Aargauer Wirtschaftssymposium

Gewinne machen, um ein verantwortungsbewusster Unternehmer zu sein

Carolina Müller-Mühl, Verwaltungsratspräsidentin der Müller-Möhl Group, bei ihrem Vortrag.

Carolina Müller-Mühl, Verwaltungsratspräsidentin der Müller-Möhl Group, bei ihrem Vortrag.

Führungskräfte denken am achten Aargauer Wirtschaftssymposium über verantwortungsbewusstes Unternehmertum nach: Unternehmerin Carolina Müller-Möhl sieht die Verantwortung bei Weltfirmen wie Apple immer wichtiger werden.

«Unternehmensverantwortung wahrnehmen: heute wichtiger denn je.» Das Thema des achten Aargauer Wirtschaftssymposiums gestern im Kultur- und Kongresshaus Aarau hatte im Vorfeld der Abstimmung über die Abzocker-Initiative noch zusätzliche Aktualität erlangt. Von TV-Frau Christine Maier, die den Anlass moderierte, darauf angesprochen, liess sich Crispino Bergamaschi zwar nicht zu einer Abstimmungsempfehlung hinreissen. Der Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz hielt aber fest: «Initiativen kommen nicht wegen nichts.» Die Gesellschaft reagiere auf Entwicklungen, die sie nicht toleriert. Die Folge: das Rechtskorsett wird enger. Darum sei es wichtig, dass die Wirtschaft ihr Handeln reflektiert und die Fähigkeit hat, sich selbst zu regulieren, wenn sie nicht in ein zu enges Rechtskorsett gezwängt werden will.

«Der Preis der Freiheit»

Grund genug also, ein Wirtschaftssymposium der Frage zu widmen, was die Verantwortung von Unternehmen und Unternehmern ist und wodurch sich verantwortungsbewusstes Unternehmertum auszeichnet. Bergamaschi spitzte es auf die Formel «Verantwortung ist der Preis der Freiheit» zu. Schonender Umgang mit den Ressourcen, Achtung gegenüber Mitarbeitern oder Mitbewerbern: Verantwortungsbewusstes Wirtschaften rentiere und gehöre darum zum unternehmerischen Kerngeschäft, so Bergamaschi.

Weitere Referenten am Wirtschaftssymposium, das zum achten Mal von der Aarauer Visus Service GmbH und der Fachhochschule Nordwestschweiz veranstaltet wurde, waren der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann und die Unternehmerin Carolina Müller-Möhl. Müller-Möhl zeigte an verschiedenen Beispielen auf, wie die Corporate Responsibility, die Unternehmensführung unter Berücksichtigung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren, zunehmend mit dem Geschäftsmodell des Kerngeschäfts eines Unternehmens, dem Verkauf von Produkten, verknüpft ist: Apple verlagerte aus Angst um die Reputation der Marke nach Berichten über unhaltbare Kinderarbeit in China die Produktion teilweise wieder in die USA zurück. Lego will nicht einfach Bausteine verkaufen, sondern mit Spiel- und Lernerlebnissen die Kreativität von Kindern fördern.

Unternehmensverantwortung im Netzwerkzeitalter

Corporate Responsibility, das würden Laien nach den Ausführungen einer der mächtigsten Frauen der Schweizer Wirtschaft wohl in etwa so umschreiben: Es ist nicht so, dass Gewinnmaximierung in einem Unternehmen an sich etwas Schlechtes wäre. Aber Gewinnmaximierung kann nicht das einzige Ziel, sie sollte eher Mittel zum Zweck von verantwortungsbewusstem Unternehmertum sein.

Quelle: youtube/Christoph Voellmy

Bruno Bieri - Mani Matter Interpretation

Peter Wippermann ging auf das Thema Unternehmensverantwortung im Netzwerkzeitalter ein. Er nahm dafür das Zitat aus einem Gedicht von Mani Matter aus der musikalischen Einleitung von Bruno Bieri auf: «Verantwortlich ist, wer antworten muss.» Sich auf den Dialog mit der Gesellschaft einzulassen, sei für ein Unternehmen wichtig. Nicht einfach aus Imagegründen, sondern aus handfesten ökonomischen Interessen. Denn in der Netzwerkgesellschaft werde Vertrauen zur neuen Währung. Wippermann nannte als Beispiel ein technisch denkbares Versicherungsmodell mit Rabatten je nach der Dauer, wie lange ein Auto in der Garage steht: Die Bereitschaft zu so einem Datenaustausch bedinge enormes Vertrauen des Kunden in ein Unternehmen.

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