Burkaverbot

Giezendanner: «Habe noch nie einen Mann mit Burka gesehen»

Ulrich Giezendanner verteidigt im «SonnTalk» christliche Werte: «In einer liberalen Ordnung muss eine Frau herumlaufen können, wie sie will»

Ulrich Giezendanner verteidigt im «SonnTalk» christliche Werte: «In einer liberalen Ordnung muss eine Frau herumlaufen können, wie sie will»

Im «SonnTalk» diskutierte Moderator Markus Gilli mit Ueli Giezendanner (SVP), Christa Markwalder (FDP) und Martin Naef (SP) über das Burkaverbot. Für den Aargauer SVP-Nationalrat ist klar: «Ich will ein Gesicht sehen!»

Moderator Markus Gilli steuerte den «SonnTalk» gleich zu Beginn auf emotionales Terrain: Burkaverbot – alles nur Wahlkampfpolemik oder steckt mehr dahinter?

Der Moderator liess der einzigen Frau in der Runde, der FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, den Vorrang.

Doch die Bernerin lieferte statt einer Antwort diejenige Gegenfrage, die die Diskussion beinahe gleich wieder beendet hätte: «Wer von euch hat denn schon mal eine Burka-Trägerin gesehen?» Sie sehe immer bloss welche in Interlaken und an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Auf Gillis Nachhaken platzierte Markwalder dann aber doch ein Statement: Sobald jemand gezwungen sei, eine Burka zu tragen, widerspreche das ihren liberalen Grundwerten. Doch ein Verbot brauche nicht in der Verfassung zu stehen, das sei unverhältnismässig und schaffe neue Probleme, statt welche zu lösen.

Auch SP-Nationalrat Martin Naef (Kanton Zürich) sprach sich klar gegen eine Verfassungsänderung aus. Auch wenn er Burkaträgerinnen irritierend fände, stehe ein Verbot ausser Frage. «Wir können nicht 500 Jahre nach der Reformation Kleidervorschriften erlassen», sagte Naef. «Man kann nicht alles mit dem Strafrecht lösen.»

Ein neues Argument führte Ulrich Giezendanner, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Aargau ins Feld: «Ich habe noch nie einen Mann mit Burka gesehen. Folglich ist das eine Diskriminierung der Frau.» Auch die Touristinnen an der Zürcher Bahnhofstrasse und in Interlaken müssten sich anpassen, sagte Giezendanner. «Ich will ein Gesicht sehen.» 

Das verurteilte Naef als Heuchelei. «Wenn es darum geht, ob wir Waffen exportieren, nach Katar, nach Saudi-Arabien, die am Schluss beim IS landen, die Regime stützen, die Menschenrechte massiv mit Füssen treten... Da machen wir Big Business. Und hier behaupten wir, wir seien für die Rechte der Frau. Das ist verlogen.»

«Ich dachte: Ueli, was machst du?»

Auch beim zweiten Thema waren die Voten klar verteilt: Ueli Maurer hatte diese Woche gesagt, die Schweiz sei dafür gewappnet, 50'000 Flüchtlinge jährlich aufzunehmen.

Markwalder und Naef nickten zustimmend, betonten beide die Notwendigkeit der Hilfe vor Ort, die diplomatischen Aufgaben der Schweiz und die Kapazität der Infrastruktur. Giezendanner sagte: «Ich bin erschrocken und dachte, Ueli, was machst du? Maurer braucht mehr echte SVP-Berater.»

Noch schlimmer sei nur die Ankündigung des Kantons Aargau, Ikea-Häuser als Flüchtlingsunterkünfte aufzubauen. Man könne doch nicht die Schweiz den Asylbewerbern noch schmackhafter machen, in dem man ein Eigenheim verspreche, das dann nicht mal aus heimischer Produktion sei.

Weniger vehement äusserten sich Gillis Gäste zum Thema FIFA. «Mir geht die FIFA derart auf die Nerven. Auch Herr Blatter geht mir auf die Nerven», sagte Giezendanner. Dennoch wäre es das Dümmste, wenn der Präsident morgen zurücktreten würde. Naef war sich einig mit Giezendanner. Blatter habe seinen Rücktritt bereits um Jahre versäumt. Dass die Sponsoren dies jetzt von Blatter forderten, sei verlogen. «Das ist die Stunde der Heuchelei!»

Das nahm Gilli als Schlusswort – nicht ohne Giezendanner noch rasch einen Seitenhieb zu verpassen: «Leim du dein Ikea-Regal heute Abend zusammen.» (dwi, watson.ch)

Die ganze Sendung sehen Sie hier:

Burkaverbot - 50'000 Flüchtlinge - FIFA-Blatter

Burkaverbot - 50'000 Flüchtlinge - FIFA-Blatter

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