1. Worum geht es?

Wer berufsbedingte Arbeitswegkosten belegen kann, konnte diese bisher unbeschränkt von den Steuern abziehen. Seit Januar 2016 gilt allerdings bei der Bundessteuer eine Beschränkung auf 3000 Franken. Dies hat das Bundesparlament zwecks Mitfinanzierung der vom Volk gutgeheissenen Vorlage zur Finanzierung und zum Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (Fabi) entschieden. Die Kantone dürfen den Pendlerabzug seither auch beschränken. Regierung und Mehrheit des Grossen Rates wollen dies tun – mit einer Beschränkung auf 7000 Franken. Zur dafür nötigen Gesetzesänderung hat das Volk jetzt das letzte Wort.

2. Warum die Änderung und was kostet sie?

Die Kantone haben aufgrund der Fabi-Vorlage Mehrkosten. Die Aargauer Regierung argumentiert, mit der Beschränkung auf 7000 Franken einen Teil dieses Mehraufwands auszugleichen. Sie ist Teil der sogenannten Entlastungsmassnahmen 2016. Sie bringt dem Kanton – wenn das Volk zustimmt – ab 2017 Mehreinnahmen von 10, den Gemeinden von 9,4 Millionen Franken.

3. Wann kann ich überhaupt einen solchen Abzug geltend machen?

Berufstätige können die tatsächlichen Kosten zur Erreichung des Arbeitsplatzes steuerlich in Abzug bringen. Für die ersten 15 000 Autokilometer sind dies 70, für das, was darüber hinausgeht, 50 Rappen pro Kilometer. Die Autospesen werden aber vom Steueramt nur akzeptiert, wenn die Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels (öV) unzumutbar ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn man mit dem öV pro Tag mindestens eine Stunde länger hätte oder wenn bei Arbeitsantritt in der Früh noch kein öV unterwegs ist. Akzeptiert wird dies auch, wenn jemand auf Verlangen des Arbeitgebers für die Arbeit das private Auto benutzen muss. Schliesslich gelten gesundheitliche Gründe, wenn man deshalb ausserstande ist, den öV zu benutzen. Ansonsten kann man für den Arbeitsweg die effektiven Kosten des öV abziehen, maximal die Kosten eines 1.-Klass-GA.

4. Wie viele Pendler sind von der Beschränkung betroffen?

Rund 300 000 Aargauerinnen und Aargauer pendeln innerhalb des Kantons bzw. aus dem Aargau hinaus zur Arbeit bzw. zur Schule. Rund 100 000 von ihnen deklarieren laut Regierung jährlich einen Pendlerabzug von über 3000 Franken. Die Regierung hatte diese Zahl 2014 erhoben, weil die Grünen damals den Abzug auf 3000 Franken beschränken wollten. Im Parlament war das aber chancenlos. Gegen die Stimmen von SVP, FDP und EDU wurde hingegen eine Beschränkung auf 7000 Franken beschlossen. Betroffen sind 30 000 Personen – also etwa 10 Prozent der Pendler bzw. 8 Prozent der 370 000 Steuerpflichtigen.

5. Wie hoch sind eigentlich die höchsten Pendlerabzüge im Aargau?

Die 100 höchsten Pendlerabzüge im Aargau betragen laut Regierungsauskunft von 2014 zwischen 24 000 und 35 000 Franken. In anderen Kantonen wurden noch höhere Abzüge bekannt. In St. Gallen betrug der höchste Abzug 67 000 Franken, in Zug setzte ein Ehepaar gar 74 000 Franken Pendlerkosten von den Steuern ab.

6. Macht der Aargau einen Sololauf oder beschränken andere Kantone den Pendlerabzug ebenfalls?

Mehrere andere Kantone beschränken den Pendlerabzug ebenfalls. In einigen ist es bereits beschlossen, in anderen in Diskussion. Beschlossen ist beispielsweise in Bern eine Beschränkung auf 6700 Franken, im Thurgau und in Appenzell Ausserrhoden auf 6000 Franken, in St. Gallen auf 3655 Franken (entsprechend dem Preis eines 2.-Klass-GA, darüber fand eine Volksabstimmung statt), in Basel-Stadt auf 3000 Franken. Den mit Abstand tiefsten Abzug gewährt Genf mit ganzen 500 Franken. In Diskussion sind Beschränkungen auf 6000 Franken in Luzern und Baselland, und auf tiefe 3000 Franken im Kanton Zürich. Am 27. November stimmt nicht nur der Aargau, sondern auch Zug über eine Beschränkung ab. In Zug geht es (auch im Rahmen eines Sanierungspakets) um eine Limitierung auf 6000 Franken.

7. Wie weit kann ich denn mit dem Auto noch pendeln, bis es teurer wird?

Mit der Beschränkung sind künftig nur noch Autokosten für Arbeitswegstrecken bis zu 22,7 Kilometern pro Arbeitsweg abziehbar, also 45,4 Kilometer für die Hin- und Rückfahrt. Da liegt zum Beispiel die Fahrt von Frick nach Aarau gut drin.

8. Wie viel kostet es mich, wenn ich eine längere Strecke fahre?

Wenn Sie Pendlerkosten von 12 000 Franken haben, können Sie davon neu 5000 Franken nicht mehr abziehen. Die steuerlichen Auswirkungen hängen stark vom Einkommen ab. Ein Beispiel: Ein Verheirateter mit zwei Kindern zahlt derzeit in Aarau bei einem steuerbaren Einkommen von 70 000 Franken (kein Vermögen) 5693 Franken Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern. Neu stiege das steuerbare Einkommen auf 75 000 Franken, die Steuern um fast 900 auf 6564 Franken.