeige gegen Bösch wegen Veruntreuung seien für ihn kein Thema. Er sagt: «Das buche ich als Lehrgeld ab.» Laut «Sonntagsblick» sind nebst Glarner «weitere SVP-Spitzenpolitiker» auf die Masche hereingefallen. Bösch habe «mit ihren Reizen geködert».

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