Ist Roger Schawinski in der Rolle als SRF-Talkmoderator noch tragbar, nachdem er gegen Satiriker Andreas Thiel ausfällig geworden war? Diese Frage wirft Markus Gilli in seiner Sendung «SonnTalk» am Sonntagabend in die Runde.

Für den Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner ist klar: «Der ist jetzt für immer und ewig als Choleriker abgestempelt.» Schawinski sei seinem Gesprächspartner «intellektuell nicht gewachsen» gewesen. Er hoffe, er finde jetzt «den richtigen Abgang». Denn: «Er hat nie etwas anderes gemacht, als die Leute zu beleidigen und zu verletzen.»

SonnTalk-Gast Kaspar Loeb, PR-und Kommunikationsberater, sagt: «Es war einfach ein hundslausiger Talk.» Die Auswertung habe gezeigt, dass Schawinski öfter zu Wort kam als sein Gast. Zudem sei kein Gespräch zustande gekommen – «da hat der Zuschauer nichts davon». Um Schawinski abzusetzen, seien der SRF-Direktor Matter und Co. allerdings nicht mutig genug.

Format und Talkmaster hinterfragen

Wirtschaftsexpertin und Buchautorin Sonja A. Buholzer vermutet: «Wenn sich das ein anderer Moderator geleistet hätte, wäre er jetzt weg.» Schawinski werde von der SRF-Chefetage «gepampert». Für sie ist der Eklat der Anlass, das Format, den Talkmaster, aber auch das SRF als öffentlich-rechtlichen TV-Sender zu hinterfragen. Vujo, Irina Beller oder Thiel seien «nicht unbedingt Gäste, die man sich in einem solchen Talk wünscht».

Ins gleiche Horn bläst übrigens Giezendanners Parteikollege Christoph Mörgeli. Er fordert in einem offenen Brief ans SRF die Absetzung von Roger Schawinski, wie 20 Minuten berichtet. (smo)

Andreas Thiel bei Roger Schawinski

Mit seinem Artikel über den Koran in der «Weltwoche» hat der Satiriker Andreas Thiel eine weitere Stufe der Provokation gezündet. Alles ernst gemeint? Roger Schawinski fragt nach. Mehr zur Sendung: http://www.srf.ch/sendungen/schawinski/roger-schawinski-im-gespraech-mit-andreas-thiel SRF 1, 15. Dezember 2014 mit Roger Schawinski und Andreas Thiel Er steht dazu und sagt es jedem, der ihn fragt. Und auch ungefragt lässt er verlauten, er sei ein «enfant terrible». Das sei er schon immer gewesen. Er brach in die Schule ein, später hat diese ihn rausgeschmissen. Nun verdient der Satiriker Andreas Thiel eben mit Provokation sein Geld. Es heisst, er sei der rechtsbürgerliche unter den Komikern. Thiel sagt, jene, die das behaupten, stünden eben zu weit links. Der 43-Jährige, der seit gut zwei Jahren mit einer Irokese das Establishment einzuschüchtern versucht, bezeichnet sich abwechslungsweise als Anarchist oder Anarcho-Liberaler. Thiel ist der Komiker, der sich getraut, auf der Bühne auch über den Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern Witze zu reissen. Das kommt offenbar an. Kaum ein Schweizer Komiker hat so viele Preise erhalten, darunter auch den Salzburger Stier und den Deutschen Kabarettpreis. Vor wenigen Wochen wurde Thiel ganz ernst: In der «Weltwoche» publizierte er seine Kritik am Koran – ein Buch, das seiner Meinung nach ein einziger Aufruf zur Gewalt ist. Das irritierte. Repliken und Morddrohungen folgten. Was hat Thiel dazu bewogen, als Religionskritiker aufzutreten? Ohne Bühne unter den Füssen und ohne den Massanzug, den er sonst bei seinen Auftritten trägt. In «Schawinski» nimmt er Stellung