Der Aargau gilt manchenorts als nicht besonders innovativ. Gerade in Sachen E-Mobilität kann man ihm dies sicher nicht nachsagen. So machte SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner mit seiner Forderung nach Formel-E-Rennen in der Schweiz Furore. Damit bleibt er nicht allein.

Heute reicht nämlich Giezendanners Aargauer Nationalratskollege von der SP, Max Chopard, einen Vorstoss ein, der dasselbe fordert. Chopard lädt den Bundesrat mittels Postulat ein zu prüfen, «inwiefern geeignete Rahmenbedingungen vorhanden sind oder geschaffen werden müssten, damit in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft die Schweiz als Austragungsort für Formel-E-Rennen genutzt werden könnte».

«Effizienter, kein CO2, kein Lärm»

Der Vorstoss erstaunt. Als Giezendanner vor Jahren die Formel 1 in die Schweiz holen wollte, unterlag er im Parlament zweimal – auch wegen heftigen Widerstands von links. Was ist heute anders, dass ein SP-Nationalrat Autorennen in die Schweiz holen will?

Chopard: «Es geht hier um Autos mit komplettem Elektro-Antrieb. Sie stossen kein CO2 aus, machen keinen Lärm, sind effizienter und brauchen weniger Energie. Zudem unterliegen Rennteams in der Formel E mit umgerechnet 3 Millionen Franken klaren Budgetbeschränkungen.»

Der seit einiger Zeit beruflich für die Umwelt-Arena tätige Chopard sieht in der Elektromobilität eine grosse Chance für die Schweiz: «Die Formel E kann die Innovationskraft der Branche im Bereich E-Mobilität voranbringen. Sie wird sich positiv auf die künftige Weiterentwicklung und Akzeptanz der Elektromobilität auswirken. Das ist auch interessant für unsere Wirtschaft. Zudem reduzieren wir damit die Abhängigkeit von fossiler Energie.»

Und wo könnten solche Rennen stattfinden? Chopard könnte sich ein ehemaliges Militärflugplatzgelände vorstellen. Oder man könnte ein bestehendes Strassenstück vorübergehend sperren. Doch woher will er dereinst Strom nehmen?

Chopard zeigt sich gegenüber der az überzeugt: «Wir schaffen die Energiewende mit zusätzlichen Investitionen in die Energieeffizienz und erneuerbaren Strom.» Er selbst fährt bereits ein Elektroauto, hat eine Ladestation und auf dem Garagendach ein Solarpanel.

Rundstreckenverbot abschaffen

Ueli Giezendanner, der mit dieser Idee schon am Sonntag Schlagzeilen machte, freut sich über Chopards Vorstoss: «Doppelt und dreifach genäht hält besser», so Giezendanner. Wenn auch ein Vorstoss von links dasselbe wolle, werde die Chance sehr gross, dass es diesmal klappt.

Damit sich niemand falsche Vorstellungen macht, weist er aber darauf hin, dass der Platzbedarf für die Formel E gleich gross ist wie für die Formel 1 – und dass auch hier sehr viele Zuschauer kommen.

Zürich, Dübendorf, Interlaken?

Um dies zu ermöglichen, muss aber erst das schweizerische Rundstreckenverbot fallen. Das wird Giezendanner in seinem Vorstoss fordern, den er in der Wintersession einreichen will. Giezendanner: «Ich will nicht vorpreschen, den Vorstoss dafür mit möglichst vielen Unterschriften einreichen.»

Bereits am Sonntag schlug er vor, solche Rennen könnten in einer grossen Schweizer Stadt stattfinden. Auch im Aargau? Giezendanner winkt gegenüber der az ab: «Unsere Städte sind eher zu klein. Es soll eine Stadt mit vielen Hotels für die zahlreichen Zuschauer sein.» Wo wäre dies gegeben? «Giezi» könnte sich Zürich, Interlaken oder Dübendorf vorstellen.

Nicht nur Giezendanner und Chopard weibeln für die Formel E. Auch FDP-Nationalrat Derder Fathi (VD) reicht heute eine Motion pro Formel E ein. Das zeigt: in dieser Sache ist viel Bewegung. Sicher ist diesen Nationalräten bereits die Unterstützung von «Swiss-eMobility»-Präsident Thierry Burkart.

Burkart, derzeit Aargauer Grossratspräsident, sähe in der Formel-E «eine grosse Chance für den Technologiestandort Schweiz». Die E-Mobilität ist noch in Entwicklung begriffen. Gerade deshalb seien solche Rennen eigentliche Innovationstreiber bezüglich Sicherheit, Verbrauch und Technologie, betont Burkart.