Für den Start einer Plakatkampagne gegen Littering suchten sich die Verantwortlichen des Kantons den Parkplatz Gexi an der Badenerstrasse in Lenzburg aus. Sie wissen warum: Dort werden die Kübel zwar zweimal wöchentlich geleert, doch sie sind grad wieder voll.

Leider nicht nur das. Gestern mussten die Bauamtsmitarbeiter auch gleich eine Serie gebrauchter Gipserkübel mitsamt verschmutzter Arbeitskleidung einsammeln. Das geht über Littering hinaus. Littering steht ja für das achtlose Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum. Im Fall dieser Arbeitsinstrumente geht es bereits um illegale Abfallentsorgung.

Es gibt viel zu tun: Zweimal pro Woche reinigt Christoph Jauslin, Mitarbeiter Strassenunterhalt, den Grexi-Parkplatz in Lenzburg.

Es gibt viel zu tun: Zweimal pro Woche reinigt Christoph Jauslin, Mitarbeiter Strassenunterhalt, den Grexi-Parkplatz in Lenzburg.

Fernseher auf dem Parkplatz entsorgt

Für Dominik Studer, Leiter Unterhalt in der Abteilung Tiefbau des Departements Attiger, ist das nichts Neues. Nebst Pet- und Glasflaschen finde man auch Haushaltsabfälle. Auf Parkplätzen wird oft illegal auch Bauschutt entsorgt. Noch weniger versteht Studer, dass seine Mitarbeiter auch TV-Geräte einsammeln müssen: «Ausgediente Elektrogeräte kann man ja gratis abgeben!»

Littering wird immer mehr zum Problem – ein Gespräch mit Dominik Studer, Leiter Unterhalt im Aargauer Baudepartement

Littering wird immer mehr zum Problem – ein Gespräch mit Dominik Studer, Leiter Unterhalt im Aargauer Baudepartement

Die Abfallmengen und damit die Kosten für Aufwand und Entsorgung steigen weiter. Deshalb lanciert der Kanton Aargau nun eine neue Kampagne.

Littering sei ein grosses Übel, sagt Studer. Das Aufräumen entlang der Kantonsstrassen und auf Rastplätzen/Parkplätzen brauche viel Zeit und Geld. Inzwischen kostet dieses Aufräumen allein schon 1,35 Millionen Franken jährlich – jedes Jahr etwas mehr.

Vom Unterhaltsdienst her tue man, was möglich ist: «Wir suchen eine gute Balance. Der Aufwand soll vertretbar sein, und auf den Rastplätzen soll es einigermassen sauber sein. Er weiss: «Auf einem sauberen Parkplatz ist die Hemmung grösser, etwas wegzuwerfen.»

1150 Kilometer entlang aufräumen

Was tut der Kanton jetzt? Er will mit einer Plakatkampagne an besonders Littering-anfälligen Rastplätzen die Bevölkerung sensibilisieren. In Oftringen hat man mit einem Plakat bereits gute Erfahrungen gemacht. Jetzt kommen im ganzen Kanton Dutzende dazu.

Im Aargau sind 120 Mitarbeitende des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) täglich für den Unterhalt der rund 1150 Kilometer Kantonsstrassen unterwegs. Studer: «Unsere Mitarbeitenden bekommen den Abfall zum Teil aus dem fahrenden Auto vor die Füsse geworfen.» Studer ist überzeugt: Littering ist kein reines Abfallproblem, denn Entsorgungsmöglichkeiten gibt es meist genug. Es sei vorab ein gesellschaftliches Problem.

Manche warten auf leeren Kübel

Hansruedi Aeschbach vom Strassenunterhalt beobachtet die schleichende Zunahme von Littering ebenfalls – parallel zu immer mehr mobilen Verpflegungsmöglichkeiten. Er mag aber nicht alle Leute in denselben Topf werden: «Die meisten wissen, wo der nächste Abfallkübel ist und nutzen ihn.»

Er kennt aber bestimmte Kübel, von denen er weiss, dass sie sich wundersam wieder füllen, kaum dass er sie geleert hat. Offenkundig entsorgen da manche Leute in kleinen Säckchen ihren Haushaltsmüll. Das demotiviert ihn aber nicht. Aeschbach: «Es macht mich stolz, von einem tiptop gesäuberten Rastplatz wegzufahren.»